Dömitz : Ein Stück Grenzzaun steht wieder

Richard, Philipp, Lucas und Jörg Henrikson arbeiten am Dömitzer Grenzdenkmal.
Foto:
Richard, Philipp, Lucas und Jörg Henrikson arbeiten am Dömitzer Grenzdenkmal.

Zehntklässler des Dömitzer Schulzentrums helfen im Rahmen eines Geschichtsprojekts beim Aufbau. Schautafeln sollen folgen

von
03. Juli 2015, 07:00 Uhr

Geschichtsunterricht mit Schaufel und Schraubenschlüssel: Zehntklässler des Gymnasialen Schulzentrums „Fritz Reuter“ haben am Fuße der Dömitzer Festung ein Stück DDR-Grenzzaun fertiggestellt. „Zur Erinnerung und zur Mahnung“, bringt Volker Pansch das Anliegen des Grenzdenkmal-Projektes auf den Punkt. Der ehemalige stellvertretende Schulleiter hatte das Projekt gemeinsam mit Geschichtslehrer Reimund Roost initiiert. „Von Bürgermeister Helmut Bode bekamen wir Unterstützung“, so Pansch.

Mitarbeiter des städtischen Bauhofs hatten schon vor Wochen Betonpfeiler aufgestellt und die Zaunfelder aus Streckmetall angebracht. „Wir fahren Sand heran, um den Boden eben zu machen“, erklärt Richard Höhne aus der 10 B. „Da kommen die Betonplatten vom Kolonnenweg rauf.“ Während Richard gemeinsam mit Josef Prothmann und Philipp Dellal unten schaufelt und harkt, steht Lucas Weste auf der Leiter, um zusammen mit dem Schulhausmeister auf den Zaunfeldern die Abweiser festzuschrauben.

Die Arbeit an einem Grenzzaun ist für Jörg Henrikson nicht ganz neu. „Als ich von 1973 bis 1975 an der Grenze diente, war ich in Schwartow stationiert. Von dort sind wir jeden Tag rausgefahren, um den Grenzzaun zu bauen, auch hier in Dömitz“, erzählt der Hausmeister. „Wenn im Politunterricht die Frage gestellt wurde, warum die Abweiser zu uns zeigen, obwohl der Feind doch angeblich im Westen ist, gab es keine Antwort.“ Während der Arbeit am Denkmal wandern die Gedanken in die damalige Zeit. „Es ist gut, dass das Stück Zaun hier zur Erinnerung aufgestellt wird“, sagt er. Richard Höhne liefert einen weiteren Grund: „Wenn man nicht selbst gesehen hat, wie die Grenzanlagen aufgebaut waren, kann man sich das gar nicht vorstellen.“ Und Philipp Dellal ergänzt: „Was für ein riesiger Aufwand dafür betrieben wurde.“

Die Teile, aus denen das Grenzdenkmal zusammengesetzt wurde, sind nach Aussage von Volker Pansch original. In den gut 25 Jahren seit der Grenzöffnung waren sie auf Firmengelände oder – wie die Streckmetallplatten – zur Umzäunung des Rüterberger Friedhofs genutzt worden. Der Aufstellort ist dagegen nicht ganz original. Der Grenzzaun stand knapp 100 Meter entfernt auf dem Deich – wegen des Hochwasserschutzes heute nicht der richtige Platz für ein Denkmal.

Auch wenn der Zaun-Nachbau jetzt steht, ist das Geschichtsprojekt noch nicht beendet. „Gemeinsam mit Philipp und Josef arbeiten wir noch an der Dokumentation“, erklärt Volker Pansch. „Ziel ist es, am Grenzdenkmal drei Schautafeln aufzustellen, die über die Geschichte der innerdeutschen Grenze von 1945 bis 1989, über die Grenzanlagen speziell im Dömitzer Bereich und über den Mauerfall informieren.“ Aber das wird erst im nächsten Schuljahr soweit sein. 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen