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Patent für Ludwigsluster : Ein Erfinder gegen viele Gaffer

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Dieter Mohn erlebt Schaulustige bei Unfall auf A 24 - danach entwirft er aufblasbaren Sichtschutz und erhält dafür Siegel vom Patentamt

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erstellt am 06.Feb.2017 | 05:00 Uhr

Die Urkunde kam mit der Post. Jetzt hat es Dieter Mohn schwarz auf weiß mit Unterschrift und Siegel: Seine Gafferzaunanlage ist offiziell als Gebrauchsmuster beim Deutschen Patentamt eingetragen. Seit gestern hängt die Urkunde an der Wand in seinem Nähzimmer. Dort, wo alles begann. Nächtelang hat der 60-Jährige hier am Computer 3-D-Zeichnungen entworfen und später kleine Mustermodelle an seiner japanischen Schnellnähmaschine genäht. Sein allererster Gafferzaun im Maßstab 1:10 aus feuerfester Ballonseide war noch ein Flop. „Wir haben ihn mit einem Fön aufgeblasen und festgestellt, dass die Windlast zu hoch war“, sagt der Ludwigsluster. Dann kam ihm die Idee mit dem aufblasbaren Gerüst, den Aluminiumschienen und den kleinen Sandsäckchen. Seine Lebensgefährtin habe nur noch mit dem Kopf geschüttelt, als sie ihn in seinem zehn Quadratmeter großen Zimmer in einem Berg von Ballonseide sitzen sah. „Meine Maschine näht einen Meter Stoff in einer Sekunde“, sagt Mohn. „Da war der Zaun schnell fertig.“

Gründertum in den eigenen vier Wänden: Tagelang verbringt der 60-Jährige beim Tüfteln. Erst wird gezeichnet, dann genäht.
Gründertum in den eigenen vier Wänden: Tagelang verbringt der 60-Jährige beim Tüfteln. Erst wird gezeichnet, dann genäht. Foto: Hennes
 

Ein Zaun, der Unfallopfer und Rettungskräfte vor schaulustigen Blicken schützen soll. Im Sommer hatte Mohn auf der A 24 vorne im Stau hinter einem Unfall gestanden und miterlebt, wie die Leute ausstiegen und mit ihren Handys filmten. „Da fiel mir meine aufblasbare Kinoleinwand ein“, sagt Mohn. „Nach dem selben Prinzip könnte man doch...“

Frisch aus dem Briefkasten: die Urkunde vom Patentamt.
Frisch aus dem Briefkasten: die Urkunde vom Patentamt. Foto: Hennes

Der erste Praxistest an diesem Wochenende auf dem Gelände des THW gibt ihm Recht. In weniger als 30 Sekunden ist die zwei Meter hohe und zwanzig Meter lange Wand aufgeblasen. Die Männer vom THW staunen. „Die kannst du uns gleich hier lassen“, sagt Zugführer Uwe-Jens Griem. Auch Matthias Gabriel hält viel von Dieter Mohns Erfindung. „Ich habe erlebt, wie Gaffer vor Ort für Folgeunfälle sorgten“, erzählt er. Einem Helfer neben ihm waren Schaulustige über den Fuß gefahren, weil sie aus dem Auto heraus filmten und dabei zu nah an die Unfallstelle kamen. Gabriel erinnert sich auch an den Unfall in Wittenburg, bei dem mitten in der Stadt ein Autofahrer in ein Haus fuhr. „Bei der Bergung des Wagens mussten alle THW-Kräfte vor Ort Decken hochhalten“, erzählt er. „ Hätten wir damals so eine Wand gehabt, hätten wir unsere Kräfte an der Unfallstelle besser einsetzen können.“

Provisorische Gafferwände aus Metall hat Matthias Gabriel schon einmal bei einem Unfall in Hamburg aufstellen müssen. „Die waren aber unpraktisch und wir haben uns darin die Finger eingeklemmt“, sagt er.

In Nordrhein-Westfalen werden seit letztem Jahr aus Bundesmitteln finanzierte Gafferzäune bei Unfällen eingesetzt, deren Zaunfelder extra mit Transportern herbeigeschafft werden müssen. Mohns aufblasbarer Gafferzaun dagegen ist leicht, flexibel und passt in jeden Kofferraum. Die Sichtschutzwand hat ihren Probelauf beim THW bestanden. Dennoch bleibt für den Ausbildungsbeauftragten Matthias Brinkmann danach die bittere Erkenntnis: „Es ist schon traurig, dass man so etwas haben muss.“

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