Ludwigslust : Ein Fußboden zum Verlieben

Vorsichtig bringt Sabrina Zoppke eine Schraubzwinge an, um das geklebte Material festzuhalten. Fotos: uwe köhnke
Vorsichtig bringt Sabrina Zoppke eine Schraubzwinge an, um das geklebte Material festzuhalten. Fotos: uwe köhnke

Marketerie in der Königswohnung des Schlosses Ludwigslust gibt schon wieder ein Stück der alten Pracht preis / Sanierung geht weiter

svz.de von
20. Dezember 2013, 07:00 Uhr

Steffi Dahl schaut sich in der Königswohnung des Ludwigsluster Schlosses um. Die Zimmer befinden sich im zweiten Obergeschoss des Ostflügels. Vor der Sanierung befanden sich hier die Büroräume der Schlossverwaltung. Die vom Betrieb für Bau und Liegenschaften des Landes beauftragte Bauleiterin blickt in die Runde: „In diesem Teil sind wir vom Bauablauf schon sehr weit“, erklärt sie. „Die Paneele und die Fensterbekleidung haben ihren neuen Charme in Form der Gold-Weiß-Fassung erhalten. Die Paneele wurden überarbeitet, die Vergoldungen retuschiert oder ergänzt“, sagt Steffi Dahl.

In dem Zusammenhang sind auch die ersten restaurierten Böden wieder eingebaut worden. Die Marketerieböden des Schlosses Ludwigslust gelten als das Highlight des Hauses. In ihrer Vielzahl und Geometrie, in ihrer Formensprache sind sie schon etwas sehr Besonderes, unterstreicht die Bauleiterin.

Im Zuge der Rekonstruktion wurden die meisten Böden ausgebaut, weil die Deckenbalken darunter saniert werden mussten. Manche waren sogar statisch konstruktiv zu ertüchtigen. Der Ausbau hat den Vorteil, dass die Restauratoren in ihren Werkstätten unter wesentlich günstigeren Bedingungen arbeiten können als vor Ort, was sich positiv auf die Qualität auswirkt.


Mittelrosette präsentiert sich in ihrer ganzen Pracht


In der Tat präsentiert sich eine große Mittelrosette wieder in ihrer ganzen Pracht. Ausgeführt wurden die Arbeiten in der Restaurierungswerkstatt Falkensee bei Potsdam. Lediglich die Oberflächenbehandlung – die Wachsung – muss noch erfolgen.

„Mit den prima restaurierten Böden bekommen wir eine große Aufgabenstellung“, bemerkt Steffi Dahl. Sie meint damit die aufwändige Pflege, denn tabu ist, hier einfach mit Polier- oder Reinigungsmaschinen drüber weg zu fahren. Die Böden habe eine gewisse Unebenheit beibehalten, die sich im Laufe der Jahrhunderte herausgebildet hat. Wenn man dort mit großflächigen Maschinen arbeitet, erwischt man durch die Verformungen den einen Teil mehr, den anderen weniger – im günstigsten Fall. Im ungünstigsten Fall werden sogar die Holzelemente abgeschliffen. Da werden noch Diskussionen mit den künftigen Nutzern notwendig sein, sind die Bauverantwortlichen sicher.

In der Königswohnung sind auch die Mamorkamine schon restauriert. In den Fußböden liegen bereits die Sicherheits- und auch die Elektroleitungen. In diesen Tagen vor Weihnachten werden gerade die neuen Heizkörper montiert. Sie sind später unter Nischenbänken verborgen, die über die Heizungen geschoben werden. Darauf kommen bequeme Sitzpolster, so dass eine angenehme Raumatmosphäre für Schlossbesucher geschaffen wird.

In einem anderen Zimmer der Königswohnung fallen zwei unterschiedliche Fußböden auf. Auf der einen Seite ist es Tafelparkett, auf der anderen Seite Marketerietafeln. Das hänge damit zusammen, erklärt die Bauleiterin, dass es hier zwischenzeitlich mal eine Raumtrennung gegeben habe. Die Zapflöcher von der ursprünglichen Ständerwand sind noch zu sehen. Die Wand ist zwar verschwunden, der geteilte Fußboden aber belassen worden. Ein Indiz für veränderte Raumstruktur, die sich oft veränderten Nutzungsbedingungen angepasst hat.

In der Restaurierung sind auch Spuren der Vergangenheit belassen worden. Gut zu sehen in einer Nische, wo einst ein Ofen stand und die Spuren von Glut sich in den Boden gebrannt haben. Summa summarum sind die Restauratoren und Bauleute bei der Sanierung der Königswohnung schon sehr weit gekommen. Lediglich die Wandbespannungen bzw. Tapeten fehlen noch.


Restauratoren arbeiten an ausgebauten Fußbodentafeln


An anderer Stelle im Schloss arbeiten die Restauratoren gerade an ausgebauten großen Fußbodentafeln. Noch sind sie schmutziggrau und unattraktiv. „Sie wurden unterschiedlich genutzt“, erklärt Sabrina Zoppke. „In manchen Räumen war es feucht, so dass sich die Furniere sehr stark abgelöst haben.“ Auf der Tafel, an der die Fachfrau aus Potsdam gerade arbeitet, eine große Rosettentafel, hat sie lose Furniere gelöst, Leim daran gegeben und mit großen Schraubzwingen und Zulagen das Material wieder niedergelegt. Zum Schluss werden die Fugen, die durch Schwund entstanden sind, wieder geschlossen. Am Ende wird die Platte gereinigt und wieder mit einem Überzug versehen. So eine Platte zu bearbeiten, dauert etwa zwei Wochen.

An vielen Ecken des Schlosses wird gewerkelt. Stück für Stück erhält es seinen alten Glanz zurück.

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