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Ludwigsluster Tageblatt

16. Dezember 2017 | 10:22 Uhr

Ludwigslust : Ein Blick hundert Jahre zurück

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Tagung am Sonnabend im Natureum beschäftigte sich mit dem Gefecht von Halen und der Ludwigsluster Militärgeschichte

von
erstellt am 02.Sep.2014 | 07:00 Uhr

Jens Nguyen ist aus Gotha angereist. Er hängt im Konferenzraum des Ludwigsluster Natureums historische Uniformen auf. Auch eine Pickelhaube und weitere soldatische Utensilien aus der Vergangenheit hat der Thüringer mit teilweise asiatischen Wurzeln mitgebracht. Er ist Schriftführer im Vorstand des Deutschen Kavallerieverbandes und wird am Nachmittag zum Thema „Traditionspflege und ihre Grenzen“ sprechen. „Mir geht es darum, dass Traditionspflege auch im 21. Jahrhundert möglich ist. Das hat nichts mit Kriegsverherrlichung zu tun“, unterstreicht Nguyen. „Ich vergleiche das mit einem Eisenbahnfanatiker, der sich gern einen Zug anschaut, und so geht es uns mit der Militärgeschichte in ihren verschiedenen Epochen, wie die Soldaten gelebt haben, wie sie aussahen.“ Und Jens Nguyen gesteht: „Da kommt auch ein wenig der Junge im Manne durch.“ Man könne den Bogen schlagen vom Mittelalter über den Dreißigjährigen Krieg bis hin zum Ersten Weltkrieg.

Nguyen zeigt die Entwicklung an diesem Tag am Beispiel eines der ältesten Traditionsvereine, des Vereines historischer Uniformen, und schlägt den Bogen zum noch jungen Deutschen Kavallerieverband. Der Traditionspflege widmet er sich schon sehr lange. „1987 haben wir uns im Kulturbund der DDR mit Gleichgesinnten organisiert“, berichtet Nguyen.

Den Rahmen seines Vortrags bildet eine Tagung, die am Sonnabend im Ludwigsluster Natureum stattfand. Dort wird gegenwärtig eine Ausstellung gezeigt, die der Schlacht von Halen gewidmet ist (SVZ berichtete). An diesem Gefecht in Flandern – es war eines der ersten im Ersten Weltkrieg – nahm auch das 1. Großherzoglich Mecklenburgische Dragonerregiment Nr. 17 teil, das in Ludwigslust seinen Regimentssitz hatte. Über das Gefecht selbst und die Kavalleriedebatte vor dem Ersten Weltkrieg berichtete am Sonnabend Oberst i. G. a. D. Harald van Nes aus Freiburg im Breisgau. Bernd Wollschläger, der Organisator der Ausstellung, berichtete den rund 20 Tagungsteilnehmern etwas aus der Geschichte der mecklenburgischen Dragonerregimenter zwischen 1819 und 1919.

Aus Anlass der 100. Wiederkehr des Gefechts von Halen hat es in der belgischen Kleinstadt eine Gedenkveranstaltung gegeben (SVZ berichtete). Teilnehmer aus Ludwigslust erzählten darüber, zum Beispiel Joachim Kalide. „Es war sehr feierlich. In manchen Situationen standen mir sogar die Tränen in den Augen“, gesteht der Ludwigsluster. Er verhehlt auch nicht die anfängliche Skepsis. „Auf der Hinfahrt hab ich zu meinen Freunden gesagt, na, wer weiß, wie die Belgier uns aufnehmen. Man darf schließlich nicht vergessen, dass wir Deutschen zweimal in Belgien einmarschiert sind. Aber die Sorge war unbegründet. Die Aufnahme war sehr herzlich“, sagt Joachim Kalide. Fünf Ludwigsluster waren in Halen. Sie alle haben starke Eindrücke mitgebracht, nicht nur von der Gedenkveranstaltung, sondern auch von dem privat geführten Museum. Eine Tatsache, die geschichtsbewusste Ludwigsluster besonders schmerzt, gibt es in der Lindenstadt doch kein Heimatmuseum.

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