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Ludwigsluster Tageblatt

24. November 2017 | 00:47 Uhr

Ludwigslust : Ein Vorleser, viele Gesichter

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Lübecker Autor Rainer Rudloff begeisterte mit Gestik und Stimme beim literarischen Abend im Ludwigsluster Rathaussaal

svz.de von
erstellt am 02.Mai.2014 | 16:13 Uhr

Für eine äußerst kurzweilige Abendveranstaltung sorgte der Autor und Moderator Rainer Rudloff in Ludwigslust. Der Lübecker nahm die Zuhörer im Sitzungssaal des Rathauses mit auf eine Lesereise durch zwei Bestseller der jüngsten deutschen Literatur. Rudloff gelang es, mit Stimme, Gestik und Einfühlungsvermögen in die Buchhelden sein Publikum in die Welt von „Tschick“ und in die von „Allan Karlsson, dem Hundertjährigen, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ zu entführen. Nicht nur Bibliotheksleiterin Anke Ballhorn dankte für einen zweieinhalbstündigen, dramaturgisch glänzend dargebotenen Leseabend.

Rudloffs Affinität zum Vorlesen liegt sicherlich zum größten Teil in seinem beruflichen Werdegang begründet: Studium der Englischen Sprachwissenschaften, Germanistik und Biologie in Mainz, Schauspielschule München, Ausbildung zum Atem-, Sprech- und Stimmlehrer in Bad Nenndorf sind die Stationen auf dem Weg zu seinem heutigen Erfolg als Autor, Regisseur von Hörspielen und Inhaber eines Instituts für lebendige Sprache in Lübeck.

Dieser von Literatur und Dramaturgie reichlich beleckte 44-Jährige schlüpfte zum Auftakt der Lesung in die Rolle des gut betuchten, aber vom Elternhaus enttäuschten und zudem pubertierenden Berliner Schülers Maik Klingenberg, der als Klassenkamerad auf den scheinbar asozialen russischen Spätaussiedler Tschick trifft. Radloff verstand es während des Vorlesens, beide Charaktere vorzustellen, schlüpfte dann während der Textpassagen jeweils in die Rollen der Hauptakteure und der Personen, die in dem Jugendroman vom 2013 verstorbenen Wolfgang Herrndorf auf Tschick und Maik treffen. Dieses Spannungsfeld von gesellschaftlich gewollten sozialen Gegensätzen und grundlegend verschiedenen Lebensauffassungen war bei der Lesung im Rathaussaal als spannend inszenierter Buchextrakt zu erleben, wenn man sich vom Vortragenden begeistern ließ.

Von der Darstellung zweier völlig unterschiedlicher Jugendlicher schlüpfte Rudloff nach der Pause in die Rolle des 100-jährigen Allan. Wie bei „Tschick“ holte sich Rudloff seine Zuhörer zuerst mit einer gezielten Seitenauswahl und gestenhafter Begleitung „ins Buch hinein“. Im Verlauf der Lesereise durch den mittlerweile erfolgreich verfilmten Bestseller vom Schweden Jonas Jonasson beschränkte sich Rudloff auf die spannende Flucht des greisen Stehaufmännchens Allan und die haarsträubensten Ereignisse.

So blieb auch dieser Vortrag ohne Langatmigkeit, dafür leicht verständlich und voller Humor, den der Zuhörer aber lieben muss. Doch für einige humoresk umschriebene Mordszenen oder Kraftausdrücke ist Rainer Rudloff nicht verantwortlich, hingegen für die Leichtigkeit des Vorlesens.

Der Lübecker blieb noch in der Lindenstadt, um Ludwigsluster Grundschülern altersgerechte Geschichten vorzulesen.



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