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Archivsystem für Wöbbeliner Mahn- und Gedenkstätten : Digitale Hilfe bei der KZ-Opfer-Suche

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Die Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin besitzen ab sofort ein modernes Archivsystem. Mit ihm erleichtert sich die Suche von Familienangehörigen von NS-Opfern und die Arbeit von Gedenkstätten-Mitarbeitern erheblich.

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erstellt am 28.Mär.2012 | 08:07 Uhr

Wöbbelin | Die Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin besitzen ab sofort ein modernes Archivsystem. Mit ihm erleichtert sich die Suche von Familienangehörigen von NS-Opfern und die Arbeit von Gedenkstätten-Mitarbeitern erheblich.

Ende April 1945 befanden sich im KZ Wöbbelin mehr als 5000 Häftlinge aus mindestens 20 Nationen, von denen in den letzten Tagen der NS-Herrschaft immer mehr verhungerten oder an den Folgen der Haft starben. Am Ende kamen mehr als 1000 Menschen im KZ Wöbbelin zu Tode.

Ramona Ramsenthaler, die Leiterin der Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin, weiß vom steigenden Interesse der Menschen, etwas über das Schicksal ihrer Angehörigen zu erfahren, sehr viele aus dem Ausland. Die "Wöbbelin-Datenbank", so hat Elvira Grossert diesen Prototyp eines modernen Archivsystems genannt, hilft, einen gesuchten Namen und Informationen über den Verbleib des Menschen, der dahinter steht, schneller zu finden.

Auch Fotodokumente sind in der Datenbank gespeichert. Liegen sie nicht digital vor, findet sich aber ein Verweis, wo sie in den Unterlagen archiviert sind.

Die Dokumentarin und Diplom-Ingenieurin Elvira Grossert und ihr Sohn Sören, Student und Softwareentwickler, stellten ihr Produkt dieser Tage in Wöbbelin vor. Das moderne System passt in die neu strukturierten Mahn- und Gedenkstätten, deren Gesicht sich in den letzten Monaten verändert hat.

Im Jahre 1937 ist das Gebäude errichtet worden, hat jetzt einen lichtdurchfluteten, gläsernen Anbau bekommen, der künftig die Bibliothek beherbergen wird. Schulräte aus dem Schweriner Bereich haben hier bereits getagt und auch die Wöbbeliner Gemeindevertreter.

Wie ein solches Archivsystem angelegt werden muss und was dazu notwendig ist, darüber haben sich Elvira Grossert und Ramona Ramsenthaler im großen Archiv der KZ-Gedenkstätte Neuengamme bei Hamburg informiert. Die Wöbbeliner Stätte des Grauens war eines seiner Außenlager.

Ein großer Vorteil auch für die geschichtliche Aufarbeitung: Die Datenbank lässt sich mit anderen Gedenkstätten verbinden.

Online auf die Datenbank zurückzugreifen, ist nicht möglich. Das liegt nicht nur daran, dass Wöbbelin datentechnisch wie viele andere Gemeinden der Region noch im ISDN-Zeitalter dahin dümpelt. Wenn der Internet-Zugriff einmal möglich sein wird, bleiben personenbezogene Daten außen vor. Die Opfer sollen geschützt bleiben, übrigens auch gesetzlich vorgeschrieben. Die Mahn- und Gedenkstätten behalten so die Kontrolle darüber, wer persönliche Daten nutzt.

Möglich geworden ist die "Wöbbelin-Datenbank" übrigens durch die finanzielle Unterstützung von der Stiftung der Sparkasse Mecklenburg-Schwerin im Landkreis Ludwigslust. Diese wurde 2000 in Hagenow gegründet und fördert Projekte auf kulturellem, sportlichem und sozialem Gebiet.

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