Rüterberg : Dorfrepublik in Rüterberg noch immer präsent

Hans Rasenberger (†), geistiger Vater der Dorfrepublik, im Jahre 1990 mit der Republikfahne.
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Hans Rasenberger (†), geistiger Vater der Dorfrepublik, im Jahre 1990 mit der Republikfahne.

Heute vor einem Vierteljahrhundert machten die Bürger des Ortes Schlagzeilen

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08. November 2014, 08:11 Uhr

Die Dorfidylle ist erfrischend an diesem sonnigen Herbstmorgen in Rüterberg. Das trockene Laub rieselt von den großen Bäumen herunter. „Nächste Woche müssen wir da bei“, sagt Meinhard Schmechel beim Gang durchs Dorf hin zur Heimatstube, um im nächsten Moment „Moin, Otto!“ zu rufen, einen kleinen Schnack mit dem Dorfbewohner anzuschließen.

„Ja, die Dorfgemeinschaft funktioniert noch bei uns“, sagt der ehemalige Bürgermeister. Und das, obwohl inzwischen die Hälfte der rund 200 Dorfbewohner aus dem Westen zugezogen sind. In Rüterberg hat die Dorfgemeinschaft nämlich Tradition, und die hängt mit dem Kalten Krieg zusammen. 1967 wurde der Grenzzaun gebaut. Für die Rüterberger sollte es besonders dick kommen. Sie bekamen nicht nur den Grenzzaun nach Westen, sondern auch eine Abriegelung nach Osten, wurden plötzlich zur Enklave.

„Das hatte einerseits mit der geografischen Lage im großen Elbbogen zu tun, andererseits mit der Tatsache, dass im Laufe der Zeit die Städte Dömitz, Lenzen und Boizenburg aus dem Grenzgebiet herausgenommen worden waren und man nicht mehr so den Überblick hatte, wer sich alles in Grenznähe aufhielt“, erklärt Meinhard Schmechel, der von 1981 bis 2004 Bürgermeister in Rüterberg war. Ab 2005 wurde das Dorf ins benachbarte Dömitz eingemeindet. Für die Rüterberger bedeuteten die 22 Jahre von 1967 bis 1989 pure Restriktion. Das Tor ins Hinterland ließ sich nur von 5 bis 23 Uhr passieren, danach war Schluss. „Wenn du deinen Ausweis vergessen hattest oder der Passierschein abgelaufen war, war das eine Katastrophe. Man kam nicht rein“, erinnert sich Meinhard Schmechel.

Wer einen Arzt brauchte, rief am besten zuerst in der Grenzkompanie in Tripkau an, bevor er den Doktor informierte. Bis Anfang der 80-er Jahre gestaltete sich alles insofern noch erträglich, als dass man die Tripkauer Grenzer kannte und diese die Rüterberger. Aber dann gingen die Grenztruppen im damaligen Grenzregiment 8 von der Kompanie- zum System der Bataillonssicherung über, so dass sich die Grenzer aus vier Kompanien in ihren Abschnitten abwechselten. Ab dann war es vorbei, man lernte sich nicht mehr kennen.

Unvergessen ist die Idee der Dorfrepublik, die Hans Rasenberger (†) hatte, die als Mahnung am 8. November 1989 gegründet wurde, einen Tag vor dem Mauerfall. Der Landtag hat die Gründung bestätigt und nicht wieder aufgehoben. Die Dorfrepublik als Symbol besteht faktisch bis heute.

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