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Ludwigsluster Tageblatt

16. Dezember 2017 | 00:47 Uhr

ludwigslust : Ein unglaubliches Schlosskonzert

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Österreichisches Quartett „Trombone Attraction“ bot Ludwigsluster Publikum mehr als Posaunenmusik auf höchstem künstlerischen Niveau

svz.de von
erstellt am 30.Sep.2014 | 07:00 Uhr

Dieses Ludwigsluster Schlosskonzert werden die Zuhörer so schnell nicht vergessen. Vier junge Österreicher hatte der künstlerische Leiter der Konzertreihe, Dr. Matthias Irrgang, dafür gewinnen können – „witzig, unverbraucht und irre gut“, wie er vor dem Konzert versprach.

Raphael Stieger, Stefan Obmann, Christian Pointinger und Martin Riener – gemeinsam „Trombone Attraction“ – brillierten auf ihren Posaunen und entlockten den glänzenden Instrumenten Klänge zum Teil fernab getragener Choralmusik. Aber nicht nur das. Mit ihren Einlagen ohne Posaunen amüsierten sie das Publikum in der katholischen Kirche St. Helena und St. Andreas im Schlosspark ein ums andere Mal.

Bevor das Publikum aber den Werken von Duke Ellington, Daniel Bourgeois, Antonin Dvorak, Johann Sebastian Bach und anderen lauschen konnte, gab es eine Sicherheitseinweisung. „Das ist ein Nichtraucherkonzert“, informierte Raphael Stieger, von seinen drei Kollegen pantomimisch unterstützt. Und als er erklärte, dass die Musiker ansonsten von der Bühne kippen würden, schmissen sich Stefan Obmann, Christian Pointinger und Martin Riener zwischen den Zuhörerreihen lang hin. Später mischten sie sich mit ihren Posaunen unter das Publikum, damit Raphael Stieger ein Foto machen kann. „So kann die Gema nachzählen, wie viele Zuhörer da waren“, erklärte er unter Anspielung auf die schlechten Erfahrungen, die sein Ensemble mit dem österreichischen Pendant der Gema gemacht hatte.

Die vier Musiker von „Trombone Attraction“ überzeugten aber nicht nur als Entertainer, sondern vor allem als Musiker. Mal entlockten sie ihren Posaunen leise, fast sanfte Töne, dann wieder peppige Sequenzen und Töne, die man in diesen Instrumenten gar nicht vermutet. Mit unbändiger Spielfreude meisterten sie das Programm unter dem Titel „All inclusive“, ohne dass man ihnen die Anstrengung anmerkte. Ein Konzert, ausschließlich von Posaunen bestritten, ist nicht üblich. „In der Orchesterliteratur werden Posaunen nur spärlich eingesetzt“, erklärte Christian Pointinger. Sie seien meist nur zu fünf Prozent an einem Konzertabend beteiligt. Aber genau diese Herausforderung suchen die vier Musiker als Ausgleich zu ihrer Arbeit in der Wiener Volksoper, der Frankfurter Oper bzw. als Wiener Musikschuldirektor. Und sie wollen Spaß haben. „Und wenn das Publikum dann auch Spaß hat – umso besser“, sagte Martin Riener.

Von Ludwigslust sind die vier Österreicher jedenfalls begeistert. „Wir haben die Stadt, das Schloss und den Park besichtigt“, erzählte Stefan Obmann. „Unglaublich schön und idyllisch.“

Der Auftritt von „Trombone Attraction“ war das vorerst letzte Ludwigsluster Schlosskonzert in der katholischen Kirche. „Im nächsten Jahr werden die Konzerte zu 90 Prozent im Schloss stattfinden. Die Vakanz des Goldenen Saales ist vorbei“, erklärte Dr. Matthias Irrgang und dankte den Verantwortlichen, dass sie die katholische Kirche so unkompliziert als Ausweichspielort zur Verfügung gestellt hatten.

Nach dem Konzert war der Abend aber noch nicht vorbei. Viele Besucher gingen mit Fackeln zum Helenen-Paulownen-Mausoleum, wo „Trombone Attraction“ dann doch noch einmal zur Choralmusik zurückkehrte. „Ein stimmungsvoller Abschluss“, sagte einer Zuhörerin. Der Förderverein Schloss Ludwigslust, Träger der Schlosskonzerte, wollte damit die alte höfische Tradition wieder aufnehmen, der beliebten Zarentochter und Erbprinzessin zu gedenken. Sie starb am 24. September 1803.

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