zur Navigation springen
Ludwigsluster Tageblatt

12. Dezember 2017 | 19:22 Uhr

Einblicke in eine andere Welt

vom

svz.de von
erstellt am 27.Jan.2012 | 10:27 Uhr

Dömitz | Diese Begegnung mit der ganz großen Politik war für die Schüler der oberen Klassen am Gymnasialen Schulzentrum Dömitz in jeglicher Beziehung ungewöhnlich: Zu ihnen kam die Generalkonsulin der Vereinigten Staaten, Inmi Patterson. Die vom US-Präsidenten Barack Obama auch für Mecklenburg-Vorpommern eingesetzte Repräsentantin war nach den ersten 180 Tagen ihrer Amtszeit im Hamburger US-Generalkonsulat an der Alster auf einer Info- und Werbereise für ihr Heimatland durch Mecklenburg. Ihre Dömitzer Zuhörer bekamen sicherlich bleibende Eindrücke von der Karrierefrau zu hören, die sieben Sprachen spricht, ständig unterwegs ist und dabei die Aufgaben einer politischen Repräsentantin, Ehefrau und Mutter fest in den Händen unter einem Hut bekommt. Wie das funktioniert, davon berichtete die Botschafterin offen und durchaus humorvoll, allerdings fast ausnahmslos in amerikanischem Englisch.

Es ist ein besonderer Besuch für das Schulzentrum und auch für Schulleiter Klaus Niemann. Der erhofft sich von dem Gespräch mit der Diplomatin eine weitere Verbesserung der Möglichkeiten für den Schüleraustausch zwischen Dömitz und Michigan. Dass dieser Besuch für das Schüleraustauschprogramm Früchte tragen wird, davon ist auch Lehrerin Ilse Glander überzeugt. Die Pädagogin förderte und begleitete das Bildungsprojekt von 1999 bis 2012.

Die Schüler staunen nicht schlecht, dass ihre Gesprächspartnerin nicht dem Motto treu bleibt: In wessen Land du lebst, dessen Sprache du sprichst. Englisch hautnah ist für die junge Deutschen gut 60 Minuten lang angesagt. Das ist der Diskussion allerdings weniger förderlich, die Schüler halten sich bis auf zwei Ausnahmen sehr zurück mit Fragen an den Staatsgast. Doch die Besucherin bleibt Mittelpunkt des Interesses in der Runde.

Wie sicher sich Inmi Patterson auf dem blanken politischen Parkett bewegt, beweist sie, als aus der Schülerrunde die Frage gestellt wird, wie sie über Bundespräsident Christian Wulff denkt. Ohne sofort auf die aktuellen, öffentlichen Vorwürfe einzugehen, berichtet sie von einem kürzlichen Treffen mit dem höchsten deutschen Repräsentanten. Schwenkt dann über zum Kern der Frage und antwortet diplomatisch, in dem sie zu verstehen gibt, dass dies Problem nur der Bundespräsident selbst aus der Welt schaffen kann. Das Miteinander der USA mit Deutschland erkennt die Generalkonsulin als gut an, trotz Euro-Krise und schlechtem Wirtschaftswachstum in ihrem Heimatland. Den Euro sieht sie als starke Währung, befindet, "dass die Deutschen die richtigen Schritte unternehmen". Für junge Menschen, die berufliche Erfahrungen in den USA sammeln möchten, empfiehlt die Diplomatin, beim Hamburger Konsulat anzufragen und sich speziell beraten zu lassen.

Hinter Inmi Patterson liegt ein beruflicher bilderbuchhafter Aufstieg: Die geborene Süd-Koreanerin ist die Tochter eines Mediziners. Durch das Studiums des Vaters kommt sie früh mit der deutschen Sprache in Berührung. Auf amerikanischen Boden führt ihr Weg weiter steil nach oben. Sie ist mit dem US-Diplomaten Bob Patterson verheiratet, der zur Zeit Botschafter in Turkmenistan ist. Es kommt vor, so Inmi Patterson, dass sie ihren Mann sieben Monate am Stück nicht zu sehen bekommt; doch das gehöre zum Diplomatenleben. Auf dem Weg zur Diplomatin sammelt sie Erfahrungen in den US-Abteilungen für Öffentliche Angelegenheiten in Japan, China und Kenia, weilte an der US-Botschaft in Moskau und St. Petersburg und gehörte der US-Delegation bei der OSZE in Wien an.

Bevor sie in den diplomatischen Dienst des Außenministeriums eintritt, lehrt sie als Dozentin an der George Washington Universität in Washington. Außerdem war sie Beraterin für das Moskauer Büro der Umweltschutzorganisation "Earth Watch" sowie für Unicef in Peking. Ihren Doktortitel erhielt sie für ihre Arbeit über Entwicklungspsychologie der Katholischen Universität in Washington.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen