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Heiddorf : Echte Handarbeit für ägyptische Züge

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Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Raumausstatterbetrieb Helinski erfüllt neben klassischen auch Spezialaufträge

svz.de von
erstellt am 10.Apr.2016 | 19:00 Uhr

Wenn ein Zug durch Ägypten rollt, könnte es sein, dass Teile davon zuvor schon in Heiddorf waren. Raumausstatter Markus Helinski sorgt seit einigen Jahren bei einzelnen Projekten immer mal wieder dafür, dass stromführende Kabel keine Fahrgäste verletzen. „Wir ummanteln sie hier mit Rindsleder, das von Hand vernäht werden muss“, erklärt der 38-Jährige. Gefragt sei dieser Lederschutz in tropischen und von Sandstürmen heimgesuchten Ländern, wo sich zudem viele Passagiere auf den Plattformen zwischen den einzelnen Waggons aufhalten. „Das Gummi, das im Normalfall dafür verwendet wird, würde unter diesen klimatischen Bedingungen nicht lange halten“, so der Raumausstattermeister, der vor rund sechs Jahren den Betrieb von seinem Vater übernommen hatte. Eine vorgezeichnete Karriere könnte man meinen. Aber ganz so ist es dann doch nicht.

„Ich bin in der Firma großgeworden und habe häufig mitgeholfen“, sagt Markus Helinski. „Und so habe ich auch nie darüber nachgedacht, etwas anderes als Raumausstatter zu werden. Aber dass ich den Betrieb übernehme, war keineswegs selbstverständlich.“ Mit Berufs- und Meisterausbildung sowie einem Betriebswirtschaftsstudium hatte er sich für eine Karriere in der Polstermöbelindustrie aufgestellt und dort auch mehrere Jahre in Unternehmen in Nord- und Süddeutschland gearbeitet. In der Entwicklung zum Beispiel und in der technischen Betriebsleitung. „Aber die Polstermöbelproduktion entwickelte sich zu einem sehr schwierigen Markt, viele Unternehmen verschwanden. Gleichzeitig stand die Übernahme des Raumausstatterbetriebes meines Vaters an“, erinnert sich der Familienvater, der vor Kurzem Papa geworden ist. Letztlich entschied er sich für den Familienbetrieb, der schon auf die Betriebsgründung seines Opas 1949 zurückgeht, und für Heiddorf. Bereut hat er diesen Schritt bislang nicht. „Gerade mit Familie ist es nicht von Vorteil, in einer Großstadt zu leben“, so der 38-Jährige.

Und auch die Arbeit an sich hat ihre Reize. „In der Industrie geht es darum, ein Produkt zu Ende zu entwickeln, damit es dann mit möglichst geringem Einsatz in großer Stückzahl produziert werden kann“, erklärt Markus Helinski. „Hier sind alles Einzelprodukte, vieles wird in Handarbeit erledigt und oft muss man improvisieren.“ Während in der Massenproduktion Routine vorherrscht, sei es im Handwerksbetrieb deutlich vielseitiger und abwechslungsreicher.

Alte Polstermöbel neu beziehen, Fußbodenbeläge verlegen, Fenster dekorieren und Sonnenschutz installieren – das sind die klassischen Raumausstatter-Arbeiten, mit denen das sechsköpfige Helinski-Team in Heiddorf und Umgebung unterwegs ist. Neben den Eisenbahn-Projekten gibt es aber noch ein weiteres Spezialgebiet. „Seit 25 Jahren stellen wir gemeinsam mit einer Tischlerei aus dem Amt Neuhaus Massageliegen her“, so Helinski. „Wir sorgen dabei für die Aufpolsterung und die Bezüge.“ 

Drei Fragen an den Bürgermeister von Neu Kaliss Burkhard Thees

Ein starkes Wir-Gefühl

Was macht das Leben in Ihrer Gemeinde aus?
Wir haben eine hervorragende Infrastruktur und ein sehr aktives Vereinsleben. Außerdem gibt es einen starken Zusammenhalt untereinander, den wir schon oft – beim Hochwasser oder der Ausrichtung des Landeserntedankfestes zum Beispiel – bewiesen haben. Da ist ein starkes Wir-Gefühl.
Wo sehen Sie Ihre Gemeinde in zehn Jahren?
Auf jeden Fall als weiterhin eigenständige Gemeinde. Finanziell hoffen und wünschen wir, dass es so weiter läuft wie im Moment, wir unseren Haushalt ausgeglichen gestalten und uns als Standort für Industrie und kleines Gewerbe weiterentwickeln können. Wir sind eine blühende Gemeinde, und so sehe ich das in zehn Jahren genauso.
Was wünschen Sie sich von Land und Landkreis?
Das Finanzausgleichsgesetz muss so gestaltet sein, dass man nicht nur die Mittel für den laufenden Haushalt hat, sondern auch noch Spielraum für freiwillige Aufgaben. Das ist fast nirgendwo mehr der Fall. Das Land hat in den vergangenen fünf Jahren immer ein Plus gemacht und bei den Kommunen kommt nur ein Handgeld an. Ich bin für das Prinzip „Leben und leben lassen“. Immer mehr Aufgaben werden vom Land nach unten delegiert, dann müssten wir auch die Mittel dafür bekommen.

Als Kreistagsmitglied sehe ich die Notwendigkeit für die Kreisumlage in dieser Höhe, um keinen Investitionsstau bei Straßen und Brücken zu riskieren. Da ist der Landkreis auch für die Kommunen tätig, weil wir die Straßen ja auch nutzen.

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