Ludwigslust/Dömitz : Ein neuer Bügel für die Vitrine

Christa Krause aus Malliß übergibt Holger Bergt den Dömitzer Karstadt-Bügel, nachdem er viele Jahre gesucht hat.
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Christa Krause aus Malliß übergibt Holger Bergt den Dömitzer Karstadt-Bügel, nachdem er viele Jahre gesucht hat.

Holger Bergt aus Bremen sammelt seit Jahrzehnten Gegenstände aus Karstadt-Kaufhäusern. Besonderes Stück kam jetzt aus Dömitz

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27. Februar 2018, 05:00 Uhr

„Rudolph Karstadt, Dömitz“ steht in schlichten schwarzen Buchstaben auf dem Holzbügel. Holger Bergt strahlt, als Christa Krause ihm den Kleiderbügel übergibt. Diesen einen sucht Bergt schon viele Jahre. Denn der 52-Jährige sammelt seit knapp drei Jahrzehnten Historisches aus Karstadt-Kaufhäusern (wir berichteten). Christa Krause aus Malliß erinnerte sich sofort an diesen einen bestimmten Bügel im Kleiderschrank ihres Elternhauses und traf sich mit Holger Bergt in Ludwigslust, der extra aus Bremen anreiste.

„Der Bügel stammt eindeutig aus der Zeit vor 1920. Danach war Karstadt ja eine Aktiengesellschaft und das wurde auch auf die Bügel gedruckt. Und auch die Form und die Schriftart deuten ganz klar auf diese Zeit hin“, erklärt Holger Bergt. Seit gut 30 Jahren beschäftigt er sich mit der Geschichte und der Architektur der Kaufhäuser, kurz danach kam die Sammelleidenschaft hinzu. Zuhause in der Bremer Wohnung hat er ungefähr 230 Bügel, die meisten davon hängen im Flur. „Besondere Stücke bekommen einen Platz in der Vitrine und dazu gehört ab jetzt auch der Dömitzer Bügel“, so Bergt, der eigentlich als Schifffahrtskaufmann tätig ist. Christa Krause erinnert sich noch genau daran, dass ihre Eltern oft bei Karstadt in Dömitz einkaufen waren. „Ich wollte ihn immer schon mal ins Museum bringen, doch dann las ich den Aufruf von Herrn Bergt.“ Diesem sind auch weitere Leser gefolgt und haben so die Sammlung erweitert.

Auch ein Bügel aus dem Ludwigsluster Karstadt hat schon einen Platz in der Vitrine von Holger Bergt. Im Jahr 1899 wurde das Kaufhaus, welches heute das Nessler-Kaufhaus ist, erbaut. „Allerdings von Ernst Karstadt, dem Bruder von Rudolph“, erklärt er. Nachdem dieser in Schwierigkeiten geriet und seinem Bruder Rudolph alle Kaufhäuser verkaufte, entstanden 1928 Neubaupläne für das Geschäft in der Lindenstadt. „Zu diesem Projekt gibt es viele Bauzeichnungen und sogar den vollständigen Schriftverkehr. In diesen durfte ich vor zehn Jahren Einsicht nehmen im Ludwigsluster Stadtarchiv“, so Bergt.

Doch die damaligen Stadtväter stellten sich gegen die Pläne des unternehmenseigenen Architekten, viel zu hoch, groß und wuchtig war ihnen das Modell. „Rudolph wäre viele Kompromisse eingegangen, da zu der Zeit das Geschäft gerade expandierte. Doch dann traf 1931 auch Karstadt mit voller Wucht die Weltwirtschaftskrise“, erklärt Holger Bergt. Alle Um- und Neubaupläne wurden abgesagt und so blieb das Kaufhaus fast genauso, wie die Ludwigsluster es heute noch kennen.

Für Holger Bergt ist es am schönsten, wenn er neue Stücke für seine Sammlung von den Menschen selbst überreicht bekommt. „Da erfährt man dann auch gleich die Geschichte eines Bügels oder Löffels“, so der Bremer. Aktuell sind rund 60 seiner Sammlerstücke jedoch in Anklam. „Hier wird Ende März eine Ausstellung zur Karstadt-Geschichte eröffnet.“ Unter den Exponaten sind Bügel, Löffel, Tassen, Werbeblätter, Umsatzbücher und Mitarbeiterzeitschriften. „Manche Menschen denken vielleicht, ich spinne, aber so erhalte ich einen Teil der Geschichte.“

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