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Ludwigsluster Tageblatt

23. November 2017 | 12:34 Uhr

Ludwigslust : Ein Schock für die Anwohner

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Tempo-30-Zonen in der Wöbbeliner und Käthe-Kollwitz-Straße in Ludwigslust aufgehoben. Bürgerinitiative äußert Unverständnis

svz.de von
erstellt am 10.Mär.2017 | 20:45 Uhr

Die Anwohner in der Wöbbeliner und Käthe-Kollwitz-Straße sind entsetzt. Die Tempo-30-Zonen in ihrem Bereich sind aufgehoben, weil die Verkehrsbelastung seit der Freigabe der A 14 nachweislich zurückgegangen ist (SVZ berichtete). Das, was auch durch den Einsatz der Bürgerinitiative (BI) „Tempo 30 beruhigt“ mit der Geschwindigkeitsbegrenzung vor allem für Lkw in der Zeit von 22 bis 6 Uhr erreicht worden war, ist nun passé.

Gestern entfernten Mitarbeiter des Straßenbauamtes Schwerin die Schilder. „Wir sind damit nicht einverstanden“, sagte BI-Sprecher Dieter Baack gestern gegenüber SVZ. Die gesetzlichen Richtlinien geben zwar her, dass das Verbot aufgehoben werden könne, weil weniger Fahrzeuge weniger Lärm erzeugen. „Aber in Auswertung der Analysen waren 64 Prozent der Fahrzeuge zu schnell unterwegs.“ Zudem betonte der BI-Sprecher, dass solche Werte wie Schallleistungspegel und Feinstaubbelastung nicht berücksichtigt wurden. „Auch bei Tempo 50 werden sicher auch wieder mehr als 64 Prozent zu schnell fahren, die Lärmbelästigung wird damit sicher nicht geringer.“ Dieter Baack bemängelte, dass in 50er-Zonen oft zu selten geblitzt werde. „Als BI fordern wir, dass in den genannten Straßen mehr die Einhaltung der Geschwindigkeit kontrolliert wird und in der Stadt Blitzeranlagen aufgestellt werden.“ Die Stadt Ludwigslust solle sich dafür im Rahmen ihrer Möglichkeiten beim Landkreis einsetzen. „Das wollen wir als Bürgerinitiative ,Tempo 30 beruhigt’ mit Nachdruck fordern“, so Dieter Baack.

„Wir werden das Thema in der nächsten Woche im Verkehrsausschuss beraten“, erklärt Jürgen Rades, 1. Stellvertreter des Bürgermeisters der Stadt Ludwigslust. „Es ist so, dass die Entscheidung bei uns natürlich keine Begeisterung ausgelöst hat. Wir werden besprechen, was wir jetzt dagegen unternehmen können.“

Für Heiko Böhringer, Stadtvertreter und Kreistagsmitglied der AfL, ist es unverständlich, dass Tempo 30 für Lkw aufgehoben wird. „Als ich das in der SVZ gelesen habe, war ich erst einmal schockiert, denn das Gefühl der Anwohner ist anders. Die betroffenen Bürger haben nicht grundlos die Situation angesprochen, was letztlich dazu geführt hat, dass die Verkehrsüberwachung kurzfristig durchgeführt wurde. Wenn am Freitag die Geschwindigkeitsbegrenzung für den Schwerlastverkehr in Ludwigslust - zwar mit einer anderen Begründung - aufgehoben wird, halte ich das für einen vorgezogenen Aprilscherz. Es ist ein Schlag ins Gesicht der betroffenen Bürger und macht engagierte Kommunalpolitiker zu Deppen.“ Es gebe hier ein Problem und dieses Problem gilt es zu lösen, so Heiko Böhringer. In vorauseilendem Gehorsam gieße der Landkreis aber mit der Aktion Öl ins Feuer. „Aus diesem Grund halte ich einen kurzfristigen Termin für angebracht, bei dem die Kreisverwaltung Vorschläge unterbreitet, wie das Problem gelöst wird.“

Hintergrund für die Entscheidung, die Tempo-30-Zonen aufzuheben, waren Untersuchungen nach der Freigabe der Autobahn A 14 im Bereich der Anschlussstelle Grabow und dem Autobahnkreuz Schwerin. Im Hinblick auf den Durchgangsverkehr in der Stadt Ludwigslust bringt die A14-Trasse eine spürbare Entlastung mit sich. Entsprechende Zahlen hatte der Landkreis der Bürgerinitiative (BI) „Tempo 30 beruhigt“ Ludwigslust am Donnerstag vorgestellt. Im Vergleich zum Jahr 2012 befahren heute täglich rund 5000 Fahrzeuge weniger die Käthe-Kollwitz-Straße (L 072, ehemals B 106) in Ludwigslust. Die Zahlen sind dabei von durchschnittlich etwa 18  700 auf zirka 13  500 gesunken, heißt es in der Mitteilung des Landkreises. Das bedeute einen Rückgang von zirka 30 Prozent.

Noch deutlicher fällt der Rückgang von Schwerverkehren über 3,5 Tonnen aus. Von rund 1600 Fahrzeugen mit einem Gewicht von mehr als 3,5 Tonnen befahren heute täglich nur noch ca. 1000 Fahrzeuge dieser Klasse die Käthe-Kollwitz-Straße. Bei den schweren Fahrzeugen zeigte sich auch hier eine noch deutlichere Entlastungswirkung. Hier ging die Anzahl um zirka 250 (etwa 25 Prozent) auf etwa 800 Lastkraftwagen pro Tag zurück.

Die Auswertungen des tatsächlichen Fahrverhaltens zeige jedoch aus Sicht des Landkeises auch, dass zu viele Autofahrer die zulässige Höchstgeschwindigkeit in der Stadt nicht einhalten würden. Laut einer einwöchigen verdeckten Geschwindigkeitsmessung fuhren zum Beispiel in der Käthe-Kollwitz-Straße auf Höhe des Aldi-Marktes 81 Prozent aller Verkehrsteilnehmer zu schnell. Höchstgeschwindigkeiten jenseits der 100 km/h waren keine Seltenheit. Auf diesen Streckenabschnitten werden der Landkreis Ludwigslust-Parchim und die Polizei verstärkt Maßnahmen der Verkehrsüberwachung durchführen.


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