Dömitz : Ein eingespieltes Helfer-Team

Marita Beuthling ist froh: Diesmal gab es reichlich Mandarinen.
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Marita Beuthling ist froh: Diesmal gab es reichlich Mandarinen.

Claus Niemann und Marita Beuthling sammeln jeden Donnerstag ehrenamtlich Lebensmittel-Spenden für die Dömitzer Tafel ein

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16. Dezember 2013, 12:07 Uhr

Claus Niemann lenkt den weißen Lieferwagen auf den Parkplatz des Supermarktes. Marita Beuthling, seine Beifahrerin, springt wortlos aus dem Fahrzeug und geht schnurstracks auf die Eingangstür zu. „Wir haben eine klare Arbeitsteilung“, sagt sie und blickt zu Claus Niemann, der einen Einkaufswagen holt. Die beiden Dömitzer wollen allerdings nicht einkaufen. Sie wollen eine Lebensmittel-Spende für die Dömitzer Tafel abholen. Seit Jahren gehen sie jeden Donnerstag gemeinsam auf Tour – ehrenamtlich.

Die 53-Jährige geht mit großen Schritten durch die Regalreihen und hält nach einer Mitarbeiterin Ausschau. Als Verkäuferin Susanne Jochens die beiden Dömitzer sieht, unterbricht sie sofort ihre Arbeit: „Ich komme“, sagt sie und verschwindet im Lager. Wenige Augenblicke später sind Claus Niemann und Marita Beuthling schon wieder an ihrem Fahrzeug, dem Gemeindeauto der katholischen Kirchgemeinde Dömitz, die der Tafel die benötigten Räumlichkeiten in der Elbestadt bietet. Sie verstauen mehrere Kartons mit Kaffee, Paprika, Zwiebeln und mehr auf den Sitzen. Dann geht die Fahrt weiter. Die Zeit drängt.

Die Bäckerei und Konditorei Görlitz in Neu Kaliß ist die letzte Station an diesem Abend. „Kurz vor sechs wollen wir da sein, weil das Geschäft um 18 Uhr schließt“, erklärt Claus Niemann. Aber selbst wenn es ausnahmsweise später wird, würde die Dömitzer Tafel nicht leer ausgehen. „Dann können wir beim Bäckermeister selbst anrufen.“ Doch diesmal klappt es – wie meistens. Noch ein kleiner Abstecher zur Produktionsstätte, um die leeren Kisten abzustellen, dann rollt das Auto zwei Minuten vor sechs an der Verkaufsfiliale vor. Verkäuferin Anke Warncke wartet schon und begrüßt die beiden freundlich. Eine große Kiste mit Broten und zwei Bleche mit leckerem Kuchen und Torte hat sie diesmal für die Tafel-Helfer. Marita Beuthling und Claus Niemann bedanken sich und brausen mit süßer und herzhafter Fracht davon.

„Hier kam es noch nie vor, dass wir nichts bekommen haben“, sagt der 58-Jährige, den die meisten als Jimmy kennen. Glück? Keineswegs. „Am Donnerstag produzieren wir bewusst großzügiger, damit auf jeden Fall genug übrigbleibt“, erklärt Bäckermeister Roland Görlitz. „Wir sind in der glücklichen Situation, dass wir gesund sind und es uns gutgeht. Da geben wir gern und versuchen so, soziale Unterschiede ein wenig zu lindern.“ Gib ab von dem, was du hast, und du bist ein glücklicher Mensch – das sei das Lebensmotto von ihm und seiner Frau. Und so hatte Roland Görlitz die Spenden für die Dömitzer Tafel vor Jahren von sich aus angeboten. „Die Dankbarkeit, die uns dafür entgegengebracht wird, ist beeindruckend.“

Claus Niemann fährt durch die Dunkelheit zurück in Richtung Dömitz. Zum Tafel-Fahrer war er vor Jahren eher zufällig geworden. Diakon Christophorus Baumert von der katholischen Kirchgemeinde, der die Lebensmittel nach dem Start der Dömitzer Tafel noch selbst einsammelte, wollte in den Urlaub fahren und bat Niemann, ihn zu vertreten. Und der gab die Aufgabe auch nach der Rückkehr des Diakons nicht wieder ab. „Warum auch?“, fragt er. „Ich war damals arbeitslos und hatte so eine Aufgabe. Und außerdem helfe ich gern anderen Menschen.“ Dass er inzwischen wieder arbeitet – er ist auf der Dömitzer Festung tätig – ändert daran nichts. Nur dass er nun nach Feierabend zu den Touren startet, die die beiden Helfer auch nach Dannenberg und Hitzacker führen.

Für Marita Beuthling war das Engagement bei der Tafel zu Beginn auch eine gute Gelegenheit, „unter Leute zu kommen“. Sie war gerade erst nach Dömitz gezogen. „Die Tafel ist auch ein Treffpunkt, bei dem man Leute kennenlernen und sich austauschen kann.“ Und die Arbeit mache viel Spaß. „Wir sind ein eingespieltes Team und werden überall sehr freundlich empfangen.“ Doch eines ärgert die beiden Helfer, die pro Jahr rund 450 Stunden für die Tafel unterwegs sind und auch sonst viel gemeinsam unternehmen: „Manche Supermärkte werfen die Lebensmittel lieber weg, anstatt sie zu spenden.“

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