Ludwigslust/Grabow : Drei Gesellen verstärken das Team

Für Raik Wegner ist Nico Reimann ein Glücksfall. Aber auch mit den anderen Kollegen klappt die Kommunikation.
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Für Raik Wegner ist Nico Reimann ein Glücksfall. Aber auch mit den anderen Kollegen klappt die Kommunikation.

Autohaus Giemsch übernimmt nach Winterprüfung die frisch gebackenen Kfz-Mechatroniker / Sie kamen über Umwege zu ihrem (Traum-)Beruf

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21. März 2018, 21:00 Uhr

Als die Kreishandwerkerschaft ihren frisch gebackenen Gesellen jetzt die Abschlusszeugnisse übergab, waren vom Autohaus Giemsch gleich drei Auszubildende dabei. Alle drei Kfz-Mechatroniker hat das Unternehmen mit Standorten in Ludwigslust und Grabow auch übernommen. Der Weg dorthin war für Dennis Czarnitzki, Raik Wegner und Tamás Udvari allerdings sehr unterschiedlich.

Raik Wegner hatte sich schon seit der Schule gewünscht, beruflich etwas mit Autos zu machen. Doch der 29-Jährige hat ein Handicap, das seinen Traum zunächst platzen ließ. Er ist gehörlos. „Ich habe viele Bewerbungen geschrieben, aber vergeblich“, berichtet er. Ihm wurde geraten, etwas im sozialen Bereich zu machen, und so wurde er Sozialassistent, arbeitete auf der Insel Rügen zweieinhalb Jahre lang als Erzieher. „Aber ich habe mich nicht wohlgefühlt“, so Raik Wegner. Dann fand er ein Unternehmen nahe Schwerin, wo er tatsächlich eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker beginnen konnte. Doch dort hatte der junge Mann das Gefühl, nicht wirklich gewollt zu sein, die Kommunikation funktionierte nicht, er brach ab. Durch den Tipp eines Verwandten landete Raik Wegner schließlich beim Autohaus Giemsch, wo ein Mitarbeiter den jungen Mann richtig verstand: Nico Reimann. Er beherrscht die Gebärdensprache, weil seine Eltern gehörlos sind. Raik durfte zu einem zweiwöchigen Praktikum kommen. „Schon am dritten Tag war klar, dass wir ihn nehmen“, sagt Diana Giemsch von der Geschäftsführung. „Inzwischen können die anderen Mitarbeiter auch schon ein bisschen Gebärdensprache.“ Nur manchmal sind Nico Reimanns Fähigkeiten als Dolmetscher gefragt. In der Berufsschule und bei den Prüfungen hatte Raik die ganze Zeit über Gebärdendolmetscher an seiner Seite. Es hat funktioniert. „Ohne Herrn Reimann hätten wir es vielleicht nicht gewagt. Aber am Ende muss man sagen, dass die ganzen Vorurteile Quatsch sind, wenn man es nur will“, betont Diana Giemsch. Raik Wegner ist mit dem Arbeitsvertrag in der Tasche glücklich. „Ich gehe jeden Morgen mit einem Lächeln zur Arbeit“, meint der Vater einer zweijährigen Tochter.

Das Autohaus Giemsch will ausbilden und hat das schon immer getan. Zuletzt waren es einschließlich der jetzigen Jung-Gesellen sieben Azubis. „Auf dem freien Markt gibt es keine Fachkräfte mehr. Wir bilden aus, um selbst einem Fachkräftemangel vorzubeugen“, erklärt Diana Giemsch. Und so war auch Tamás Udvari, ein junger Ungar, in das Familienunternehmen gekommen, das vor 44 Jahren gegründet worden war.

Tamás Udvari hatte in Ungarn ein Studium angefangen, konnte es aber aus finanziellen Gründen nicht abschließen. „Und ohne einen Berufsabschluss in Ungarn eine Arbeit zu finden, ist schwer“, erzählt der 28-Jährige. Und so entschied er sich, über das EU-Förderprogramm „MobiPro“ nach Deutschland zu gehen. „Vorher habe ich zwei Monate lang einen Deutsch-Intensivkurs gemacht“, sagt Tamás Udvari. Trotzdem war es mit der Sprache am Anfang nicht einfach. „Tamás hat immer ,ja, ja’ gesagt, auch wenn er nichts verstanden hat“, erinnert sich Diana Giemsch. Aber das ist längst vorbei. „Jetzt bin ich froh, einen Berufsabschluss zu haben“, sagt Tamás. Einige Jahre lang will er noch in Deutschland bleiben. Aber für immer? „Irgendwann werde ich nach Ungarn zurückgehen“, sagt der Budapester. „Meine Eltern leben ja dort.“

Auch der Dritte im Bunde der Jung-Gesellen, Dennis Czarnitzki, hat nicht den direkten Weg zum Kfz-Mechatroniker genommen. „Dennis hatte vorher schon eine andere Ausbildung abgeschlossen. Bei uns konnte er nun sein Hobby zum Beruf machen“, so Diana Giemsch.

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