Tierzucht : Ein Faible für weiße Tauben

Taubenschlag an Taubenschlag: Klaus-Dieter Kühnel haben es die Tauben, besonders die weißen, angetan.
Taubenschlag an Taubenschlag: Klaus-Dieter Kühnel haben es die Tauben, besonders die weißen, angetan.

Klaus-Dieter Kühnel züchtet seit rund 50 Jahren Tauben. Dabei legt er mehr Wert auf Schönheit als auf Leistungsfähigkeit

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21. August 2015, 08:15 Uhr

Tauben bestimmen bei Klaus-Dieter Kühnel den Rhythmus. Den Rhythmus des Tages, des Monats und des Jahres. Morgens die Schläge öffnen, am Vor- und am Nachmittag füttern, am Abend die Schläge verschließen – tagaus, tagein. Freitags bringt der Woosmeraner die Brieftauben zum Kabinenexpress, einem Lkw, der sie zum Auflassort für den wöchentlichen Preisflug bringt. Sonnabends trifft er sich mit anderen Züchtern zur Auswertung. Und Urlaub? „Den machen wir zwischen Ende Juli und Anfang August, wenn die Wettkampfsaison für die Alttauben vorbei ist und die für die Jungtauben noch nicht begonnen hat“, sagt Klaus-Dieter Kühnel. „Aber nur eine Woche“, ergänzt Ehefrau Dorita und fügt hinzu: „Die Tauben sind sein Leben.“ Aber das war ihr auch schon 1972 klargeworden, als das Paar das Haus in Woosmer bekam und umbaute. „Der Taubenschlag war zuerst fertig“, sagt Dorita Kühnel. Inzwischen sind vier weitere größere Schläge hinzugekommen.

Der „Taubenzucht-Virus“ hatte Klaus-Dieter Kühnel bereits erfasst, als er zehn Jahre alt war. „Mein älterer Bruder brachte zu Hause irgendwann ein Taube an“, erzählt der heute 63-Jährige. „Er hat zwar schnell das Interesse verloren, nachdem der Marder die Tauben geholt hatte, aber ich war Feuer und Flamme.“ Gemeinsam mit Schulkameraden habe er sich dann aufgemacht, auf Bauernhöfen der Umgebung Tauben „zu besorgen“. Mit 14 habe er dann seinen ersten Schlag gebaut und begonnen, sich mit der Zucht von Farbentauben zu befassen. Selbst auf DDR-Schauen war er mit seinen Tümmlern und Schautauben. „Für Brieftauben brauchte man zu DDR-Zeiten eine Genehmigung von der Volkspolizei“, erinnert sich Klaus-Dieter Kühnel, der in Vielank aufgewachsen ist. Zudem waren die Wettflüge mit viel mehr Aufwand verbunden. „Nach der Rückkehr einer jeden Taube musste man das Tier fangen, den Ring abstreifen und in die Box mit der Uhr stecken“, so Kühnel. Und das war manchmal nicht so einfach. „Nach dem zweiten Flug wussten die Tauben, was ihnen passieren wird…“ Inzwischen läuft die Zeitnahme automatisch über einen Sender, sobald die Brieftaube nach ihrem bis zu 600 Kilometer langen Flug wieder im heimatlichen Schlag eingetroffen ist. Trotzdem sitzt Klaus-Dieter Kühnel, der erst nach der Wende in die Zucht von Brieftauben eingestiegen ist, am Sonnabendnachmittag oft auf der Terrasse, den Blick auf den Taubenschlag gerichtet, um die Ankunft seiner Tiere mitzuerleben. Für vordere Plätze reicht es meist nicht. „Ich liege mit meinen Brieftauben immer im Mittelfeld, und das ist auch gut so“, sagt der Vorsitzende der Reisevereinigung Hagenow und Umgebung, zu der derzeit 86 Mitglieder gehören. Ihm kommt es nicht so sehr auf Leistungsfähigkeit und Geschwindigkeit an. „Für mich ist die Schönheit entscheidend, also dass die Taube den vorgegebenen Standards möglichst nahekommt“, so Kühnel. Und da scheint er bei der Zucht ein gutes Händchen zu haben. Bei Ausstellungen holt er mit seinen Tauben häufig vordere Plätze.

Ein besonderes Faible hat der Woosmeraner für weiße Tauben. Obwohl es diese in der DDR kaum gab, hatte er sich seine erste schon als Jugendlicher geholt – vom Dach eines LPG-Gebäudes bei einer waghalsigen Kletterpartie. „Sie war aus dem Westen gekommen und schneeweiß“, so der 63-Jährige. „Ich habe sie mit einer Schimmeltaube verpaart, damit die Jungen möglichst weiß werden.“ Heutzutage hat Kühnel immer 50 weiße Tauben in seinen Schlägen, um sie zu Hochzeiten und ähnlichen Anlässen aufsteigen zu lassen. „Eine sehr schöne Sache, bei der wir die Freude, die wir bereiten, zurückbekommen…“, sagt Dorita Kühnel, „…und mal gemeinsam unterwegs sind."

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