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Ludwigsluster Tageblatt

13. Dezember 2017 | 08:33 Uhr

Beckentin : Ein Foto – eine Geschichte

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Wilhelm Brüning (75) aus Beckentin fotografiert wilde Tiere – manchmal muss er dafür stundenlang im Zelt warten

svz.de von
erstellt am 10.Jul.2015 | 07:00 Uhr

Wilhelm Brünings größter Schatz ist knapp zwei Zentimeter lang und einen Zentimeter breit. Eine kleine SD-Karte mit 32 Gigabyte Speicherplatz. „Wenn ich die mal verliere, dann ist alles futsch“, sagt Wilhelm Brüning. Die Fotos von den jungen Füchsen, den spielenden Dachs-Jungen, den tanzenden Kranichen oder der schlafenden Bache mit ihren Frischlingen... Jedes der Fotos hat Wilhelm Brüning im Beckentiner oder Kremminer Wald fotografiert. Und zu jedem Foto kann der 75-jährige Rentner eine Geschichte erzählen. „Auf die Wildschweine habe ich stundenlang im Hochsitz gewartet“, sagt er. „Und als sie dann da waren, wollten sie einfach nicht mehr weg. Ich hatte einen Bärenhunger, wollte nach Hause. Am Ende hat wohl mein knurrender Magen die Schweine aufgescheucht und ich konnte endlich vom Hochsitz. Da war es aber schon weit nach Mitternacht.“

Seit fast zwanzig Jahren fotografiert Brüning die wilden Tiere vor seiner Haustür. Jäger Klinck aus Kremmin hatte damals mit dem Nachbarn am Zaun geplaudert: „Was ich heut gesehen habe, das glaubt mir keiner“, sagte Klinck damals. Und der Nachbar entgegnete: Nimm doch mal Wilhelm mit, der macht gute Fotos.“ Noch am selben Abend fuhr Wilhelm Brüning mit dem Jäger in den Wald. „ Bei mir hat es gleich Klick gemacht“, sagt Brüning. Von da an ist er jede Woche unterwegs. Mit Videokamera, Fotoapparat, einem 150-500-mm-Objektiv und dem Stativ radelt er los. Er weiß, wo die Buntspechte brüten, in welchem Bau der Dachs seine Jungen groß zieht und wo der Eichelhäher auf ihn wartet, weil ihm Brüning immer ein paar Apfelschalen mitbringt. Oft sitzt der Beckentiner Stunden hinter dem Tarnnetz oder unter der grünen Plane, die er mit Wäscheklammern an einer Leine zwischen den Bäumen befestigt. Meistens kommt er ohne Foto zurück. „Das gehört dazu“, sagt Brüning. „Ohne Geduld gibt es keine guten Fotos.“ Brünings Lieblingsfoto ist noch keine drei Monate alt. Es zeigt sechs junge Füchse. „An dem Tag passte alles“, sagt er. „Sogar der Wind blies von vorn.“ Weil Brünings Fotos auch seinen Freunden gefallen, stellen sie die Aufnahmen ab und zu ins Internet. Geld will der 75-Jährige dafür nicht haben. „Das ist nicht wichtig. Viel schöner ist es, dass sich auch andere über die Fotos freuen.“

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