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Ludwigsluster Tageblatt

11. Dezember 2017 | 14:29 Uhr

Malk Göhren : Ein Sandweg macht Karriere

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Unbefestigte Trasse bei Neu Göhren ist als Kreisstraße eingestuft / Gemeinde will dem Landkreis Tausch anbieten

svz.de von
erstellt am 16.Jan.2014 | 18:28 Uhr

„Achtung Straßenschäden“ warnt ein Verkehrsschild mit Zusatzzeichen, das etwas abseits der Straße zwischen dem Campingplatz Neu Göhren und Liepe steht. Es gilt jenen Autofahrern, die an dieser Stelle nach links in Richtung Wald abbiegen wollen. Die Schäden können sie – zumindest bei Tageslicht – sofort erkennen. Nur eine Straße lässt sich beim besten Willen nicht finden. Hinter dem Verkehrsschild schlängelt sich lediglich ein Sandweg durch den Wald. Doch Recherchen in Routenplanern und Nachfragen beim Landkreis Ludwigslust-Parchim haben ergeben, dass dieser Weg eine erstaunliche Karriere gemacht hat. Er gilt nicht nur offiziell als Straße, er ist sogar eine Kreisstraße – die K 48.

„Für diese Straße ist der Landkreis Ludwigslust-Parchim zuständiger Straßenbaulastträger“, bestätigte Hans-Georg Zwang, Fachdienstleiter Straßen und Tiefbau bei der Kreisverwaltung, auf Anfrage. Bei der Ersteinstufung der Kreisstraßen auf Grundlage des Straßen- und Wegegesetzes MV war der damalige Landkreis Mitte der 1990er-Jahren zu diesem wenig rühmlichen Besitztum gekommen. Dass es sich lediglich um einen unbefestigten Landweg gehandelt hat und immer noch handelt, scheint kein Hinderungsgrund zu sein. „Im Straßen- und Wegegesetz MV findet sich keine Verpflichtung, eine Kreisstraße mit verbindlichen Ausbauparametern herzustellen“, erklärte Hans-Georg Zwang dazu. „Der Ausbau hat lediglich den Erfordernissen der öffentlichen Sicherheit und Ordnung in Verbindung mit der Verkehrsbedeutung zu entsprechen.“ Und die ist nach Ansicht des Landkreises geringer. Deshalb wurde ein grundhafter Ausbau der K 48 zu Gunsten anderer Baumaßnahmen zurückgestellt. „Auch in absehbarer Zeit ist ein Straßenausbau nicht vorgesehen“, so der Fachdienstleiter.

Dass nicht viele Kraftfahrer die Kreisstraße nutzen, weiß auch Malk-Göhrens Bürgermeister Siegmund Holter. „Die meisten Autofahrer fahren über Liepe und Grittel, um an die Landesstraße 07 zu kommen“, erklärte er. „Dadurch wurde die Betonstraße zwischen Liepe und Grittel auch so ramponiert, dass wir sie erneuern mussten.“ Rund 680 000 Euro investierten die Gemeinden Malk Göhren und Gorlosen mit Hilfe von EU- und Landesmitteln in die 4,50 Meter breite Asphaltstraße, die vor rund zwei Monaten fertig gestellt wurde.

Und genau dort setzt auch ein Vorschlag an, wie der Kreis die unbefestigte K 48 loswerden könnte. „Die Kreisstraße könnte zur Gemeindestraße umgewidmet werden, wenn der Landkreis im Gegenzug die neue Straße von uns übernehmen würde“, so Siegmund Holter. Einen entsprechenden Antrag will seine Gemeinde stellen. Ein Hemmnis könnte die Brücke zwischen Grittel und Krinitz sein. Dennoch hält der Bürgermeister den vorgeschlagenen Deal für ein gutes Tauschgeschäft. Zum einen würde eine direkte Verbindung an die Straße nach Lenzen und damit nach Brandenburg geschaffen werden. Zum anderen könnte der Landkreis Kosten sparen, weil die Unterhaltung des Sandweges mehr Geld verschlingen dürfte als die der neuen Straße. Und zudem würde der Landkreis eine Straße loswerden, die mit gewissen Risiken behaftet ist. „Die Straße hat nichts, was einer Kreisstraße entsprechen würde“, sagte Siegmund Holter und verwies unter anderem auf die fehlende Beschilderung. Für Fremde tatsächlich ein Risiko. Rund 750 Meter von der Straße zwischen Campingplatz und Liepe entfernt führt der Sandweg zwar weiter geradeaus, doch wer auf der K 48 nach Strassen will, muss nach rechts abbiegen. Einen Hinweis darauf gibt es jedoch nicht, so dass Fremde in die Irre fahren könnten.

Eine absolute Ausnahme ist die K 48 übrigens nicht. Auch die K 31 zwischen Loosen und Belsch und die Kreisstraße zwischen Crivitz und Barnin sind unbefestigt. Und auch für sie gilt: Ausbau derzeit nicht in Sicht.


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