Göhlen : „Eikboom“ auf dem Denkmalsplatz

Göhlener pflanzen seit 15 Jahren zum Tag des Baumes den Baum des Jahres: Trauben-Eiche steht nun in der Dorfmitte

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24. März 2014, 07:00 Uhr

Der Platz ist geschichtsträchtig: Da, wo die Göhlener jetzt das Loch für die Trauben-Eiche, den Baum des Jahres 2014, graben, ist vor 69 Jahren ein Mensch beerdigt worden. Es war ein sowjetischer Soldat, der beim Fischen im Kanal mit einer Handgranate unvorsichtig war. Der Soldat war nach Deutschland gekommen, weil der, für den hier zuvor 1933 die Hitler-Eiche gepflanzt worden war, mit seinen Schergen das ganze deutsche Volk und viele andere Völker ins Unglück gestürzt hat. Die sowjetischen Sieger holzten die Hitler-Eiche ab und legten das besagte Grab an. Der Soldat ist später nach Ludwigslust umgebettet worden.


Bessere Chancen als die Hitler-Eiche


Das alles erzählt Bürgermeister Dr. Olaf Hinrichs den Göhlenern am Sonnabendmorgen. Ein Häuflein von ihnen hat sich auf dem Denkmalsplatz direkt an der Landesstraße am Abzweig nach Glaisin eingefunden, um nicht nur gemeinsam den Baum des Jahres zu pflanzen, sondern auch den Frühjahrsputz zu machen. „Die Hitler-Eiche hat nur zwölf Jahre gestanden. Möge unser Baum unter besseren Vorzeichen sehr lange überdauern“, sagt Hinrichs mit Blick auf eine gedeihliche und friedliche Zukunft seines Dorfes, das er ein großes Stück weit mit vorbereitet hat. Bei der Kommunalwahl am 25. Mai wird Olaf Hinrichs nicht mehr als Göhlener Bürgermeister und auch nicht mehr für den Kreistag kandidieren.


Eiche hat tiefe kulturelle Wurzeln


Die Symbolik des Baumes ist greifbar. Nicht nur, weil nur wenige Meter weiter am Kriegerdenkmal zwei Eichbäume stehen, die beim Anlegen des Denkmalsplatzes nach dem Krieg von 1870/71 wahrscheinlich 1885 angepflanzt worden sind und deren dicke Stämme daran gemahnen, den Frieden als festes Gut im gesellschaftlichen Gedächtnis zu bewahren.

Die Eiche habe gerade im norddeutschen Raum eine tiefe kulturelle Verwurzelung, sagt Hinrichs und zitiert ein Stück aus Fritz Reuters „De Eikboom“, dessen Text die Landeshymne von Mecklenburg-Vorpommern trägt. Die junge Trauben-Eiche, die am Sonnabend gepflanzt wurde, soll auch für die Bodenordnung stehen, denn Göhlen ist nach den Worten des Bürgermeisters in den letzten Jahren zu einem modernen Dorf herangereift. Dörfliche Begegnungsstätte und Jugendclub nennt er als zwei Beispiele dafür. In Göhlen wird seit 15 Jahren immer zum Tag des Baumes auch der Baum des Jahres gepflanzt.


26 Bäume im Gemeindegebiet


Inzwischen stehen in Göhlen 26 Bäume, weil in einigen Jahren auch zwei Bäume gesetzt wurden. Sie alle entfalten sich im Gemeindegebiet – bis auf die Elsbeere, die gestohlen worden ist. „Aber wir werden wieder eine nachpflanzen“, unterstreicht der Bürgermeister. „Ich würde mich freuen, wenn diese Tradition in Göhlen auch mit der neuen Gemeindevertretung Bestand hat“, wünscht er sich.


Tradition soll weiter leben


„Inzwischen könnte man sogar ein Schulprojekt daraus machen“, schlägt Olaf Hinrichs vor. „Die Bäume hier im Gemeindegebiet zu suchen und zu dokumentieren, was aus ihnen geworden ist, das wäre doch eine spannende Aufgabe“, kann er sich vorstellen.

„Schön wäre es, wenn auch die Jugend die Tradition des Baumpflanzens fortsetzen würde. Ich habe die Hoffnung, dass das gelingt, weil auch schon immer viele vom Jugendclub bei unseren Aktionen dabei sind“, so der Bürgermeister optimistisch.

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