Ludwigslust : Eine Adresse, die weiterhilft

Ralf Dettmer erledigt den Hol- und Bringdienst in der Ludwigsluster Tagesstätte des Suchthilfezentrums / Er selbst hat den Absprung geschafft

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04. März 2014, 12:59 Uhr

Auf Ralf Dettmer ist Verlass. Der 44-Jährige aus Heidhof ist bei der Tagesstätte Ludwigslust des Suchthilfezentrums des Diakoniewerkes Kloster Dobbertin beim Hol- und Bringdienst tätig. Meist von Montag bis Freitag holt er Klienten der Tagesstätte von zu Hause ab, um sie in die Einrichtung zu bringen. „Sie sind meist schon immer vor der Haustür oder am vereinbarten Abholpunkt“, erläutert Dettmer. Seine Tour führt über die Orte Kronskamp, Grabow, Malliß, Dömitz sowie Neu Kaliß. Beim ersten „Mitfahrer“ ist er bereits um 7 Uhr. „Wenn einer von ihnen mal nicht mitfahren kann, ruft er mich vorher an“, schildert Dettmer.

Noch vor wenigen Jahren war eine regelmäßige, ehrenamtliche Tätigkeit für ihn nicht vorstellbar. Damals, vor rund sechs Jahren, wurde aus dem gelegentlichen Trinken bei ihm eine Abhängigkeit. „Damals trank ich den Korn schon vor dem Aufstehen“, blickt der einstige Kurierfahrer Dettmer zurück. Er war zu der Zeit selbstständig, hatte den Job zuletzt mit seiner Frau ausgeübt.

„Ein Großkunde war abgesprungen, und zudem hatte ein Angestellter noch 22 000 Euro in den Sand gesetzt“, schildert Dettmer die prekäre Lage. Seine Situation als selbstständiger Kurierfahrer bessert sich nicht. Stattdessen rutscht er immer stärker in die Abhängigkeit. In seiner schlimmsten Zeit habe er sogar vier Flaschen pro Tag zu sich genommen. Er sei schon so schwach gewesen, dass seine Frau für ihn den „Stoff“ besorgen musste.

Als dann eines Tages bei einem Besuch seiner Schwiegereltern die Atmung bei ihm aussetzte, war Schluss: Ralf Dettmer entschließt sich zur Entgiftung. Seine Ehefrau ist dabei immer an seiner Seite, verlässt ihn auch nicht, als er die Maßnahme in der ersten Klinik abbrach. Im Schweriner Krankenhaus klappt es dann in einem zweiten Anlauf mit dem Entzug. Nach den knapp vier Wochen ist sein Körper gereinigt. Doch damit dieser Effekt auch nachhaltig bleibt, beginnt er eine 18-monatige Therapie in der Tagesstätte des Diakoniewerks in Ludwigslust. Die verschiedenen Angebote wie Einzelgespräche mit dem jeweiligen Bezugsbetreuer, die Gruppengespräche sowie die Kreativangebote wie Körbeflechten tun ihm gut, sein Zustand stabilisiert und verbessert sich weiter. „Man ist beschäftigt, gegen 13.30 Uhr bin ich damals nach Hause gefahren“, sagt Dettmer. Gab es mal ein Thema, das er nicht in der Gruppe besprechen wollte, konnte er sich vertrauensvoll an seinen Einzelbetreuer wenden. „Wichtig ist, dass das, was hier besprochen wird, auch hier in diesen Räumen bleibt.“ Für ihn war die Therapie eine sehr wichtige Zeit. Auch in einer Theatergruppe hatte er damals mitgemacht, beim Stück „Die Geburt Jesu“ sogar mitgespielt. Sein Engagement blieb in Erinnerung. Als er die Maßnahme bereits seit einem Jahr beendet hatte, erhält er einen Anruf von Doris Kiesel. „Sie hat mich gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, ehrenamtlich die Klienten mit dem Hol- und Bringdienst abzuholen“, erzählt Ralf Dettmer. Der Heidhofer muss nicht lange überlegen und sagt zu. Seitdem ist er drei bis fünf Tage für die Tagesstätte „unterwegs“. „Ich fahre mit den Leuten aber auch zum Arzt oder bringe sie zu Behörden oder zum Einkaufen“, schildert Ralf Dettmer. Doch auch in deren Räumlichkeiten in der Kanalstraße engagiert er sich, hilft teilweise bei der Renovierung einiger Räume oder betreut Klienten beim Räume renovieren. Sollte ihm einer der Klienten mal anbieten, etwas zum „Trinken“ mitzubringen, lehnt er ab. „Das stört mich nicht mehr, darüber bin ich hinweg“, sagt Ralf Dettmer, der sich neben seiner ehrenamtlichen Tätigkeit um ein 2000 Quadratmeter großes Grundstück kümmert. Er hat den Absprung geschafft, ist sei fünf Jahren trocken. Doch er ist sich sicher: Ohne den Rückhalt seiner Frau und seiner Familie und der Therapie in der Tagesstätte hätte er es wahrscheinlich nicht geschafft. In seinen Augen ist es wichtig, dass die Tagesstätte, die in diesem Jahr ihr 20-jähriges Bestehen feiert, auch in 20 Jahren noch Therapieformen anbieten kann.

Der Ehrenamtler hofft nun, dass er seine Tätigkeit bald auch in einem Minijob ausüben kann.

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