Klein Krams : Dorfduell mit Heimatpflege

Susanne Kramer zeigt Minister Brodkorb (2.v.l.), Detlef Müller (l.) und Dirk Friedriszik einige ihrer Kunstwerke in der Kramserei.
Foto:
1 von 1
Susanne Kramer zeigt Minister Brodkorb (2.v.l.), Detlef Müller (l.) und Dirk Friedriszik einige ihrer Kunstwerke in der Kramserei.

Kultusminister Mathias Brodkorb ist von der neuen Projektidee der Kramserei angetan. Im Mai 2017 treten zwei Gemeinden gegeneinander an.

von
24. August 2016, 07:00 Uhr

Diese Idee ließ selbst den Kultusminister aufhorchen. Die Kramserei, das selbst ernannte „kleinste Kulturzentrum Mecklenburg-Vorpommerns“, hat ein Dorfduell ins Leben gerufen. „Am 14. Mai treten die Gemeinden Alt Krenzlin und Leussow gegeneinander an“, erklärte Susanne Kramer, die Initiatorin der Kramserei, beim Besuch von Mathias Brodkorb in Klein Krams. „Gefragt sind unter anderem Geschicklichkeit, Wissen und Schnelligkeit. Und der Gewinner darf die nächste Gemeinde herausfordern.“ Perspektivisch solle das Duell selbst an Landesgrenzen nicht Halt machen. „Damit wollen wir die dörfliche Gemeinschaft stärken und dafür sorgen, dass sich die Menschen mit ihrem Dorf identifizieren“, so Susanne Kramer, die dem Minister einen Schirm überreichte, um ihm so die Schirmherrschaft für das Duell anzutragen.

Ob er die Schirmherrschaft tatsächlich übernimmt, ließ Mathias Brodkorb offen. Aber er fand schon mal lobende Worte für das Projekt. „Das Dorfduell finde ich total spannend, aber inhaltlich ist es noch ein bisschen wenig“, so Brodkorb. „Irgendwie müsste der Heimataspekt stärker eingebracht werden.“ Zum Beispiel über einen Wettstreit zur besten und für Kinder verständliche Dorfchronik. Das Thema Heimat und moderne Heimatpflege steht nach den Worten des Ministers in der Landespolitik derzeit ohnehin auf der Tagesordnung. Gerade habe er die neuen Förderschwerpunkte bekanntgegeben, und 100 000 Euro seien für genau solche Vorhaben vorgesehen. Die Zuschüsse könnten nicht nur Vereine, sondern zum Beispiel auch Gemeinden oder Privatpersonen beantragen – wichtig ist, dass die Maßnahme gemeinnützig ist.

Minister Brodkorb war auf Einladung des SPD-Landtagsabgeordneten Detlef Müller in die Kramserei gekommen, der zur Wahl am 4. September nicht mehr antritt und sozusagen auf Abschiedstour ist. „Ich bin dabei, mich bei den vielen Menschen, denen ich in den vergangenen 18 Jahren begegnet bin, zu bedanken“, so Müller. „Gemeinsam haben wir versucht, etwas auf die Beine zu stellen.“ In seine Fußstapfen soll nun Dirk Friedriszik treten, der als Direktkandidat im Wahlkreis 19 antritt. Mit Blick auf die Kramserei sagte Friedriszik: „Solche Einrichtungen sind sehr wichtig. Eine Dorfgemeinschaft kann nur funktionieren, wenn es einen sozialen Mittelpunkt im Ort gibt.“

Susanne Kramer und ihr Lebensgefährte Rolf Schmieding hatten den Dorfkrug mit Saal und Bühne vor rund 23 Jahren gekauft, vor gut zwei Jahren zogen sie komplett nach Klein Krams und begannen, das Kulturzentrum aufzubauen. Regelmäßig laden sie zu Lesungen, Comedy, Theater, Konzerten, Workshops und mehr ein. „Geld verdienen wir damit noch nicht“, betonte Susanne Kramer. „Aber bei vielen Veranstaltungen haben wir ein volles Haus, so dass wir die Künstler bezahlen können.“ Mathias Brodkorb betonte, dass er es gut finde, wenn Kulturträger versuchen, mit ihren Angeboten Geld zu verdienen. „Und zwar nicht wegen des Geldes, sondern weil die Einnahmen ein Gradmesser dafür sind, was die Menschen sehen möchten“, so der Minister.

Auch die Klein-Kramser freuen sich über die Kramserei. „Ich hätte damals nicht gedacht, dass hier noch einmal richtig Leben einzieht“, sagte Ilona Model, die Dorfkrug und Saal noch aus den Zeiten kennt, als man dort zum Spielabend und zum Tanzen ging. „Ich finde das gut. Wenn es eine Theateraufführung gibt, haben wir nur zehn Minuten Weg. Und die Eintrittspreise stimmen auch.“ Sie staune immer, von wo überall die Besucher kommen, sagt Ilona Model. Sie gehört auch zu jenen Dorfbewohnern, die gern mit zufassen, wenn in er Kramserei Helfer benötigt werden.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen