Totengräber in Ludwigslust : Durch Frostboden für ewige Ruhe

Mit starker technischer Hilfe hat Hans-Joachim Wilbat eine Gruft innerhalb von 30 Minuten in den sandigen Boden des Stadtfriedhofs Ludwigslust ausgehoben. Harald Schulz
2 von 3
Mit starker technischer Hilfe hat Hans-Joachim Wilbat eine Gruft innerhalb von 30 Minuten in den sandigen Boden des Stadtfriedhofs Ludwigslust ausgehoben. Harald Schulz

Es sind lausige Minus 10 Grad Celsius, der Frost kriecht Eckhardt Röwer-Paulini die Beine hoch - und doch schwitzt er. Er steht unter Zeitdruck, denn ein Grab muss ausgehoben werden. Röwer-Paulini ist Totengräber.

von
10. Februar 2012, 06:08 Uhr

Dömitz/Ludwigslust | Es sind lausige Minus 10 Grad Celsius, der Frost kriecht Eckhardt Röwer-Paulini durch die Schuh und Strümpfe die Beine hoch - und doch schwitzt er, dass ihm der Schweiß auf der Stirn steht. Er steht unter Zeitdruck, ein Grab muss am nächsten Tag ausgehoben sein, einsturzsicher abgefangen und zusätzlich für die Beerdigung würdig vorbereitet sein. Röwer-Paulini ist Totengräber. Der Dömitzer Unternehmer betreibt seit 2007 einen Landschaftspflegebetrieb mit Grabpflege und -gestaltung.

"Gestorben wird immer und bei jedem Wetter", weiß der drahtige 42-jährige Mann um die Schwere der Arbeit, wenn die er bei jedem Wetter mit seiner Körperkraft erledigt. "Menschen zu beerdigen ist Pflicht, doch diese Pflicht will mit würde und Respekt erfüllt werden", sieht sich Röwer-Paulini in der Pflicht. Für wohl über 50 verstorbene Menschen hat er das Erdreich auf Friedhöfen im Amt Dömitz-Malliß ausgehoben. Eine große Anzahl war darunter, die er persönlich gekannt hatte. "Die Begegnungen mit den Angehörigen verlangen einem immer den ganzen Respekt vor dem Tod, vor dem Verstorbenen und den Hinterbliebenen ab." Eine Grabstätte möchte jedoch niemals vorbereiten, hofft der Mann für die besonderen Aufgabe. Er meint die Beisetzung eines Kindes.

Der Boden der Griesen Gegend ist ein besonderer und vielschichtiger, erzählt Röwer-Paulini vorgestern, als er nach den bitterkalten Tagen ein weiteres Grab exakt auf 80 Zentimeter Breite, 2,20 Meter Länge und 1,80 Tiefe auskoffert. Sein Sohn Tommi geht ihm als Ferienjobber dabei zur Hand. Mit Spaten, Schaufel und Spitzhacke arbeitet sich der Totengräber ins Erdreich, das bis zu 40 Zentimeter tief steinhart gefroren ist - da hilft dann nur doch der Vorschlaghammer, um die Erdscholle zu zertrümmern. Nach mehr als fünf Stunden klettert er im Schweiße seiner Arbeit auf einer Leiter aus der Gruft, prüft das vorgeschriebene Sicherheitsgerüst und bereitet den provisorischen Grabschmuck vor. Nach der Bestattung, wenn die Trauergesellschaft gegangen ist, kommt er wieder, schließt das Grab, legt Kränze und Gestecke mit Respekt und würdevoll auf den Grabhügel.

Respekt hat Röwer-Paulini vor dem Friedhof in Malliß. "Dort stoße ich fast ausnahmslos auf Steine, die mich an den Rand der Verzweiflung bringen", schmunzelt er im Nachhinein. "Es ist sogar vorgekommen, dass der Stein solch ein Ausmaß hatte, dass ich ihn förmlich in die Tiefe gekratzt habe. Mit schwerer Technik ist in Malliß kein Vorankommen, weil die Wege viel zu schmal für Maschinen sind."

Wenn der Dömitzer in der Tiefe auf menschliche Überreste stößt, dann wird noch eine Schüppe draufgelegt. Einige Spatenstiche tiefer erhalten die Reste der Gebeine dann unter Erdreich und dem neuen Sarg ihre wirklich letzte Ruhe. "Diese Arbeit erfordert mehr, als nur Erde auszuheben", sagt respektvoll Eckhardt Röwer-Paulini.

Sein Ludwigsluster Kollege Hans-Joachim Wilbat von der Friedhofsverwaltung der Stadtkirchengemeinde bedient sich bei der Vorbereitung von Gruften eines kleinen Baggers. Das verkürzt die Arbeitszeit einschließlich aller Vorbereitungen im Gegensatz zu Röwer-Paulini auf 1,5 Stunden. Bei 115 Beerdigungen im vergangenen Jahr bringt der Einsatz von Technik die Vorteile, die nötig sind, um alle Arbeiten auf dem seit dem frühen 18. Jahrhundert bestehenden Stadtfriedhof zu erfüllen; der älteste Grabstein weist einen Todestag im Jahre 1750 aus. Wilbat und seine Mitarbeiter sind für die vielfältigsten Arbeiten auf dem besonderen Areal verantwortlich, informiert die Leiterin der Verwaltung, Julia Weise. Dazu gehört ein wachsames Auge auf die Grabanlagen zu haben, über Vernachlässigungen zu informieren oder den prächtigen Baumbestand zu pflegen. Trotz Einsatz von Technik bleibt die Arbeit dort ebenfalls Schwerstarbeit. Und auch die Aufgabe als Sargträger ist eine häufig zu erfüllende Pflicht.

Darum geht's im MEDIENPROJEKT von SVZ und NNN

Etwa 65.000 Schüler und Lehrer allein in unserem Verbreitungsgebiet erhalten in einem gemeinsamen Projekt der Zeitungsverlage und des MV-Bildungsministeriums bis zum Jahresende kostenlosen Zugang zu den Newsportalen. Fragen Sie an den Einrichtungen ihrer Kinder nach den Bedingungen und Login-Daten, die Sie auch in der Familie nutzen können.
Was bewegt die Schüler ab Klasse 5 bis hinauf in die Gymnasien und Berufsschulen unseres Landes? Was passiert in ihrem Umfeld, in Deutschland und der Welt? Wie können seriöse Nachrichten von Fake News unterschieden werden?
Die Schweriner Volkszeitung und die Norddeutschen Neuesten Nachrichten bieten den Schülern die aktuellsten Berichte, liefern in einem speziellen Dossierbereich "Diskussionsstoff" für den Unterricht und möchten mit ihnen in Austausch kommen.
 
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen