Fasten : Eine Frage des Willens

Pastorin Katharina Lotz von der Evangelisch-Lutherische Stadtkirchengemeinde Ludwigslust nimmt sich unter anderem jeden Tag Zeit, den meditativen Kalender von der Nordkirche zu lesen.
Pastorin Katharina Lotz von der Evangelisch-Lutherische Stadtkirchengemeinde Ludwigslust nimmt sich unter anderem jeden Tag Zeit, den meditativen Kalender von der Nordkirche zu lesen.

Pastorin Katharina Lotz verzichtet bis Ostern auf Süßigkeiten und alkoholische Getränke / Zeit zum Meditieren ist ihr wichtig

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03. März 2015, 07:00 Uhr

40 Tage auf etwas verzichten, das sonst ein elementarer Bestandteil des eigenen Lebens ist, und sich dabei in seinem Alltagshandeln einmal zu hinterfragen: Es ist wieder soweit – die Fastenzeit ist im vollen Gange und dauert bis Ostern an. Die Pastorin Katharina Lotz der evangelisch-lutherischen Stadtkirchengemeinde Ludwigslust erklärt im SVZ-Gespräch, warum überhaupt gefastet wird, und gibt dabei persönliche Einblicke, worauf sie in dieser Zeit verzichtet.

Welche Bedeutung hat die Fastenzeit für Sie persönlich?

Für mich bedeutet die Fastenzeit, einen Ausstieg aus den alltäglichen Gewohnheiten. Ich nutze die Zeit, um meine Lebensformen einmal neu zu überdenken.

Warum wird aus Sicht der Kirche gefastet?

Der Grundgedanke des Fastens ist es, des Leidensweges Jesus Christus zu gedenken. Es ist eine biblische Reflektion und eine Form des Innehaltens. So wird auch beim Gottesdienst zurückgeblickt auf das, was geschehen ist. Auch bei den Wechselgesängen ist zu erkennen, dass sie im Laufe der Fastenzeit immer mehr abnehmen, bis sie zu Ostern wieder in ganzer Fülle zu hören sind.

Welchen Sinn soll das Fasten für die Menschen haben?

Die Fastenzeit kann genutzt werden, um zur Ruhe zu kommen, aus dem Alltag auszusteigen und Kraft zu schöpfen aus dem christlichen Glauben.

Inwiefern ist es wichtig, heutzutage auch mal zu verzichten?

Wir leben in einer Welt des Überflusses. Da ist es auch wichtig, sich mal bewusst zu machen, unter welchen Bedingungen andere Menschen auf der Welt leben, und sich einmal selbstkritisch in seinem Alltag zu hinterfragen.

Worauf kann Ihrer Meinung nach verzichtet werden?

Da gibt es keine Grenzen. Auf alles, worauf man vielleicht sonst nicht verzichten würde und wovon man im gewissen Maße abhängig ist, ohne das in krankhafter Weise zu meinen. Das können Zigaretten, Süßigkeiten, Alkohol und vieles mehr sein. Ich habe beispielsweise gehört, dass jemand beim Einkauf auf Plastiktüten verzichtet. Auch das ist eine Variante von Verzicht und sich sein Handeln somit bewusst zu machen.

Worauf verzichten Sie?

Ich verzichte auf alkoholische Getränke und Süßigkeiten. Zudem haben wir in der Familie einen medienfreien Tag in der Woche eingeführt – kein Fernsehen, Computer oder Smartphone. So haben auch die Kinder gemerkt, dass wir mehr Zeit füreinander haben, zum Beispiel um mal gemeinsam etwas zu spielen.

Zudem nehme ich mir Zeit zum Meditieren. Ich habe den Kalender der Nordkirche zur Fastenaktion mit dem Titel „Du bist schön – Sieben Wochen ohne Runtermachen“. Jeden Tag nehme ich mir Zeit, um das Kalenderblatt zu lesen und darüber nachzudenken.

Haben Sie Tipps, um die Fastenzeit auch wirklich durchzuhalten?

Es ist eine Frage des Willens. Man benötigt ein Gewisses Maß an Selbstdisziplin. Dabei sollte man sich das Ziel immer vor Augen führen. Dies hilft beim eigenen Wunsch zu verzichten. Das stellt gerade die Herausforderung an einen selbst dar und am Ende ist die Freude groß, wenn es geschafft wurde.

Die Nordkirche hat die Fastenaktion „7 Wochen mit Produkten aus fairem Handel und Produkten aus der Region“ gestartet. Was halten Sie davon?

Ich finde es wichtig, nicht wahllos in Supermarktregale zu greifen und somit auch sein eigenes Kaufverhalten mal zu überdenken. Die globalen Zusammenhänge sollten dabei auch stärker in das Bewusstsein der Menschen gerückt werden, wie beispielsweise Kleinbauern in anderen Regionen der Erde um ihr Überleben kämpfen müssen.

Worauf freuen Sie sich nach der Fastenzeit am meisten?

Ich freue mich auf den intensiven Geschmack der Produkte, auf die ich in dieser Zeit verzichtet habe. Zudem lernt man diese anschließend mehr zu schätzen.

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