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Muchow/Prislich : Eine Krone aus Weizen und Roggen

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Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Sylvia Eggers ist seit Jahrzehnten beim Muchower Erntekronen-Binden dabei / Auch in Prislich wurde mit großem Ernteumzug gefeiert

svz.de von
erstellt am 07.Sep.2014 | 17:03 Uhr

„Die Halme sind zu lang. Wir müssen noch ein bisschen abschneiden.“ Sylvia Eggers reicht das schlanke Sträußchen Getreide, das sie gerade bekommen hat, zurück. Und während Elke Greve die Halme kürzt, zupft die Muchowerin die Roggen-Ähren zurecht, die schon am Gestell hängen.

Die zweite Strebe der Muchower Erntekrone ist fast fertig. Dabei sind Sylvia Eggers und ihre Mitstreiter schon seit zwei Stunden hinter der „Konsumstuve“ am Werkeln. Doch bevor Weizen, Gerste und Roggen an das Gestell gebunden werden können, müssen die Halme zu kleinen Sträußchen gebündelt und gekürzt werden. „Eigentlich machen wir das immer vorher. Aber diesmal haben wir es nicht geschafft“, erklärt die 61-Jährige. Seit rund 30 Jahren gehört sie zu den Muchower Erntekronen-Bindern, obwohl sie beruflich nichts mit Landwirtschaft zu tun hat.

Damals waren es vor allem die Mitarbeiterinnen der Gärtnerei, die aus Getreide die Erntekrone für das alljährliche Erntefest zauberten. „Nach einem Aufruf zum Mitmachen habe ich ihnen erst über die Schulter geschaut, dann mitgeholfen und irgendwann haben sie gesagt, dass wir das Binden ganz übernehmen sollen“, erinnert sich Sylvia Eggers, die Gemeindearbeiterin ist und sich im Heimatverein „Muchower Müggen“ engagiert. Und auch wenn sie beim Kronebinden so ein bisschen das Zepter in der Hand hält, lässt sie gern andere Helfer ran. „Wir brauchen ja irgendwann Nachwuchs“, sagt sie. In Jörg Nitsche findet sie an diesem Freitagabend sogar einen Mann, der sich an das Binden herantraut.

Nach rund fünf Stunden ist die Arbeit getan, die Erntekrone – verziert mit Bändern in den Mecklenburg-Farben und Sonnenblumen – endlich fertig. Für Sylvia Eggers steht dabei nicht die Mühe im Vordergrund. „Wir sind hier in netter Runde, schnattern und trinken auch mal ein Käffchen“, sagt die gebürtige Muchowerin.

Am Sonnabendnachmittag treffen sich die Muchower Müggen wieder – dann mit vielen anderen Einwohnern der Gemeinde. Auf geschmückten Wagen fahren sie rund eine Stunde lang durch ihr Dorf, ehe sie sich in der „Konsumstuve“ zu Kaffee und Kuchen und später zum Tanz unter der Erntekrone treffen.

Nicht nur in Muchow, auch in Gorlosen und Prislich feierten Landwirte und Einwohner am Wochenende die eingefahrene Ernte. Weit mehr als 20 Wagen – kleine Rasentrecker, große Traktoren, Pferdegespanne, Lkw und Eigenbau-Fahrzeuge – rollten mehr als zwei Stunden lang durch die Gemeinde Prislich. Auch durch die Ortsteile Neese und Werle führte der Zug. „Ich freue mich, dass so viele Jugendliche mit dabei sind“, sagte der ehemalige Bürgermeister Günter Klink am Straßenrand und zeigte auf einen Wagen, auf dem junge Leute schon richtig Party machten. Nach einem längeren Zwischenstopp in Neese, wo vor der Kirche ein Erntedankgottesdienst gefeiert wurde, kehrte der Zug zum Dorfgemeinschaftshaus in Prislich zurück. Dessen Saal war schon zu diesem Zeitpunkt gut besetzt, und ein Pärchen wagte zur Musik der Kaarßener Blasmusiker bereits ein erstes Tänzchen. Nachdem dann die neue Bürgermeisterin Edeltraud Nürnberg allen fleißigen Helfern und Akteuren gedankt hatte, konnte das Erntefest richtig losgehen.


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