Verlorenes Portmonee in Ludwigslust : Ehrlich währt am längsten!

Wer heute nur wenig Einkommen hat und nicht fürs Alter vorsorgen kann, dem bleibt mit Beginn der Rente nur sehr wenig Geld im Portmonee.
 

Eine Ludwigslusterin erhielt ihr auf dem Parkplatz verlorenes Portmonee zurück – die Finder waren zwei junge syrische Männer

svz.de von
24. November 2015, 09:02 Uhr

Vielen ist es schon passiert. Sie steigen ganz in Gedanken ins Auto, legen beim Türöffnen etwas auf dem Dach ab oder es fällt ihnen ganz einfach aus der Tasche. Sie fahren los – und bemerken erst zu Hause, das ES weg ist. Im schlimmsten Fall das Portmonee.

So ist es auch einer Ludwigslusterin an einem Donnerstagnachmittag auf dem Grabower Netto-Parkplatz ergangen. „In ihrem Fall war es ein Portmonee mit allem, was dazugehört, das ihr aus der Tasche fiel“, berichtet Ricarda Wenzel aus Grabow. „Noch am gleichen Abend brachten zwei junge syrische Männer, die seit ein paar Wochen in Grabow ein Zuhause auf Zeit gefunden haben, dieses Portmonee komplett mit allen Papieren und dem Geld zurück nach Ludwigslust.“ Und das, obwohl sie dafür mehrere Hürden überwinden mussten: Sie mussten die Verliererin anhand der Adresse im Ausweis ausfindig machen, vorher mit ihr telefonieren – auf Deutsch wohlgemerkt – und dann noch ein Auto organisieren, um nach Ludwigslust fahren zu können. „Für mich war es ein sehr bewegender Moment, im Dunkeln vor dem kleinen Haus zu stehen, als die beiden Syrer das Gefundene zurückgaben“, sagt Ricarda Wenzel, die das miterlebt hat. Sie weiß aber auch von einer anderen Geschichte: Am 3. November vergaßen fünf junge syrische Männer kurz nach 14 Uhr eine große blau-weiße Einkaufstasche im Bus zwischen Ludwigslust und Grabow. Als sie ihren Verlust bemerkten, war der Bus längst weitergefahren. Verzweifelt versuchten sie, ihre Einkaufstasche wiederzubekommen, denn der Wert des Beutelinhalts betrug immerhin rund 100 Euro. In ihm befanden sich unter anderem elektronische Geräte wie zum Beispiel ein Rasierapparat. Viel Geld, wenn man im Monat mit 335 Euro auskommen muss.

Aber: Nichts half, den Beutel wiederzubekommen, auch nicht ein Anruf beim Fundbüro der Verkehrsgesellschaft Ludwigslust-Parchim. Zwischen all den vergessenen Sportbeuteln ließ sich die blau-weiße Einkaufstasche nicht finden. „Eine Geschichte, die bisher keinen so guten Verlauf nahm wie die mit den ehrlichen syrischen Portmonee-Findern“, so Ricarda Wenzel. „Vielleicht können ja die SVZ-Leser helfen, dass die große blau-weiße Einkaufstasche samt Inhalt wieder an ihre Besitzer übergeben werden kann? Vielleicht hat sie ja nur jemand mitgenommen, damit sie nicht verschwindet, und hat es nur noch nicht geschafft, sie bei der entsprechenden Stelle abzugeben.“ Die blau-weiße Einkaufstasche könne auch jetzt noch im Fundbüro der Verkehrsgesellschaft Ludwigslust-Parchim oder bei der Stadt Grabow abgeliefert werden. „Damit würde man den fünf syrischen Flüchtlingen eine große Freude bereiten. Auch wenn diese Geschichte einfach nur weitererzählt wird, kann das hilfreich sein. Vielleicht erreicht diese Botschaft ja den richtigen Adressaten. Das wäre doch sehr schön. Wie heißt es doch gleich? Ehrlich währt am längsten…“

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