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Ludwigsluster Tageblatt

22. November 2017 | 06:51 Uhr

Ludwigslust : Eine Atempause für Pflegende

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Ehrenamtliche betreuen Demenzkranke, um den Angehörigen eine Auszeit zu ermöglichen / Interessenten für neuen Helferkreis gesucht

von
erstellt am 20.Jan.2015 | 10:02 Uhr

Sie gehen mit den Demenzkranken spazieren. Sie spielen mit ihnen Gesellschaftsspiele, erzählen oder trinken zusammen Kaffee. So verschaffen ehrenamtliche Betreuer des Helferkreises Schwerin pflegenden Familienangehörigen wichtige Verschnaufpausen. Was in der Landeshauptstadt schon seit 2007 angeboten wird, soll nun auch in Ludwigslust möglich werden. Dazu haben der Landkreis, der Pflegestützpunkt Ludwigslust und die Comtact GmbH Schwerin begonnen, einen Helferkreis aufzubauen. Dafür werden Frauen und Männer gesucht, die sich ehrenamtlich stundenweise um Demenzkranke und Pflegebedürftige kümmern wollen.

„Die Pflege Demenzkranker ist ein 24-Stunden-Job. Viele Pflegende haben nicht die Zeit, mal zum Friseur zu gehen, mal in Ruhe einzukaufen oder einem Hobby nachzugehen“, erklärt Projektbetreuerin Susanne Müller von Comtact. „Ihre Gedanken kreisen ständig um den Pflegebedürftigen und die Frage, was als Nächstes passieren könnte.“ Eigene Bedürfnisse und Interessen werden zurückgestellt, die Gefahr, selbst zu erkranken, steigt. „Das wollen wir mit Hilfe der ehrenamtlichen Betreuer verhindern“, so Susanne Müller. „Sie gehen stundenweise zum Pflegebedürftigen nach Hause, betreuen ihn, so dass der Angehörige eine Auszeit bekommt, Kraft tanken kann für ein teilweise sehr schwierige Tätigkeit.“ Letztlich könne so in vielen Fällen auch der Umzug ins Heim verzögert oder sogar vermieden werden. Ob eine feste Zeit vereinbart wird oder der Ehrenamtler bei Bedarf gerufen wird – das könnten die Familien mit dem Betreuer individuell vereinbaren.

Die ehrenamtlichen Betreuer erhalten für ihre Tätigkeit eine Aufwandsentschädigung. Um diese zu bezahlen, können betroffene Familien jene 104 oder (bei erhöhtem Bedarf) 208 Euro nutzen, die die Pflegekassen monatlich für Betreuungs- und Entlastungsleistungen gewähren. „Voraussetzung ist, dass die Pflegestufe 0 zuerkannt, dass eine Einschränkung der Alltagskompetenz festgestellt wurde“, erklärt Sylke Seehase vom Pflegestützpunkt Ludwigslust.

Die künftigen Betreuer müssen keine speziellen Voraussetzungen erfüllen. „Sie müssen Interesse an der Tätigkeit haben, zuverlässig sein und mit der Andersartigkeit von Menschen zurechtkommen“, so Sylke Seehase. Unter den Schweriner Betreuern sind junge und ältere Menschen (bis 86 Jahre derzeit), Berufstätige und Rentner. Wer sich über die Arbeit als Betreuer von Demenzkranken informieren will, kann das bei einer Info-Veranstaltung (siehe Kasten) tun. Auch wer noch unschlüssig ist, kann sich die Informationen anhören

Mit dem Aufbau der Helferkreise Ludwigslust und Parchim setze der Landkreis eine Handlungsempfehlung aus seiner 2013 erstellten Pflegesozialplanung um, erklärt Sarah Ledwig. Die hatte festgestellt, dass es beim Besuchs- und Betreuungsangebot für Menschen mit Demenz Nachholebedarf gebe.

Der Aufbau der Helferkreise wird über das Bundesmodellprogramm „Lokale Allianzen für Menschen mit Demenz“ gefördert. 

 

 

 

 

 

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