Dömitz : Dömitzer Tafel bietet mehr als Essen

Kaffeerunde vor der Lebensmittel-Ausgabe gibt Gelegenheit zum Austausch / Gegenseitige praktische Hilfe gehört dazu

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20. Dezember 2013, 07:00 Uhr

Erst in zwei Stunden werden die Helfer der Dömitzer Tafel die Lebensmittel verteilen. Gerhard, Ellen und die meisten anderen Nutzer sind trotzdem schon da. Sie sitzen im Gemeinderaum der katholischen Kirchgemeinde um einen großen Tisch, trinken Kaffee, essen gespendeten Kuchen von der Kalisser Bäckerei Görlitz und reden.

„Wir unterhalten uns darüber, was in Dömitz gerade passiert ist, aber auch über die Probleme, die der eine oder andere mit der Agentur für Arbeit, dem Jobcenter oder anderen Behörden hat“, sagt Gerhard Burkert. „Und darüber, wie er es beim nächsten Mal besser machen kann.“ Und wenn die Runde selbst nicht weiter weiß, ist meistens noch Diakon Christophorus Baumert in der Nähe. „Er setzt sich für die Leute ein“, betont Burkert voller Hochachtung.


Soziales Netz nutzen und mit knüpfen


Der Diakon war es auch, der eine Zweigstelle der Schweriner Tafel nach Dömitz geholt hat. „Ich hatte damals gehört, dass in Ludwigslust eine Außenstelle eröffnet, und habe daraufhin Peter Grosch, den Leiter der Tafeln, angesprochen“, so Baumert. Im Juni 2006 wurden in der Elbestadt dann zum ersten Mal Lebensmittel-Spenden an Bedürftige verteilt. Doch das Anliegen der Dömitzer Tafel geht weit darüber hinaus. „Die Nutzer sollen auch die Gelegenheit haben, sich in der Gemeinschaft von Menschen auszutauschen, die dasselbe erleben wie sie“, erklärt der Diakon. „Und außerdem stehe ich immer als Gesprächspartner zur Verfügung, kümmere mich um Problemfälle. Über das Pfarramt kann ich zu Behörden ganz anders Kontakt aufnehmen“, umreißt er den dritten Schwerpunkt der Arbeit. Bei der Dömitzer Tafel sollen die Betroffenen ein soziales Netz vorfinden, das sie aufnimmt, das sie aber auch selbst mit knüpfen. „Keiner hält nur die Hand auf. Jeder bringt sich ein“, so Baumert.

Gerhard Burkert war – wie fast jeden Freitagmorgen – mit einigen anderen schon vor 8 Uhr da. „Wir haben Kaffee gekocht, den Tisch gedeckt, die gespendeten Lebensmittel durchsortiert und auf den Tischen verteilt. Ich genieße die Gesellschaft hier“, erzählt der allein lebende Rentner, als er am Tisch sitzt. Die Tafel ist für ihn eine wichtige Hilfe. Obwohl er sein Leben lang gearbeitet hat, sei die Rente nicht riesig. „Ich bin zwar nicht unzufrieden damit, aber es könnte auch mehr sein“, sagt der 70-Jährige. „Wenn ich hier einmal in der Woche Lebensmittel holen kann, kann ich ein bisschen Geld für andere Dinge sparen.“

Ellen Wöhlert, die aus gesundheitlichen Gründen nicht arbeiten kann, geht es nicht anders. Hartz IV bekomme ihre Familie nicht, weil das Familieneinkommen knapp über der Grenze liege. „Es hilft sehr, dass ich hier Lebensmittel holen kann“, sagt die 44-jährige Mutter. Obwohl die Familie spare, wo es geht – gerade habe man den Stromanbieter gewechselt, seien keine großen Sprünge möglich, zumal das Haus noch abbezahlt werden müsse. „Und in der Runde hier kann ich auch mal Probleme bei Leuten loswerden, die ähnliche Sorgen haben“, so Ellen Wöhlert. Und nicht nur das. Die Tafel-Nutzer unterstützen sich auch ganz praktisch. „Wenn jemand umzieht, dann helfen andere mit“, sagt eine 47-jährige Frau. „Eine Umzugsfirma kann sich hier niemand leisten.“


Am 23. Dezember offene Weihnachtsfeier


Nebenan liegen bereits die Lebensmittel auf mehreren Tischen bereit. Brote, Apfelsinen und Mandarinen, Paprika, Rosenkohl und Schokoriegel. Das Angebot ist diesmal üppig. Das ist nicht immer so. „Es gab auch Zeiten, da hatten wir nur ein paar Brote“, sagt die 47-Jährige. „Mal ist es eben weniger, mal mehr.“ Doch das, was da ist, wird entsprechend der Familiengrößen geteilt. „Eine Familie mit vier Kindern bekommt natürlich mehr Brote als ein Alleinstehender“, sagt Marita Beuthling.

Als die Tür zum Nebenraum geöffnet wird, gehen die Dömitzer Tafel-Nutzer an den Tischen entlang, greifen hier und da zu, füllen ihre Körbe und Tüten. „Jeder kann eine Kiste Mandarinen mitnehmen“, sagt Marita Beuthling, die gerade das letzte Brot übergeben hat. Wenige Augenblicke später sind die Tische leer. Jetzt geht es ans Aufräumen, und dann ist auch dieser Tafel-Freitag beendet.

Nun freuen sich alle auf Montag, den 23. Dezember. Dann treffen sich in den Räumen der katholischen Kirchgemeinde um die 90 Männer, Frauen und Kinder zur offenen Weihnachtsfeier für Arbeitslose und die Dömitzer Tafel. Beginn 15 Uhr. Die Weihnachtsfeier ist neben der Nachmittags-Kaffeetafel, zu der einmal monatlich eingeladen wird, ein weiteres Angebot an die Dömitzer, sich zu treffen und auszutauschen.


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