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Ludwigsluster Tageblatt

23. November 2017 | 05:02 Uhr

Neustadt-Glewe : Eine Firma in guten Händen

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Otto Schenk gründete vor 60 Jahren in Neustadt-Glewe seinen Malereibetrieb / Seit 1997 führt Schwiegersohn das Unternehmen

von
erstellt am 29.Mär.2017 | 07:00 Uhr

Wenn alles so, wie später geplant, gelaufen wäre, würde es dieses Jubiläum wohl gar nicht geben. Jedenfalls nicht in Neustadt-Glewe. Doch nun feiert der Neustädter Malereibetrieb Otto Schenk 60. Geburtstag.

Otto Schenk (86) stammt aus dem Sudetenland. Die Flucht führte ihn nach dem Krieg in den Westen Deutschlands. Hier, in Rüsselsheim, lernte er 1953 eine Frau aus dem mecklenburgischen Neustadt-Glewe kennen. Christa hatte den Osten verlassen, weil sie als „Kapitalistenkind“ (Vater besaß eine Tankstelle) nicht studieren durfte, nun in Rüsselsheim Schneiderin lernte.

Beide heirateten im April 1957. Zwei Tage später zogen sie nach Neustadt-Glewe und Otto gründete in der Fritz-Reuter-Straße seinen Betrieb. „Es war damals schwer, im Westen als Malermeister Fuß zu fassen. Im Osten aber wurden Handwerker gesucht nach dem Motto: ,Wer aus dem Westen kommt, ist gut’“, lacht Otto Schenk. Ein weiterer Grund für Neustadt-Glewe: Christas Mutter freute sich, dass die Tochter wieder daheim war.

„Natürlich mangelte es damals – und später auch – an allem, an Farben ebenso wie überhaupt an Material“, erinnert sich Otto Schenk. „Aber die Kunden waren auch nicht so verwöhnt.“ Material in bescheidenem Umfang gab’s bei der Einkaufsgenossenschaft in Ludwigslust oder auch in entsprechenden Lagern, zum Beispiel in Brüel. „Da fuhren wir dann auch schon mal hin, mit Kaffee oder Pralinen im Gepäck, die gegen Material getauscht wurden“, schmunzelt Christa Schenk.

„Die Aufträge kamen vor allem vom Staat – für Büros, Gebäude, Schulen und andere Einrichtungen“, erinnert sich Otto Schenk. „Das, was an Material übrig blieb, konnten wir dann für Private verwenden.“

Anfang der 1960-iger Jahre, war den Schenks klar, wohin die Reise gehen würde – mit der DDR und auch privat. „Wir wollten raus aus der Diktatur“, so Christa Schenk. Nach und nach brachten sie Haushaltsdinge, wie Geschirr und Bettwäsche, nach Westberlin, wo alles in Containern verstaut wurde. Anfang August 1961 war Ottos Schwester aus dem Westen in Neustadt zu Besuch, nahm auf dem Rückweg das Ostgeld ihrer Verwandten heimlich mit über die Grenze. „Wir hatten in Schwäbisch Hall bereits eine Wohnung. Das Geld, natürlich umgetauscht, sollte unser Startkapital sein“, sagt Christa Schenk. Die Reise in den Westen war für den 14. August, einem Montag, geplant. Doch am Sonntag machte die DDR alle Grenzen dicht.

Die Schenks blieben, auch deshalb, weil sie ihre beiden kleinen Töchter Evelin und Rosemarie nicht gefährden wollten. Otto und Christa Schenk bauten 1967 an der Landwehr ein Haus und kauften vom damaligen VEG Lewitz einen alten Hühnerstall, der, hinterm Haus aufgestellt, Schenks Werkstatt wurde und heute noch steht.

Der Betrieb aber ist heute gleich um die Ecke, in der Ludwigsluster Straße 29 in Neustadt-Glewe, zu finden. „Malereibetrieb Otto Schenk, Inh. Ralf Unger, Malermeister“, ist auf dem Firmenschild zu lesen.

Ralf Unger ist der Ehemann von Schenks Tochter Evelin. Betriebsübernahme war am 1. Januar 1997. „So können wir in diesem Jahr gleich zwei Jubiläen feiern“, sagt Evelin Unger, die im Betrieb u. a. für die Buchhaltung sorgt. „Auf die Malerleiter kann ich aber auch schon noch klettern“, lacht sie.

Und Otto Schenk sagt: „Was ist schöner, als zu sehen, dass das Unternehmen weiter in guten Händen liegt?“

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