Ludwigslust : Ein Abend für Afrika

Der Verein Sisi Pamoja aus Leussow engagiert sich vor allem für eine glückliche Zukunft der Kinder auf Pemba. Dazu gehört vor allem Bildung für Jungen und für Mädchen.  Fotos: Sisi Pamoja
1 von 3
Der Verein Sisi Pamoja aus Leussow engagiert sich vor allem für eine glückliche Zukunft der Kinder auf Pemba. Dazu gehört vor allem Bildung für Jungen und für Mädchen. Fotos: Sisi Pamoja

Helen Paul aus Leussow und Renate Schubert aus Ludwigslust sind Botschafterinnen für Pemba und Sansibar geworden

svz.de von
21. Dezember 2013, 08:00 Uhr

Mitunter können Bibliotheken auch Orte für Lebensentscheidungen sein – wenn sich dort die richtigen Leute begegnen. Genau dies war bei Helen Paul und Renate Schubert der Fall. Die Englischlehrerin aus England und die Bibliothekarin trafen sich vor einigen Jahren in der Ludwigsluster Stadtbibo. Später stellten sie fest, dass sie neben den Büchern eine weitere gemeinsame Leidenschaft teilen – die Leidenschaft für Afrika.

Die Zugänge der beiden Frauen – der von der britischen Insel zunächst in die Bundesrepublik und dann in die neuen Bundesländer eingewanderten Helen Paul und der ehemaligen DDR-Bürgerin Renate Schubert – waren logischerweise unterschiedlich. So hatte die Engländerin während einer Weltreise in den 1970er-Jahren auch Afrika kennengelernt, wollte aber nicht nur als Touristin dorthin reisen und arbeitete für eine britische Hilfsorganisation bereits mehrfach als Lehrerin und Lehrer-Ausbilderin in Tansania. Renate Schubert hatte sich dagegen bereits als Zwölfjährige bei der Lektüre des spannenden Sammelbandes „Entdeckungen auf vier Kontinenten“ von Herbert Scurla in Afrika verliebt. Es sollte allerdings noch eine längere Zeit und einen politischen Wandel dauern, bis sie sich ihren großen Wunsch einer Reise nach Afrika erfüllen konnte.

Das war 1994. In der Zwischenzeit hatte die Bibliothekarin in mehreren Kursen bei Mrs. Paul ihre Englisch-Kenntnisse erweitert und von ihrer englischen Freundin viel über Tansania, Sansibar und vor allem über Pemba gehört. Aber während Tansania und Sansibar auch hierzulande vielen Leuten zumindest ungefähr ein Begriff sein dürften, ist die Gewürzinsel Pemba noch immer eher unbekannt und auch für den internationalen Tourismus eine Terra incognita – ein bislang unbekanntes Land.

Kein oder wenig Tourismus, das bedeutet für die Bewohner der landschaftlich schönen Insel mit ihrer ebenso reichhaltigen wie reizvollen Tier- und Pflanzenwelt allerdings auch wenig Geld. Viele Familien ernähren sich eher mühsam vom Fischfang, oft fehlt es an Strom und Wasser. Und obwohl die Mädchen und Jungen auf Pemba und ihre Eltern wissen, wie wichtig Bildung ist, und gern lernen wollen, sind die Bedingungen dafür noch immer recht problematisch – es fehlt an Schulen, an Lehrbüchern und Unterrichtsmaterialien. Außerdem setzt in Afrika die Dunkelheit fast übergangslos ohne Dämmerung ein. Und wenn es dann in den Wohnungen kein Licht gibt, dann können die Kinder abends weder Hausaufgaben machen noch lesen.

Die Idee für „Sisi Pamoja – Gemeinsam mit Pemba Island e.V.“ war geboren. Der in Leussow ansässige Verein arbeitet in zwei Richtungen: Zum einen wollen seine Mitglieder den Kindern auf Pemba bestmögliche Chancen für deren Zukunft schaffen. Mit Spendengeldern werden Renovierungsarbeiten und Ausstattungsgegenstände für drei Schulen auf Pemba sowie Patenschaften für die Kinder einer Vorschule finanziert. Zwei besonders wichtige Themen sind zudem Elektrizität und Licht. So hat Sisi Pamoja unter anderem mit der Unterstützung der Ludwigsluster Rotarier bereits knapp 260 Solarlampen nach Pemba gebracht, die sich unkompliziert per Handy aufladen lassen und den Kindern endlich ein abendliches Lesen und Lernen ermöglichen.

Aber auch in Deutschland ist Sisi Pamoja aktiv und engagiert sich unter anderem mit Projekttagen an Schulen in Mecklenburg-Vorpommern für interkulturelle Toleranz und für bessere Kenntnisse über die Lebensweise, die Sitten und Gebräuche sowie über den schulischen Alltag auf Pemba.

Und so berichteten Helen Paul, die ihren rund einjährigen Arbeitsaufenthalt in Afrika für ein paar Tage unterbrochen hat, und Renate Schubert auf Einladung des Ludwigsluster Kunst- und Kulturvereins Kukululu am Donnerstagabend im „Haus der Volkssolidarität“ in einem reich bebilderten Vortrag über Pemba und die Menschen dort. Danach gibt es afrikanisches Essen. Von beidem sehr angetan waren auch die pensionierten Ludwigsluster Optiker Ingrid und Roland Boddien. Kukululu hatte mit dem Titel der letzten seiner diesjährigen Veranstaltungen tatsächlich nicht zu viel versprochen: „Afrika ist nebenan“. Nur etwas kälter sei es hier in Deutschland, befand Helen Paul, der es aber angesichts der vielen Besucher des Abends für Afrika dennoch warm ums Herz wurde: „So viele Leute, so viele Freunde!“, sagte die Pemba-Botschafterin sehr, sehr glücklich. Am 5. Januar geht es wieder zurück – zurück nach Afrika natürlich.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen