Ludwigslust : Ein Denkmal für „Uns Erwin“

Beratungspause der Stadtvertreter: In der Sitzung einigte man sich darauf, die neue Mehrzweckhalle aus dem Sportforum herauszunehmen. Grund: Der Verein SG 03 möchte seinen Kunstrasenplatz und die Mehrzweckhalle separat vermarkten – was häufig an eine Namensgebung gebunden ist.
Beratungspause der Stadtvertreter: In der Sitzung einigte man sich darauf, die neue Mehrzweckhalle aus dem Sportforum herauszunehmen. Grund: Der Verein SG 03 möchte seinen Kunstrasenplatz und die Mehrzweckhalle separat vermarkten – was häufig an eine Namensgebung gebunden ist.

Die Stadtvertreter beschließen: Das Sportforum bekommt den Namen „Erwin Bernien“.

von
02. Juni 2016, 21:00 Uhr

Für seinen Sohn Jürgen war er ein „durch und durch humanistischer Mensch“. Sein Sportschüler Karl-Heinz Winkelmann hat ihn als „zwar strengen, aber sehr sympathischen Trainer“ in Erinnerung, „der mit den Kindern auch mal Schlitten fuhr und in der Natur Spiegeleier briet.“ Und der ehemalige Lehrer Gerd Laudon spricht von „einem äußerst geschätzten Kollegen, von dem es viel mehr in Ludwigslust hätte geben sollen“.

Nun, vier Jahre nach seinem Tod, erfährt der Ludwigsluster Sportlehrer und Trainer Erwin Bernien posthum eine ganz besondere Ehrung: Sportplatz und Sporthalle an der Techentiner Straße werden noch in diesem Jahr seinen Namen tragen. Das haben die Stadtvertreter auf ihrer Sitzung am Mittwoch mehrheitlich beschlossen. Den Namen hatte der Ludwigsluster Reinhard Heißner schon zu Berniens Lebzeiten im Jahr 1995 erstmals ins Gespräch gebracht, als die Stadt ihre Einwohner aufrief, sich mit Ideen an der integrierten Stadtentwicklung zu beteiligen. „Ich habe damals mit sehr vielen Ludwigslustern gesprochen, die das allesamt nur begrüßten“, sagt Heißner.

Auch Ludwigslusts Stadtvertreter stimmten mehrheitlich für die Namensgebung. Jedoch gab Frank Engel (AfL) vor der Abstimmung zu bedenken, dass es noch mehr Ludwigsluster gebe, die diese Ehrung verdient hätten. „Der ehemalige Olympiasieger Andreas Zülow zum Beispiel, der Boxer Dirk Schäfer oder die immer noch engagierte Trainerin Ursula Leubert. Da muss Ursula Leubert schmunzeln. „Ist ja erfreulich, dass wir auch genannt werden. Aber hier handelt es sich um noch lebende Personen. Und Erwin Bernien war einfach ein großer Meister des Sports, der sehr viele Menschen hier positiv geprägt hat.“

Mit einigen seiner Schüler hielt der Gymnasiallehrer sein ganzes Leben lang Kontakt. Mit Herbert Michel zum Beispiel. Er war kurz nach dem Abitur in Bautzen inhaftiert worden. Bernien schickte ihm Bücher ins Gefängnis und schrieb sich noch mit ihm, als Michel längst nach Kanada ausgewandert war. Zu Berniens Schülern gehörten auch der ehemalige Justizminister Schleswig-Holsteins, Klaus Klingner, der Film- und Theaterschauspieler Friedo Solter, der Grafikkünstler Albrecht von Bodecker und Elfriede Brumm, Deutsche Meisterin im Turnen. Klaus Klingner kam auch zur Beerdigung von Erwin Bernien im November 2012. „Mein Vater hat sich dem DDR-Regime nie untergeordnet“, sagt sein Sohn Jürgen. „Er ist immer Mensch geblieben. Vielleicht war er deshalb auch als Lehrer so beliebt.“ Wie beliebt er noch heute ist, das erleben die Ludwigsluster Sportler jedes Jahr im November. Dann treffen sich Erwins viele ehemalige Schüler zum „Erwin-Bernien-Gedenkturnen“.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen