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Neustadt-Glewe : Draisine und Hochrad auf der Burg

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Diesjähriger Museumstag in Neustadt-Glewe stand mit dem Thema „199 Jahre Fahrradgeschichte“ ganz im Zeichen des Drahtesels

svz.de von
erstellt am 22.Mai.2016 | 19:00 Uhr

„Ich habe mir extra einen Bart wachsen lassen zur Ehren des Tages“, verrät Peter Tiedemann und streicht sich über den schneeweißen Vollbart. Der 62-jährige Neustädter, vielen in der Region bekannt in seiner historischen Feuerwehruniform und seinem Fahrrad aus dem Jahr 1914, bläst gestern wiederholte Male in sein Feuerwehrhorn, ehe der diesjährige Museumstag auf der Neustädter Burg beginnt.

Doch schon vor dem offiziellen Beginn zeigt sich schnell, dass Britta Kley, verantwortlich für Museum, Burg und Stadtinformation, den Nerv vieler getroffen hat mit der Auswahl des diesjährigen Themas „199 Jahre Fahrradgeschichte“. Aus Ludwigslust, Parchim, Schwerin, Crivitz, Pinnow und sogar aus Hamburg sind Interessierte gekommen, viele sogar mit einem eigenen historischen Drahtesel im Gepäck. So auch Domenik Skrotzki aus Parchim, dessen 1910 in den Brandenburger Brennabor-Werken hergestelltes, noch bestens gepflegtes Fahrrad auf großes Interesse stößt.

Besondere Hingucker sind natürlich die drei Hochräder. Sowohl das Original anno 1910 des Pinnowers als auch die beiden historischen Nachbildungen der Crivitzer Rad-Enthusiasten Thomas Fitzer und Helmuth Schröder, die den Besuchern gern die Entstehungsgeschichte ihrer Hochräder erzählen und auch demonstrieren, wie man diese nicht ungefährlichen Gefährte sowohl be- als auch wieder absteigt.

Dass man, so man dies kann, seine Freude beim Radeln so hoch oben haben kann, ist den beiden gestern anzusehen.

Mit den beiden Schwerinern Wolf Karge und Peter Fahlow hat sich Britta Kley gestern zwei Partner auf die Burg geholt, die jeder auf seine Weise zum Gelingen des Sonntagnachmittags beitragen.

Ersterer, seines Zeichens ehemaliger Direktor de Technischen Landesmuseums in Schwerin, hat mit der Nachbildung eines Laufrades, dessen Original im Volkskundemuseum in Mueß steht, sogar jenes historische Gefährt mitgebracht und vorgeführt, mit dem vor genau 199 Jahren dank Karl Friedrich Freiherr von Drais die Geschichte des Fahrrades mit der nach ihm benannten Draisine ihren Anfang nahm.

Peter Fahlow indes entführt die Besucher dann mit seinem Lichtbildervortrag in die Geschichte des Fahrrades. Er berichtet auch, warum über Jahre hinweg nur Männern das Radeln vorbehalten war und dass das Rad auch in Kriegszeiten ein unentbehrliches Beförderungsmittel für Nachrichten und Güter war.

Wer glaubt, dass des Deutschen liebstes Kind das Auto ist, der irrt. Den Rang hat ihm das Fahrrad längst abgelaufen. Den 45 Millionen Autos stehen heute immerhin 72 Millionen Fahrräder gegenüber, die als umweltfreundliches Verkehrsmittel sowohl für den schnellen Weg zur Arbeit als auch beim Sport und in der Freizeit immer mehr Freunde gefunden haben.

Um es nicht zu vergessen: Der gestrige Museumstag hat Britta Kley und ihre Mitorganisatoren dazu ermutigt, im kommenden Jahr ein Oldie-Rennen zu organisieren. Mit dieser Idee ginge ein lang gehegter Wunsch auch von Peter Tiedemann in Erfüllung.


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