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Dömitz / Kaltenhof : Ein Skywalk mit Elbblick auf Dömitz

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Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Niederländer hat große Pläne bei der Sanierung der Brückenköpfe der einstigen Eisenbahnbrücke über die Elbe

svz.de von
erstellt am 24.Aug.2017 | 20:55 Uhr

Einst war es eine der wichtigsten Querungen für den Eisenbahnverkehr zwischen Berlin und Bremen. Nach der Zerstörung am 20. April 1945 blieben von der Dömitzer Eisenbahnbrücke nur noch Reste, die seit Jahrzehnten – inzwischen nur noch auf westlicher Seite – vor sich hin rosten. Der weitere Verfall wurde erst im Jahr 2010 durch einen privaten Investor gestoppt. Jetzt erlebt das stumme Mahnmal der deutschen Geschichte eine Renaissance als Kultur- und Industriedenkmal – dank der Begeisterung des Niederländers Dr. Toni Bienemann.

Sein Enthusiasmus hat jetzt neuen Schub bekommen. Toni Bienemann konnte sich über eine bedeutsame finanzielle Unterstützung freuen: Für die mit insgesamt rund 610 000 Euro veranschlagte Sanierung beider Brückenköpfe nach historischem Vorbild wurden rund 100 000 Euro aus Mitteln der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und der Lotto-Stiftung übergeben. Der Löwenanteil von 329 000 Euro stammt aus einem Fördertopf für bedeutsame Kulturdenkmale, der der Berliner Staatsministerin für Kultur und Medien, Prof. Monika Grütters (CDU), untersteht. Die für die Ausschüttung erforderliche Patenschaft wurde durch die SPD-Bundestagsabgeordnete Hiltrud Lotze (SPD) aus Lüneburg garantiert, die das Großprojekt bereits seit mehreren Jahren als Schirmherrin begleitet, wie vom beauftragten Architekten Ralf Pohlmann zu erfahren war. Vertreter der Fördermittelgeber überreichten jetzt symbolisch auf der Baustelle die Bescheide an Brückeneigentümer Toni Bienemann.

Schon jetzt gehört das zerstörte Brückenbauwerk zu den Anlaufpunkten für Touristen, die insbesondere auf dem Elberadweg zwischen Hamburg und Dresden unterwegs sind, also fast unvermeidbar Dömitz bereisen oder dort übernachten. Mit Blick auf eine künftig mögliche Ausbaustufe des Kultur- und Industriedenkmals – also die Idee, einen Skywalk zu schaffen – könnte dieser Elbe-Abschnitt in Verbindung mit der Dömitzer Straßenbrücke und den Biosphärenreservaten links und rechts der Elbe eine noch größere Bedeutung für den sanften Tourismus und die damit verbundenen Infrastrukturen erhalten, blickt Pohlmann in die Zukunft. Eine in diese Richtung wirkende Arbeitsgruppe bestehe bereits.

Investor Bienemann ist schlicht begeistert von den Brücken-Fragmenten am Elbestrom zwischen dem mecklenburgischen Städtchen Dömitz und dem unscheinbaren niedersächsischen Dorf Kaltenhof. Er beabsichtigt, den Dornröschenschlaf des Bauwerks zu beenden. Dafür greift der Großindustrielle selbst tief in die Tasche. Nach dem Kauf der Brücke lässt er es sich weitere 180 000 Euro an Eigenmitteln kosten, die Sanierung der beiden Brückenköpfe der im Jahre 1873 fertiggestellten Querung für Eisenbahnen und Fußgänger zu verwirklichen. Seiner Liebe zum Detail ist es zu verdanken, dass der Wiederaufbau so originalgetreu wie möglich erfolgen wird. Eigens für den Ersatz von zerstörtem Ziegelmauerwerk ließ Bienemann in der „Neuen Ziegel-Manufaktur Glindow“ (Brandenburg) in einem original erhaltenen Großofen, in dem im Zeitraum der Brückenbauzeit solche Handformziegel gebrannt wurden, Ersatzsteine herstellen, berichtet Architekt Pohlmann. Es wird eine große Stückzahl benötigt, so Pohlmann, denn misslungene Sanierungsversuche durch die damalige Reichsbahn und heutzutage durch „Mauerspechte“ haben unliebsame Lücken hinterlassen. Zudem muss das Mauerwerk ein regensicheres Dach erhalten. „Die Nässe ist überall, auch und insbesondere in den Ziegelsteinen“, so der Architekt.

Die Sanierung der beiden Brückenköpfe könnte bis zum Oktober gelingen, wenn das Wetter mitspielt. „Der Regen und die damit verbundene Nässe sind nicht kalkulierbare Hürden. Zudem sind temporäre Auflagen durch den Natur- und Artenschutz im Biosphärenreservat zu beachten. Auf alle Fälle geht es aber weiter voran mit dem Kultur- und Industriedenkmal“, versichert Pohlmann.

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