Ludwigslust : Ein Bonuspunkt für Team-Arbeit

Bitte klingeln: Wer den Garten von Hutzfeldts betritt, sollte sich bemerkbar machen. Denn Dieter Hutzfeldt schläft mittags gern im Schatten des Kirschbaumes.
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Bitte klingeln: Wer den Garten von Hutzfeldts betritt, sollte sich bemerkbar machen. Denn Dieter Hutzfeldt schläft mittags gern im Schatten des Kirschbaumes.

Pflanzen, ernten, essen, klönen: Kleingärtner vom „Heideblick“ schwören auf das Miteinander - auch dafür gibt’s Punkte von der Jury

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27. Juni 2016, 07:39 Uhr

Waltraud Wolter ist am Sonnabend die erste. Kurz nach sechs Uhr dreht sie den Schlüssel in der Tür zu ihrer kleinen Laube. „Ich kann nicht zu Hause bleiben. Ich bin so gern hier“, sagt die Ludwigslusterin. Der Garten sei ihr Ein und Alles. „Hier habe ich immer Gesellschaft. Einer ist für den anderen da.“ Drei Stunden später, gegen neun Uhr, trifft sie ihre Nachbarn draußen vor der Pforte. Erwin Straube, 78 Jahre alt, und seine Frau harken den Weg. Für heute hat sich die Jury des Regionalverbandes der Gartenfreunde Südwest-Mecklenburg angekündigt. „Die sind kritisch“, weiß Ilse Hutzfeldt vom Vorstand des Vereins. Im Aushang hatte sie zum Großputz aufgerufen. Viele machen mit, zupfen Unkraut, mähen Rasen, harken Wege. „Kleingarten heißt Arbeiten und Ausruhen“, sagt Erwin Straube. „Aber mit Ausruhen ist hier wenig“, sagt seine Frau und lacht. Seit 43 Jahren pflegt das Paar seinen Garten in der Anlage „Heideblick“. Früher haben wir hier oft im Sommer übernachtet und die Natur genossen, erzählt Straube. „Allein frühmorgens am Teich zu sitzen - das war das Schönste.“

Die Jury mit Fachbeirat Friedrich Schneider an der Spitze bleibt nur kurz bei den Rentnern stehen. Allein drei Kleingartenanlagen in Ludwigslust müssen sich die Männer am Sonnabend ansehen. In der Anlage „Heideblick“ fällt ihn besonders die Gemeinschaft auf. „Nachbarschaftshilfe scheint hier zu stimmen“, sagt Schneider. „Dafür gibt es volle Punktzahl.“ Ansonsten begutachten die Experten Heckenhöhe, Laubenanbauten, Gartenaufteilung, Baumwuchs und die Pflanzenwelt. „Das geht hier geht schon mal gar nicht“, sagt Jurymitglied Hans Stapel aus Neustadt-Glewe. Hinter einer viel zu hohen Hecke entdeckt er den „Sachalin Knöterich“. „Der ist schlimmer als Unkraut und verbreitet sich unterirdisch bis über die Parzellengrenzen hinaus. Hans Stapel ist selbst Kleingärtner mit Leib und Seele. „Wenn man zwei linke Hände hat, dann macht man lieber etwas anderes“, sagt er. „So ein Garten bedeutet Arbeit. Aber auch ganz viel Freude.“ Kartoffeln, Gurken, Tomaten, Möhren, Kohlrabi... - unbehandelt und 100 Prozent bio - davon können Hutzfeldts den ganzen Sommer leben. „Früchte, die übrig bleiben, werden eingefroren und später zu Roter Grütze verarbeitet“, sagt sie und verteilt gleich großzügig Portionen an die Gäste.

„Heideblick“ gehört zu den größten der dreizehn Kleingartenanlagen in Ludwigslust. Zu DDR-Zeiten standen zeitweise 20 Anwärter für eine frei Parzelle auf der Warteliste. Heute sind viele Gärten verwaist. Aus einigen wurden Streuobstwiesen, andere werden uneigennützig von den Nachbarn weiter gepflegt.

Froh ist Vorstand Dieter Hutzfeldt über neue, vor allem junge Kleingärtner. „Es scheint wieder im Trend zu liegen“, sagt er. „Statt teuer zu verreisen, genießen sie lieber die Ruhe im eigenen grünen Garten.“

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