Dömitz : Ein neues Rohr im Rohr

_mg_1279

Unterirdische Leitung wird in Dömitz zum Schutz des Baumbestandes im Schlauchlining-Verfahren saniert / Kunstharz sorgt für Stabilität

von
04. Juni 2015, 10:14 Uhr

Risse in der Betonwand, eingewachsene Wurzeln und sogar Verformungen – die unterirdische Rohrleitung zwischen Kolk und Ludwigsluster Straße war hinüber. Sie in offener Bauweise auszutauschen, kam jedoch nicht in Frage. „Dann hätten hier die ganzen alten Eichen und Buchen gefällt werden müssen“, erklärt Walter Jahnke, Geschäftsführer des Wasser- und Bodenverbandes „Unter Elde“. Deshalb entschied man sich für eine Sanierung von innen – sozusagen für ein Rohr im Rohr.

Doch Rohre sind an diesem Tag auf der Baustelle unweit der Steinernen Brücke nicht zu sehen. Nur lange weiße Schläuche. Steffen Breuer greift einen Schlauch und stopft dessen Anfang, der wie eine Socke umgekrempelt ist, in das alte Betonrohr. Jens Rückmann, der oben am Rand des Schachtes steht, leitet Druckluft zwischen die beiden Schlauchschichten. Der Schlauch krempelt sich im Rohr auseinander – auf rund 80 Metern. „Das ist der Preliner“, erklärt Mark Schwanke, Bauleiter der Firma Aarsleff Rohrsanierung GmbH aus Röthenbach an der Pegnitz (Bayern). „Er soll später dafür sorgen, dass das Harz aus dem Inliner nicht durch Risse im Beton ins Erdreich gelangen kann.“

Wenig später setzen die Männer einen zweiten weißen Schlauch an. Er war von einer dicken Eisschicht bedeckt angeliefert worden. „Der Schlauchliner ist mit einem warmhärtenden Kunstharz getränkt. Damit dieses nicht schon beim Transport aushärtet, wird er tiefgekühlt“, so Mark Schwanke. Statt mit Druckluft wird der umgestülpte Schlauchliner mit Wasser in das sanierungsbedürftige Rohr gestülpt. Mit warmem Wasser, das das Aushärten des Kunstharzes fördert. Nach dem vollständigen Einstülpen soll das warme Wasser noch mehrere Stunden durch den sanierungsbedürftigen Rohrabschnitt fließen. Ist das Harz dann am nächsten Morgen komplett ausgehärtet, ist aus dem Schlauch ein Rohr im Rohr geworden. Das kann nun mehrere Jahrzehnte lang das Qualm- und Drängewasser, das bei höherem Wasserstand der Elbe durch den Deich drückt, in die Dove Elbe führen.

Nach der Rohrsanierung soll auch der Schacht noch saniert werden. Fugen sind auszubessern, Risse zu verfüllen und die Abdeckung zu erneuern. Ein weiterer Schacht wird künftig nicht mehr benötigt und deshalb verfüllt.

Der Wasser- und Bodenverband und die Stadt Dömitz als Eigentümerin der Rohrleitung, die die Sanierungsarbeiten letztlich bezahlen muss, haben Glück gehabt. „Die Elbe führt derzeit nur wenig Wasser. Rohrleitung und Schächte sind leer“, erklärt Walter Jahnke. „Sonst hätten wir für die Bauarbeiten noch eine aufwendige Wasserhaltung betreiben müssen.“ Stattdessen musste wegen der stärkeren Schäden – anders als ursprünglich geplant – eine stärkere Schlauchfolie genommen werden. Die Stadt Dömitz bekommt das Projekt zu 70 Prozent gefördert.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen