Dorfladen Brunow : „Dieser Laden muss bleiben“

Helmuth Barheine (69) freut sich auf das Abenteuer: „Mir macht die Arbeit Spaß, und die Leute im Dorf sind glücklich.“
Helmuth Barheine (69) freut sich auf das Abenteuer: „Mir macht die Arbeit Spaß, und die Leute im Dorf sind glücklich.“

Nach dem Aus des Brunower Bauernmarktes öffnet Rentner Helmuth Barheine ab 1. Juli Geschäft in den selben Räumen

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24. Juni 2016, 12:00 Uhr

Neuer Anfang nach dem Ende: Vor zwei Wochen erst kündigte Helge Dieckmann von der Agrargenossenschaft an, den Brunower Bauernmarkt aus wirtschaftlichen Gründen Ende Juni zu schließen. Schon ein paar Tage später steht fest: Der Laden bleibt. Fast nahtlos übernimmt der Rentner Helmuth Barheine das Geschäft mitten im Dorf. „Ich kann nicht anders“, sagt er. „Der Laden ist mehr als nur ein Laden. Hier treffen sich die Menschen, reden, lachen, schnacken platt.“

Schon kommenden Freitag wird der 69-Jährige das erste Mal hinter der Kasse stehen. Seine Motivation: Rente ist nicht zum Ausruhen da. Seit vier Jahren sucht sich der gebürtige Hamburger immer neue Aufgaben. Erst restauriert er mit der Tochter einen alten VW-Bus, danach den Trabi seiner Lebensgefährtin, später ein altes Boot. „Alle Projekte haben zwar Spaß gemacht, aber ich war immer allein dabei“, sagt er. Sein neues Projekt „Dorfladen“ dagegen lebt nur von und mit den Menschen. „Ich merke jetzt schon, wie sehr die Leute im Dorf das wollen und bereit sind zu helfen.“ So hat Bürgermeisterin Heike Bartczak für Montag das Dorf zum Arbeitseinsatz aufgerufen, damit es auch vor dem Geschäft einladend aussieht. Am 3. Juli wird die Feuerwehr auf dem ersten Brunower Schlender-Trödel-Markt grillen und die Erlöse Helmuth Barheine als kleine Starthilfe geben. Der Nachbar Dieter Page hat ihm geholfen, die Markise am Schaufenster anzubringen, und gestern stand plötzlich ein Handwerker aus dem Dorf vor Barheines Tür und bot ihm an, die Bratwürste zum Grillen am Eröffnungstag des Ladens zu spendieren.

Erst war Barheine, der sein Leben lang als Elektromeister gearbeitet hat, skeptisch. „Ich bin morgens aufgewacht und habe mich gefragt: Was planst du da eigentlich“, sagt er. „Aber ich will es wenigstens versuchen. Der Laden darf nicht kaputt gehen.“

Drei Mal in der Woche wird der Bauernmarkt ab 1. Juli geöffnet haben: Donnerstag (10 bis 20 Uhr), Freitag (8 bis 20 Uhr) mit jeweils einer Pause von 13 bis 15 Uhr und sonnabends zwischen 8 und 12 Uhr. Frische Ware holt Barheine vom Hamburger Großmarkt. Er denkt auch darüber nach, dass die Brunower bei ihm Gemüse und Obst aus dem eigenen Garten verkaufen können. Helga Brandt zum Beispiel könnte ihre selbst gemachten Marmeladen und Liköre ins Regal stellen. Die Brunowerin kennt das Geschäft noch aus ihrer Kindheit. „Damals war dort das Textilkaufhaus Schmidt drin“, erzählt sie. Später dann der Dorfkonsum, danach eine Spar-Filiale bis die Agrargenossenschaft im Dezember 2012 hier den Brunower Bauernmarkt eröffnete. Für das Projekt gab das Land 100  000 Euro aus dem Fördertopf „Demografische Dorfmitte“. Heute kann sich die Agrargenossenschaft die Lohnkosten für die beiden Verkäuferinnen nicht mehr leisten.

Helmuth Barheine wird alleine im Laden arbeiten: Ware bestellen, verkaufen, putzen, etikettieren... Nur den täglich frisch zubereiteten Mittagstisch wird es nicht mehr geben. Das sei zwar schade, sagt die Brunowerin Helga Brandt. „Dafür sind wir aber sehr glücklich, dass der Laden bleibt.“ Mit dem Fahrrad kaufe sie zwei Mal in der Woche hier ein. „Ich bekomme alles, was ich brauche. Und wir Frauen treffen uns hier nach dem Sport auf eine Tasse Kaffee oder eine Bockwurst.“

Gewinn will Barheide mit dem Laden nicht machen. Einziger Wunsch: „Die schwarze Null am Jahresende.“

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