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Ludwigsluster Tageblatt

19. November 2017 | 21:09 Uhr

Grabow : „Du kannst es nicht besser haben“

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Betreutes Wohnen des Arbeiter-Samariter-Bundes in Grabow feiert 15-jähriges Jubiläum / Margarete Gassauer wohnt von Anfang an dort

von
erstellt am 27.Aug.2014 | 07:00 Uhr

Sie trägt eine türkisfarbene Bluse, hat das Haar zurückgekämmt und spricht mit fester, manchmal etwas lauter Stimme: Margarete Gassauer. Ihre 93 Jahre sieht man ihr nicht an. Und die kräftige Stimme hat die Rentnerin als Angewohnheit behalten, von damals, als sie noch Krippenerzieherin in Grabow war.

Noch in diesem Herbst feiert die Seniorin ihren 94. Geburtstag. Vorher, nämlich am kommenden Montag, steht ein anderes Jubiläum ins Haus: Das Betreute Wohnen des ASB am Grabower Drosselweg begeht das 15-jährige Bestehen. Und genau so lange wohnt auch Margarete Gassauer in der Einrichtung. Bärbel Dreger, Mitarbeiterin im Ambulanten Pflegedienst des ASB: „Frau Gassauer ist eine von vier Bewohner/Innen, die von Beginn an bei uns wohnen.“

Margarete Gassauer lebte damals nur wenige Hundert Meter entfernt am Schillerplatz in einer Ein-Raum-Wohnung. „Die Entscheidung, ins Betreute Wohnen zu ziehen, kam spontan“, erinnert sie sich. „Eine Nachbarin hatte gehört, dass hier eine solche Einrichtung gebaut wird. Sie wollte mit ihrem Mann einziehen und fragte, ob ich nicht auch Interesse hätte. Wir gingen hin, um uns anzumelden.“ Ergebnis: Margarete Gassauer zog ein, die Bekannten nicht.

Ihrer Tochter samt Schwiegersohn erzählte sie erst kurz vor dem Einzug davon. Tochter Brigitte Steinkopff: „Wir waren überrascht. Ich fragte nur: ,Mutti, wie kommst du darauf?’“ Die Antwort war einleuchtend. „Ich werde älter, könnt ihr mich denn pflegen? Ihr arbeitet doch beide auswärts.“ Die Mutter bzw. Schwiegermutter zog also ins Betreute Wohnen. Als der Schwiegersohn das erste Mal zu Besuch kam, war dann auch er überzeugt: „Mutti, du kannst es gar nicht besser haben!“

Heute hat sich Margarete Gassauer längst eingelebt und bereut ihren damaligen Schritt nicht. Auch wenn sie mit einem Augenzwinkern meint: „Naja, wenn ich gewusst hätte, dass ich so alt werde...“ Sie hat eine schmucke Ein-Raum-Wohnung mit einem kleinen Balkon im ersten Obergeschoss, Bad und Küche. Kochen muss sie nicht, denn Tochter Brigitte bringt täglich selbst gekochtes Mittag, kauft für ihre Mutter auch ein. Außerdem gibt es zwei feste Rituale für beide: Jeden Dienstagnachmittag kommt Brigitte Steinkopff zum Kaffeetrinken und am Donnerstagvormittag zum Putzen. Sonnabends und sonntags holen die Kinder sie zu sich, bringen sie abends wieder heim.

Fit hält sich Margarete Gassauer auch durch leichte Sportübungen in der Gemeinschaft, Lesen und auch Mensch-ärgere-dich-nicht. „Wir Nachbarn hier auf dem Flur sitzen oft im Gemeinschaftsraum zusammen, reden oder spielen zusammen. Und passen auch aufeinander auf. Wenn ich zum Beispiel morgens meine Balkontür nicht geöffnet habe, schaut der Nachbar gleich nach, ob alles gut ist.“ Nur das Gehen fällt ihr inzwischen schwer. Deshalb hat sie einen Rollator. Wenn sie ins Erdgeschoss möchte, fährt sie damit bis zum Lift – und geht dann die Treppe zu Fuß hinunter. „Auch, wenn es weh tut, gilt es, die eigene Faulheit zu überwinden. Wenn ich den Lift doch irgendwann einmal nehmen muss, sieht es nicht gut aus.“

Margarete Gassauer dankt allen, die in der Einrichtung zu tun haben und sich um das Wohlbefinden der Bewohner kümmern. Nur eine Sache stört sie, verrät sie dann doch noch: „Die Auslegware auf den Fluren sollte mal gewechselt werden.“

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