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Ludwigsluster Tageblatt

18. November 2017 | 13:27 Uhr

Neustadt-Glewe : Ein Busfahrer als Lebensretter

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Als ein bekannter Fahrgast nicht zur Busfahrt antritt, alarmiert Andreas Hagemann die Polizei und rettet so ein Menschenleben

von
erstellt am 20.Okt.2017 | 16:17 Uhr

Busfahrer Andreas Hagemann (40) kennt viele seiner Fahrgäste – zumindest vom Sehen. Auch jenen älteren Herren aus Wöbbelin, der an drei Tagen in der Woche immer zur selben Zeit in den Bus steigt und die gleiche Strecke mitfährt. Als der Rentner an jenem Mittwoch plötzlich nicht wie gewohnt an der Haltestelle wartet, ahnt Andreas Hagemann noch nicht, dass er dem Senior in Kürze das Leben retten würde.

Der 79-Jährige Wöbbeliner wartet stets montags, mittwochs und freitags auf den Bus, der kurz vor 6 Uhr im Dorf abfährt. Andreas Hagemann, der für das Neustädter Unternehmen Bus-Kröger arbeitet: „Er fährt dann zunächst bis zum Bahnhof in Ludwigslust mit und steigt hier kurz aus, um sich seine Zeitschrift zu holen. Danach steigt er gleich wieder ein und fährt bis zum Alexandrinenplatz, wo er in der Stadt frühstückt.“ Später dann, so Busfahrer Andreas Hagemann, fährt der Rentner im Bus über Neustadt-Glewe nach Wöbbelin zurück.

Doch an jenem Mittwoch stutzt Andreas Hagemann. „Ich hatte die Tour kurz nach 10 Uhr ab Ludwigslust nach Neustadt-Glewe. Unser ,Stammgast’ war aber nicht wie sonst an der Haltestelle. Das fiel mir gleich auf.“ Hagemann fragt einen Kollegen, der die Frühtour aus Wöbbelin hatte, ob der Senior morgens mit nach Ludwigslust gefahren sei. War er nicht. „Das war seltsam. Denn sonst sagte er immer Bescheid, falls er mal nicht mitfahren kann, so, wenn er ins Krankenhaus muss.“ Denn man kennt sich schon ganz gut – in diesem Fall nicht nur vom Sehen. „Beim Einsteigen oder auch an der Haltestelle plauschen wir manchmal, wenn Zeit ist“, so Andreas Hagemann. Und so weiß der Busfahrer auch, dass der Rentner aus Wöbbelin gesundheitliche Probleme hat.

Genau deswegen ist Hagemann an diesem Mittwoch auch beunruhigt. Aber eventuell hat das Fehlen seines Fahrgastes ja doch einen plausiblen Grund. Vielleicht hat er verschlafen oder etwas anderes vor gehabt. Doch Zweifel bleiben. Und die verstärken sich, als der Rentner auch am folgenden Freitag nicht in den Bus steigt. Andreas Hagemann: „Ich machte dann nachmittags in Rastow Pause und je mehr ich nachdachte, desto unruhiger wurde ich.“ Dann ruft Andreas Hagemann von Rastow aus die Polizei in Ludwigslust an und schildert dem Beamten die Situation.

Gilbert Küchler, Leiter des Polizeihauptreviers Ludwigslust: „Der Busfahrer kannte zum Glück den Nachnamen des Betreffenden. So konnten wir schnell dessen Wohnort in Wöbbelin ermitteln und eine Streife hinschicken.“ Die Beamten gelangen durch die zum Glück offene Tür in das Mehrfamilienhaus, klingeln und klopfen an der Wohnungstür des 79-Jährigen. „Darauf erfolgte keine Reaktion“, so Gilbert Küchler. Doch die beiden Polizisten geben nicht auf, werden im nächsten Augenblick praktisch selbst zu Lebensrettern. Denn plötzlich hören sie aus der Wohnung eine schwache Stimme: „Hilfe, ich bin gestürzt.“ Kurz entschlossen brechen die Polizeibeamten die Wohnungstür auf. Revierleiter Küchler: „Sie fanden den Rentner auf dem Boden in der Stube. Er habe schon mehrere Tage im Zimmer gelegen, klagte über Durst, hatte aber keine äußeren Verletzungen, abgesehen von Druckstellen am Körper durch das Liegen.“

Die Diagnose des Notarztes ergibt eine erhebliche Dehydrierung des Seniors und Lebensgefahr. Er wird mit dem Rettungswagen in eine Klinik gebracht. Wie die Polizei später erfährt, hätte der Rentner in der Wohnung höchstens noch zwei Tage überlebt.

Damit steht fest: Hätte Busfahrer Andreas Hagemann nicht so reagiert, wäre der Senior wohl gestorben. Andreas Hagemann: „Die Ungewissheit war schlimm. Deshalb habe ich mich sehr gefreut, als noch an jenem Nachmittag der Polizeibeamte zurückrief und mir sagte, dass der Mann lebend gefunden wurde. Dafür möchte ich der Polizei ganz herzlich danken.“ Polizeidirektor Ingo Renk, Leiter der Polizeiinspektion Ludwigslust: „Unser Dank gilt dem Busfahrer, der offensichtlich ein Menschenleben gerettet hat. Von der Beharrlichkeit und Entschlossenheit solch stiller Helden lebt unsere Gesellschaft.“ Der Geschäftsführer der Omnibusbetrieb & Reisebüro Kröger GmbH, Axel Kröger, sagt: „Ich habe eine Gänsehaut bekommen, als ich davon hörte. Ein unglaublich couragiertes Verhalten unseres Busfahrers, auf das wir stolz sein können.“

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