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Wöbbeliner Schwestern : Ein Weinberg für die Zwillinge

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Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Wöbbeliner Schwestern Christin und Steffi Borgwardt sind Winzermeisterinnen an der Mosel und lesen Trauben für ihren Wein „Gemini“

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erstellt am 14.Sep.2016 | 07:41 Uhr

Acht Stunden auf dem Steilhang. Hoch. Wieder runter. Hoch. Die Oberschenkel schmerzen, die Waden spannen. Der Arm wird schwer von der immer gleichen Bewegung. „An die körperliche Arbeit gewöhnt man sich“, sagt Steffi Borgwardt. „Aber die Ausdauer, die muss man lernen.“ Mit Winzerromantik hat das alles wenig zu tun. Und doch kann sich die 28-Jährige nichts Schöneres vorstellen. Sie muss sich nur einmal aufrichten, in die Sonne blinzeln und über den Hang hinunter zu Mosel schauen. „Egal, ob es heiß ist oder eisekalt. Der Ausblick ist einfach großartig“, sagt sie.

Einen eigenen Weinberg an der Mosel – davon haben Steffi und ihre Zwillingsschwester Christin seit ihrer Kindheit geträumt. Der Traum der beiden Wöbbelinerinnen ist nun wahr geworden. In Minheim bewirtschaften sie ihren Berg und produzieren den Wein „Gemini“ (lat. für Zwillinge). Die Idee für den Namen hatte die Mutter der Zwillinge. „Gemini“ stand damals in ihrem Mutterpass.

Mutter Kerstin Borgwardt war es auch, die Steffi vor dreizehn Jahren ermutigte, ihre Zwillingsschwester Christin an die Mosel zu begleiten. Christin, gerade mal 15 Jahre alt, wollte unbedingt ein Schülerpraktikum beim Winzer machen. „Ich war da eher skeptisch“, erinnert sich Steffi. „Ich hatte ja keine Ahnung, was uns dort erwartet.“

Nach zwei Wochen an der Mosel war für beide klar: Hier spielt ihre Zukunft. „Die Landschaft hat uns sofort fasziniert. Wir wollten dort leben und arbeiten“, sagt Christin Borgwardt. Heute ist sie nicht nur studierte Winzermeisterin, das Weinmagazin Selection hat sie auch zur „Besten Jungwinzerin der Mosel 2015“ gekürt.

Christin und Steffi haben Wöbbelin nach der Schulzeit verlassen, gemeinsam eine Winzerlehre absolviert, dann die Ausbildung zum Wirtschafter für Weinbau und Oenologie gemacht und sich zum Winzermeister qualifiziert.

Christin ist inzwischen verheiratet mit dem Winzer, auf dessen Weingut in Piesport sie ihre erste Anstellung fand. Holger Breit war von Anfang an beeindruckt von der jungen Mecklenburgerin. „Sie hat super ins Team gepasst, neue Ideen mitgebracht und für ganz viel frischen Wind gesorgt“, sagt er. 2013 haben die beiden geheiratet und sind heute Eltern von drei kleinen Kindern. Christins Schwester Steffi arbeitet nur ein paar Kilometer entfernt auf einem Weingut in Leiwen. Auch die Eltern sind inzwischen aus Wöbbelin zu ihren Kindern in den Süden gezogen.

Mecklenburg bleibt für Christin und ihre Schwester immer Heimat. Oft verbinden sie Messe- oder Urlaubsreisen mit Besuchen bei den Großeltern Brigitte und Dietmar Wolf zu Hause in Warlow. So wie gestern. Da waren Breits gerade auf dem Rückweg vom Kurzurlaub an der Ostsee. „Schade, dass die Heimat so weit weg ist und man mal eben nicht schnell vorbeischauen kann“, sagt Christin. Lange bleiben können Breits in Warlow und Wöbbelin nicht. In Piesport wartet viel Arbeit. Die Weingüter stecken mitten in den Vorbereitungen für die Ernte. Keller müssen aufgeräumt werden, Flaschen etikettiert. Fast täglich gehen die Schwestern zu dieser Jahreszeit in die Weinberge und probieren die Trauben. Die Entscheidung, an welchem Tag die Ernte startet, sei jedes Jahr ein kleines Spiel. „Das hängt immer davon ab, was man aus den Trauben machen will. Einen lieblichen Kabinett oder einen feinherben Riesling“, sagt Christin. Die Weinlese im Berg für ihren „Gemini“ ist immer an einem Sonntag. Dann kommen alle helfen. Freunde, die Eltern und manchmal auch die Großeltern aus Warlow.

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