zur Navigation springen
Ludwigsluster Tageblatt

24. November 2017 | 12:23 Uhr

Dömitz : Ein Stück Grenze als Mahnung

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Am Fuße der Festung Dömitz soll DDR-Grenzzaun aufgestellt werden

von
erstellt am 02.Jan.2015 | 12:13 Uhr

Kein meterhoher Streckmetallzaun. Kein Stacheldraht. Kein Wachturm. Am Elbufer bei Dömitz erinnert heute nichts mehr an die Grenzanlagen der untergegangenen DDR. Als vor 25 Jahren die Mauer fiel, waren die Menschen einfach nur froh, dass der Zaun endlich verschwindet. Nun soll ein winziges Stück davon am Fuße der Festung wieder aufgebaut werden – als Erinnerung und Mahnung. Dabei können die Initiatoren teilweise sogar auf Original-Teile zurückgreifen.


Alte Materialien in der Region gefunden


„Eltern, Lehrer und Verwandte haben uns viel über die Grenze erzählt. Wie es aber wirklich ist, dahinter zu leben, kann man sich trotzdem kaum vorstellen“, sagte Philipp Dellal. Der Zehntklässler gehört zu den Schülern des Gymnasialen Schulzentrums „Fritz Reuter“, die gemeinsam mit Geschichtslehrer Reimund Roost und Volker Pansch, dem ehemaligen stellvertretenden Schulleiter, am Dömitzer Grenzdenkmal-Projekt arbeiten. Sie sammeln Material, sichten Bilder und haben das Grenzdenkmal Hötensleben (Sachsen-Anhalt) besucht, wo auf rund 350 Metern Länge die einstige DDR-Grenzanlage zu besichtigen ist.

So groß soll das Grenzzaun-Denkmal in Dömitz nicht werden. Drei Zaunfelder, einschließlich Stacheldraht-Abweiser, sollen am Parkplatz unterhalb der Festung aufgestellt werden – in Originalhöhe und weitestgehend aus Originalmaterial. Streckmetallplatten etwa konnten in Rüterberg geborgen werden, wo sie zuletzt Teil der Friedhofsumzäunung waren. Im Frühjahr soll das Grenzdenkmal errichtet werden – mit Hilfe der Schüler. Die nötigen Vorarbeiten übernehmen Mitarbeiter des städtischen Bauhofs. „Mit Bürgermeister Helmut Bode haben wir einen Mann, der für historische Dinge ein Ohr hat“, sagte Volker Pansch. So war Bode zusammen mit den Schülern auch nach Hötensleben gefahren.

Bis zum Frühjahr haben die Schüler noch einiges zu tun. „Am Denkmal sollen Infotafeln aufgestellt werden, die unter anderem über den Aufbau der Grenzanlagen informieren“, erklärte Schüler Josef Prothmann. „Dafür müssen wir noch Fotomaterial zusammenstellen und die Texte erarbeiten.“


Wert der Demokratie hervorheben


Die Idee, in Dömitz ein Grenzdenkmal zu errichten, war vor rund zwei Jahren entstanden. „Wir wollen zeigen, wozu eine Diktatur fähig ist, und dadurch den Wert der Demokratie hervorheben“, betonte Volker Pansch. Reimund Roost ergänzt: „So ein Grenzdenkmal ist ein interessantes Zusatzangebot für den Geschichtsunterricht. Denn so plausibel kann man gar nicht beschreiben, mit welchem Aufwand und welcher Akribie die Grenzanlagen aufgebaut worden waren.“

Dass es einigen Menschen dennoch gelang, die Grenze zu überwinden, kann Reimund Roost seinen Schülern nicht nur aus Geschichtsbüchern zitieren, sondern aus eigenem Erleben erzählen. Als 19-Jähriger – einen Tag nach Erhalt seines Abschlusszeugnisses für die Berufsausbildung mit Abitur – hatte er 1976 in der Nähe von Dömitz die Grenze überwunden. „Ich habe mit dem Bolzenschneider ein Tor geöffnet und bin schließlich durch die Elbe geschwommen“, erzählte Roost.  

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen