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Karenz : Ein weiterer Schritt zur Hähnchenmast

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Karenzer billigen Entwurf für erforderlichen Bebauungsplan / Nicht alle Einwendungen aus der Öffentlichkeit berücksichtigt

Die geplante Hähnchenmastanlage in Karenz hat die nächste Hürde genommen. Die Gemeindevertreter nickten bei ihrer Sitzung am Donnerstag den Entwurf des erforderlichen Bebauungsplanes ab – einstimmig. Zuvor hatte Planerin Sybille Wilke von der Bürogemeinschaft Stadt- und Landschaftsplanung Schwerin von den Hinweisen und Anregungen berichtet, die während der frühzeitigen Beteiligung der Öffentlichkeit eingegangen waren. Einige davon führten zu leichten Veränderungen des Vorentwurfs, andere blieben unberücksichtigt.

Das Amt für Raumordnung und Landesplanung Westmecklenburg habe bescheinigt, dass es sich bei den vorgesehenen Flächen für die vier Hähnchenställe und die Biogasanlage um einen geeigneten Standort handle, so Sybille Wilke. „Er befindet sich einem strukturschwachen ländlichen Raum, und das Vorhaben diene der Veredlung landwirtschaftlicher Produkte.“ Zudem befänden sich in der Umgebung keine Biotope oder Schutzgebiete, die gefährdet werden könnten. Der geplante Mastbetrieb befinde sich – anders als in den Einwendungen aus Bresegard bei Eldena formuliert – nicht in einem von der Landesplanung ausgewiesenen Tourismusraum, so Sybille Wilke. „Eine Radverbindung macht noch keinen Tourismusschwerpunkt.“ Und mit Blick auf den Bresegarder Vorwurf, das mit der Untersuchung von Geruchs-, Lärm-, Staub- und Ammoniak-Einwirkungen beauftragte Büro sei befangen, meinte die Planerin: „Das ist eine Unterstellung, die nicht zutrifft. Da stellt sich die Frage, ob die Gemeinde Bresegard bereit ist, ein Gegengutachten aufzustellen.“ Hauptgesellschafter der LMS Agrarberatung ist das Land Mecklenburg-Vorpommern, weitere Gesellschafter sind der Bauern- und der Gartenbauverband.

Willfried Pagung, Mitinvestor des Hähnchenmastbetriebes und Karenzer Bürgermeister, hat durchaus Verständnis für den Gegenwind aus der Nachbargemeinde Bresegard bei Eldena, wie er in einem Gespräch nach der Sitzung betonte. Er versucht, die Befürchtungen zu relativieren. So würde beispielsweise nur ein kleinerer Teil des Verkehrs zu den Hähnchenställen und der Biogasanlage durch diese Gemeinde rollen. Planerin Wilke hatte dazu konkrete Zahlen vorgelegt. Von den rund 2200 An- und Abfahrten pro Jahr sollen demnach nur etwa 330 durch Bresegard führen – 15 Prozent. Der Bereich Grebs/Conow ist mit 50 Prozent stärker belastet. Ein Fünftel der Fahrten beschränkt sich auf die Karenzer Gemarkung. Und nicht alle diese Fahrten würden zu zusätzlichen Belastungen führen, weil ein Teil davon auch jetzt schon anfalle, so der Landwirt.

Mit Blick auf die befürchteten Geruchsbelästigungen sagte Pagung: „Wir müssen uns an gesetzlich vorgeschriebene Grenzwerte halten, sonst erhalten wir gar keine Genehmigung. Und würden wir die Grenzwerte künftig überschreiten, bekämen wir richtig Probleme.“ Von zehn Prozent Geruchsstunden war zuvor in der Sitzung die Rede.

Willfried Pagung zeigte sich schließlich zufrieden mit dem Beschluss, an dem er selbst nicht mitgewirkt hatte. „Ich freue mich, dass wir wieder ein Stück weitergekommen sind. Aber es ist nur ein Schritt von vielen, die noch folgen müssen“, so der Landwirt. Dass die Umsetzung des Projektes einfach werden würde, habe er ohnehin nicht erwartet. Aber dass es so mühselig wird, auch nicht. Wann er die ersten Küken einstallen will, sagte Willfried Pagung nicht. „Ich habe mir abgewöhnt, in diesem Zusammenhang über Zeitpläne zu reden.“ Entstehen sollen vier Ställe für jeweils bis zu 40 000 Tiere. Sieben Mastdurchgänge vom Einstallen der Küken bis zum Abtransport der schlachtreifen Hähnchen sind pro Jahr geplant.

Nach einer weiteren öffentlichen Auslegung des jetzt beschlossenen Bebauungsplan-Entwurfs und der Abwägung der dann eingehenden Hinweise und Bedenken wartet eine nächste Hürde auf die Investoren und ihr Projekt. Dann wird das Genehmigungsverfahren nach Bundesimmissionsschutzgesetz (BImSchG) fortgesetzt.

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erstellt am 25.Jan.2014 | 07:00 Uhr

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