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Unternehmen "K. Präzisionsdrehteile" : Dömitzer Firma dreht weiter auf

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„Wenn unsere Kunden wachsen, müssen wir auch wachsen“, sagt Wilfried Kucharczyk und investiert stetig in seine Firma „K. Präzisionsdrehteile“. Das Land fördert die Investition mit einem Drittel der Gesamtkosten.

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erstellt am 27.Sep.2013 | 06:41 Uhr

Dömitz | Klack. Klack. Klack. Alle sechs Sekunden spuckt die Maschine einen daumengroßen Metallstift aus. Die Stifte rutschen durch ein Rohr in eine mit Wasser gefüllte Kiste. Auf das Rohrende haben die Arbeiter zusätzlich ein Tuch gespannt, damit die Teile abgebremst werden und weich fallen. "Präzision ist das A und O", sagt Geschäftsführer Wilfried Kucharczyk. "Bei uns kommt es auf Tausendstel Millimeter an."

Die Maschine, ein sogenannter Rundteller-Schaltautomat, kann alles: Drehen, Fräsen, Bohren und Gewindeschneiden. "Das Nonplusultra der Großserienfertigung beim Drehen", sagt Kucharczyk. Fünf Rundteller-Schaltautomaten hat der Unternehmer schon. Dieser hier ist der sechste. Kostenpunkt 364 000 Euro. Das Land fördert die Investition mit mehr als einem Drittel der Gesamtkosten. Die Begründung liefert Wirtschaftsminister Harry Glawe in einer Pressemitteilung: "Die Nachwende-Erfolgsgeschichte dieser Firma soll hier fortgeschrieben werden. Einfach kann jeder. Die Dömitzer Präzisionsdrehteile aber sind hochwertigste Qualitätsprodukte." Ein Grund, warum die Dömitzer nicht nur auf dem deutschen Markt, sondern inzwischen auch international Fuß gefasst haben. Sieben bis acht Millionen Teile liefern sie jährlich an Zulieferer der Autoindustrie. Ihre Produkte finden sich später in Kupplungen von Audi, Lenkradschlössern bei VW oder Autositzen von Daimler.

Der daumengroße Stift, den die Maschine neben Kucharczyk gerade ausspuckt, gehört zum elektromagnetischen System von Daimler. "100 000 Stück" steht auf dem Zettel am Pult des Maschinenführers. Im Drei-Schicht-System, das das Unternehmen rund um die Uhr von Montag bis Freitag fährt, sollte der Auftrag nach etwa zehn Tagen erfüllt sein. Schon im vergangenen Jahr war der Betrieb an seine Kapazitätsgrenzen gestoßen. "Wenn die Kunden wachsen, wächst man automatisch mit. Sonst ist man raus aus dem Geschäft", sagt Unternehmer Kucharczyk. Der 63-Jährige muss laut gegen die dröhnenden Maschinen sprechen. Die Produktionshalle auf einem Hinterhof in Dömitz steht erst seit Ende der 90er-Jahre. Gleich nach der Wende hat der gebürtige Dömitzer klein angefangen. Mit fünf Angestellten in einer Werkstatt des abgewickelten Kombinates Elektronische Bauelemente, in dem der studierte Maschinenbauer früher selbst gearbeitet hatte. Jetzt war er plötzlich Unternehmer. "Das war ein gewagter Sprung ins Wasser mit ganz viel Risiko", erzählt Kucharczyk. Er hat Kredite aufgenommen, sein Haus verpfändet, ist auf Messen gefahren, hat Kontakte geknüpft. "Wir sind damals auf der Euphoriewelle Ost-West mitgeschwommen", erinnert er sich. Kunden aus dieser Zeit seien noch heute seine Kunden.

Und mit ihnen hat er auch die schwere Zeit in der Finanzkrise durchgestanden. Tiefrote Zahlen habe sein Unternehmen damals geschrieben. "Kurzarbeit, Ein-Schicht-System, hohe Außenstände und die ständige Ungewissheit. Das treibt einem schnell die Tränen in die Augen." Kucharczyk mag gar nicht mehr daran denken. "Toi toi toi", sagt er. "Heute liefern wir die richtigen Komponenten für die richtigen Fahrzeugtypen." Auch dieses Jahr werde wohl ein gutes Betriebsjahr.

Mehr als drei Millionen Euro hat der Dömitzer seit Firmengründung in seinen Betrieb gesteckt. Heute beschäftigt er 40 Angestellte, fünf davon haben hier ihre Lehre gemacht. "Lehrlinge sind unsere Zielgruppe. Heute mehr denn je", sagt er. Drei machen zurzeit ihre Ausbildung. Die Chancen zur Übernahme stehen gut. "Wenn junge Leute wissen, worum es geht, und wenn man sie von Anfang an mit einbezieht, dann läuft das schon." Deshalb sei ihm um die Zukunft des Betriebes auch nicht bange. Erst kürzlich war eine Zertifiziererin vom Tüv Nord im Unternehmen und hat Produkte und Maschinen auf Normen geprüft. "Sie brauchen sich um ihr Unternehmen wirklich keine Sorgen machen", hatte sie beim Abschied zu Wilfried Kucharczyk gesagt. "Ihre jungen Leute machen das richtig gut."

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