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Ein Tag bei der Polizei Ludwigslust : Ein Stück Kuchen am Tatort

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

SVZ-Volontärin Jacqueline Worch erlebt die Arbeit des Kriminaldauerdienstes der Polizeiinspektion Ludwigslust mit

svz.de von
erstellt am 21.Aug.2017 | 11:55 Uhr

Zwischen Schutzhandschuhen und Werkzeug zur Spurensicherung steht eine Dose Haarspray. „Damit können wir Spuren fixieren, die zur Sicherung zu empfindlich sind“, erklärt Brenda Nagel, als sie meinen fragenden Blick bemerkt. Die 22-Jährige ist im zweiten Jahr auf der Polizeischule in Güstrow und begleitet mich, SVZ–Volontärin Jacqueline Worch, an meinem Tag als Polizistin im Kriminaldauerdienst der Polizeiinspektion Ludwigslust. Diese Abteilung war vor knapp fünf Jahren in der flächenmäßig zweitgrößten Polizeiinspektion Deutschlands eingeführt worden. Zwischen Boizenburg und Plau am See kümmert sich der Kriminaldauerdienst unter anderem um Spurensicherung und Beweisaufnahme an Tatorten, leistet die Vorarbeit, die zur Aufklärung der Fälle von unabdingbarer Bedeutung sind.

Polizeischülerin Brenda Nagel führt mich durch die einzelnen Stationen der Polizeiinspektion, zeigt mir die Sammel- und Einzelzellen, wie die Einsatzfahrzeuge ausgestattet sind und hilft mir dabei, eine SK4, eine etwa 15 Kilogramm schwere Sicherheitsweste, anzulegen. Eine solche tragen Polizeibeamte bei Einsätzen, die zu eskalieren drohen. Im Stehen ist deren Gewicht noch erträglich. Kein Problem, denke ich. „Geh’ mal ein kleines Stück, dann merkst du es“, sagt Brenda. Und tatsächlich – ein paar Meter reichen aus und ich spüre das Gewicht fast doppelt so sehr wie vorher. Für die Beamten im Dienst stellt das Gewicht natürlich kein Problem dar. Körperlich trainiert können sie sich in voller Montur flüssig und dem Einsatz entsprechend bewegen, dafür wurden sie ausgebildet.

 

Als mich die Rostockerin gerade durch die Räume der Kriminalpolizei führt, hören wir im Flur unsere Namen. Ein Einsatz. Einbruch in ein Bürogebäude in Parchim. Es ist bereits der 18. in den vergangenen Wochen. Zu viert fahren wir im Einsatzwagen zum Tatort. Dort bietet sich auf einer Etage ein Bild der Zerstörung. Demolierte Türen, zerschlagene Scheiben, durchwühlte Aktenschränke und mittendrin angebissener Apfelkuchen.

Die Detektivarbeit beginnt. Wie sind die Täter eingestiegen? Wie sind sie vorgegangen? Worauf waren sie aus und was wurde entwendet? Fragen, die durch das Sammeln und Sicherstellen von Spuren und das Befragen von Zeugen hoffentlich beantwortet werden. Doch zunächst müssen wir vor dem Gebäude warten, denn ein Fährtenhund aus Schwerin soll kommen. Zur Aufnahme der Fährte werden Spuren vom Tatort genutzt. Damit von diesen der möglichst reine Geruch vom Täter abgenommen werden kann, darf das Team des Kriminaldauerdienstes diese noch nicht sichern und muss warten. Den Tatort an sich können wir aber schon sichern. Weiträumig sperren Brenda Nagel und ich ihn ab. Hier und da greift die Polizeischülerin zur Taschenlampe und schaut, ob sich bereits an diesen Stellen Spuren entdecken lassen, die oftmals nur im Gegenlicht sichtbar werden. Haare oder Fußabdrücke zum Beispiel. Nachdem der Hund die Fährte des möglichen Täters aufgenommen hat und verfolgt, kann der Kriminaldauerdienst ans Werk.

Ausgestattet mit Taschenlampen, Tüten in verschiedenen Größen, Pinzetten, Röhrchen und Gelatinefolien macht sich das Team an die Arbeit. Von Büro zu Büro streift es durch den langen Flur der Etage, um die einzelnen Spuren sichern zu können. Marc Jantzen macht Fotos von Räumen und einzelnen Spuren, damit auch die Kollegen, die die Spuren anschließend auswerten und den Fall weiterbearbeiten, erschließen können, was vor Ort vorgefallen ist.

Ich bin fasziniert von der Arbeit und Genauigkeit des Kriminaldauerdienstes und wünsche mir beinahe, nicht nur heute dabei sein zu dürfen. Doch nachdem alle Spuren gesichert, die Zeugen befragt und eine Theorie zum möglichen Tathergang erstellt sind, ist der Tag als Polizistin für mich vorbei. Bevor es zurück in die Polizeiinspektion geht, frage ich Brenda Nagel, weshalb sie sich für ihren Beruf so begeistern kann. „Es ist die Abwechslung“, sagt die 22-Jährige. Momentan absolviert sie ein Praktikum bei der Kriminalpolizei in Ludwigslust, doch die praktische Arbeit des Kriminaldauerdienstes würde ihr mehr Spaß machen, verrät die Rostockerin. Am liebsten jedoch würde sie nach ihrer Ausbildung zur Schutzpolizei gehen, als Streifenpolizistin Leute von der Straße holen, die beispielsweise unter Einfluss von Drogen oder Alkohol fahren. „Ich bin ein Streifenhörnchen“, so die Polizeischülerin. „Ich will wieder auf die Jagd gehen.“

Die Ausbildung

1. Wie lange dauert die Ausbildung?
Die Ausbildung für Laufbahngruppe 1, ab dem 2. Einstiegsamt (ehemals mittlerer Dienst) dauert zwei Jahre. Für Laufbahngruppe 2, ab dem 1. Einstiegsamt (ehemals gehobener Dienst), absolviert man ein dreijähriges Bachelorstudium.

2. Welche Fachrichtungen gibt es?
Nach der Ausbildung kann man u.a. bei Schutz- oder Bereitschaftspolizei, im Kriminaldauerdienst, bei der Kriminal- oder Wasserschutzpolizei tätig sein.

3. Wird im Schichtdienst gearbeitet?
Ja, es gibt Früh-, Spät- und Nachtschichten.

4. Welche Verdienstmöglichkeiten gibt es?
Der Verdienst ist durch das Landesbesoldungsamt MV geregelt und abhängig von Dienstgrad und -alter.

5. Welche Voraussetzungen müssen für die Ausbildung erfüllt werden?
Es gibt für die Ausbildung an der Landespolizeischule in Güstrow keine Mindestgröße mehr. Auch der Numerus Clausus kommt nicht mehr zur Anwendung. Die weiteren Voraussetzungen hängen vom Ausbildungsweg ab. Genaue Infos unter www.fh-guestrow.de.

 

 



 



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