Ludwigslust : Ein Denkmal für den Stadtgründer

Die Parkverwaltung hat sich 2013 des Denkmals von Herzog Friedrich angenommen und das Umfeld neu gestaltet.
Die Parkverwaltung hat sich 2013 des Denkmals von Herzog Friedrich angenommen und das Umfeld neu gestaltet.

Parkverwaltung hat sich 2013 der Anlage von Herzog Friedrich von Mecklenburg-Schwerin angenommen und hier ein weites, einladend helles Rondell freigeschlagen

svz.de von
28. Dezember 2013, 20:00 Uhr

Wer in diesem Jahr durch den Ludwigsluster Schlosspark wandelte, dem präsentierte sich unter den zahlreichen Sehenswürdigkeiten als besonderer Blickfang das restaurierte Denkmal von Herzog Friedrich von Mecklenburg, genannt Friedrich der Fromme (1717-1785), der Gründer von Ludwigslust.

Der Herzog war einer der Stillen im Land. Vielleicht ist er deshalb in der Erinnerung der Ludwigsluster so wenig präsent. Das Denkmal, das ihm sein Nachfolger 1790 im hinteren Ostteil des Schlossparks errichten ließ, führte viele Jahre lang ein Schattendasein; kaum beachtet, auf zugewachsener Lichtung, zwischen zwei Trampelpfaden, von der Hofdamenallee nicht mehr einsehbar.

Das Denkmal ist gegenwärtig verhüllt, es wurde winterfest „eingepackt“, um es vor Witterungseinflüssen zu schützen.

Die Parkverwaltung hat sich 2013 des Denkmals angenommen und hier ein weites, einladend helles Rondell freigeschlagen. Ein fester Weg führt akkurat im Kreis um das Denkmal herum, mit Anbindung an die Hofdamenallee. Der Rasen wurde frisch eingesät, zwölf im Kreis gepflanzte Fichten verleihen dem Ort etwas Feierliches. Alles in allem ein würdiger und unaufdringlich repräsentativer Ort der Erinnerung an den stillen, schrullig-genialen Gründer von Ludwigslust.

Die Idee zu diesem Denkmal, fünf Jahre nach Friedrichs Tod, stammte wohl von Herzogin Louise. Die Ausführung wurde noch einmal Friedrichs altem Holzbildhauer Rudolph Kaplunger übertragen. Ursprünglich war das Denkmal inselartig von einem Wassergraben umgeben. Da der jedoch immer wieder versumpfte, hat. P. J. Lenné bei der Umwandlung des barocken Schlossgartens in einen romantischen Landschaftspark (ab 1852) aus Insel und Graben ein Rasenrondell gemacht. Diese zweite Fassung ist jetzt wiederhergestellt. Das Denkmal zeigt eine ergriffen trauernde Frau (= Mecklenburg), die sich schmerzgebeugt auf eine Urne mit dem Reliefporträt Friedrichs stützt und aus einem Füllhorn Rosen (= Liebe) und Lilien (= Unschuld) darüber ausschüttet. Gegenüber hat ein Knabe (= Tod)schlafend seinen Kopf auf die Urne gelegt; die Fackel des Lebens hat er umgedreht und ausgedrückt. Ein Totenschädel unten erinnert den Betrachter an den eigenen Tod.

Das alles ist im recht sentimentalen Stil der Zeit gehalten. Dazu passt auch die Inschrift auf der Rückseite des Sockels: Friedrich, Ruhm und Trost der Deinen, O, wie warest Du so gut! In den 29 Jahren seiner Herrschaft hat Herzog Friedrich in der Tat in aller Stille viel Gutes für Mecklenburg und Ludwigslust geleistet. Als Vater Christian Ludwig 1756 starb, hinterließ er seinem Sohn ein Land, das durch jahrzehntelangen Bürgerkrieg schwer zerrüttet war.

Dazu kam, dass der Preußenkönig Friedrich II. 1756 den Siebenjährigen Krieg vom Zaun brach. Preußische Truppen zogen marodierend durch Mecklenburg und Friedrich der Fromme musste gleich zu Beginn seiner Herrschaft mehrmals in die sichere Hansestadt Lübeck fliehen.

Doch ungeachtet aller Schwierigkeiten verfolgte der Herzog seinen Traum, in der Einsamkeit der Griesen Gegend eine neue Residenz entstehen zu lassen: Ein kleines mecklenburgisches Versailles, anstelle von Schwerin. Der Vater hatte sich einst im Klenower Wald ein bescheidenes Jagdschloss gebaut und ihm (am 21.8.1754) seinen Namen „Ludwigs-Lust“ gegeben. Hierhin wollte Friedrich seine Residenz verlegen.

Zusammen mit seinem Baumeister J.J. Busch ließ er als erstes Projekt den Ludwigsluster Kanal graben (1756-1760). Der be- und entwässert Stadt und Park und speist auch die prächtige Kaskade am Schlossplatz. Der Kanalbau, gleich nach Kriegsbeginn, ist wohl als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme zu verstehen: Damit arbeitslose Mecklenburger sich nicht scharenweise von den Preußen als Kanonenfutter anwerben ließen.

1756-1770 entstand dann die imposante Hofkirche (heute Stadtkirche); es folgten Häuser für die Bediensteten am Kirchenkarree, am Bassin und am Beginn der Schlossstraße (bis zur Gartenstraße).

Schließlich wurde das väterliche Jagdschloss durch das repräsentative Sandsteinschloss ersetzt, in nur vier Jahren Bauzeit: 1772-1776. Der Innenausbau des Goldenen Saales und Kaplungers allegorische Figuren oben auf der Attika haben allerdings noch viele weitere Jahre in Anspruch genommen.

So hat Herzog Friedrich die meiste Zeit seiner Herrschaft auf einer Großbaustelle verbracht. Aber der strenge Pietist hat von Vergnügungen und weltlichen Freuden ohnehin nichts gehalten. Sündenlast und Bußfertigkeit bestimmten immer sein Innenleben; Arbeiten und Beten waren sein Alltag.

Ludwigslust galt zu jener Zeit als „Heiligtum der Langeweile“ („un temple de L’ennui“). Erst Friedrich Franz I., Neffe und Nachfolger des kinderlosen Friedrich, hat aus der stillen Residenz ein lebendiges Städtchen gemacht. Der bis heute erhaltene Kern der Barockstadt ist jedoch das Gründungswerk Friedrich des Frommen.

Nun hat der stille Mann also wieder sein stilles, würdiges Denkmal. Den Parkverantwortlichen sei Dank!

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