Ludwigsluster Polizistinnen auf Streife : Diese Frauen wollen keinen Bürojob

<strong>Annika Bannorth (l.) </strong>und Janina Birkholz unmittelbar vor Beginn einer Streifenfahrt.<fotos>andreas münchow</fotos>
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Annika Bannorth (l.) und Janina Birkholz unmittelbar vor Beginn einer Streifenfahrt.andreas münchow

Die Ludwigsluster Polizei-Obermeisterinnen Annika Bannorth und Janina Birkholz könnten im Büro arbeiten. Doch die jungen Mütter lehnen das Angebot ab und fahren lieber auf Streife.

svz.de von
21. März 2013, 09:58 Uhr

Ludwigslust | Von diesen beiden Polizistinnen lassen sich Autofahrer gerne kontrollieren. Selbst dann, wenn vielleicht ein Knöllchen fällig ist. Denn Janina Birkholz (37) und Annika Bannorth (29) sind die hübschen Gesichter der Ludwigsluster Polizei. Doch Raser, Falschparker oder gar Straftäter sollten sich keine falschen Hoffnungen machen: Wenn es sein muss, sind die beiden Polizei-Obermeisterinnen des Polizeihauptreviers Ludwigslust genauso resolut wie ihre männlichen Kollegen. Und doch unterscheidet die Beamtinnen einiges von anderen Polizisten.

Beide Frauen sind Mütter, arbeiten wegen ihrer Kinder außerhalb des gewöhnlichen Schichtdienstes und müssten deshalb gar nicht auf Streife gehen bzw. fahren. Janina Birkholz hat eine 9-jährige Tochter, lebt mit ihr und ihrem Lebenspartner in einem Dorf bei Schwerin. Auch Annika Bannorth wohnt mit Ehemann, Sohn (3) und Töchterchen (eineinhalb) außerhalb von Ludwigslust. Beiden Polizistinnen wurde wegen ihres Nachwuchses eine zeitweilige Arbeit in der Verwaltung angeboten. Doch das wäre für sie nichts. Annika Bannorth: "Ein Bürojob würde mich nicht erfüllen. Ich bin Polizistin geworden, weil ich auf der Straße sein und den Menschen ein Gefühl von Sicherheit geben möchte." Ähnlich denkt Janina Birkholz: "Für die Verwaltung müsste man geboren sein. Ich bin es nicht."

Der Leiter des Polizeihauptreviers Ludwigslust, Christian Eichwitz, freut sich über seine tüchtigen Beamtinnen. "Beide fahren gemeinsam auf einem so genannten Sonderwagen außerhalb des normalen Schichtdienstes. Wenn unsere anderen Streifenwagen zum Beispiel gerade bei einem Einsatz sind, können wir den Sonderwagen für andere Aufgaben einsetzen." Aber wie ihre Kolleginnen und Kollegen nehmen Janina Birkholz und Annika Bannorth auch Verkehrsunfälle auf, ahnden Ordnungswidrigkeiten, sichern Veranstaltungen ab oder nehmen Verhaftungen vor. Aber gegenüber dem "normalen" Schichtdienst unternehmen beide Frauen auch Streifenfahrten in entlegene Gemeinden. Janina Birkholz: "Die Leute dort freuen sich oft, wenn sie uns sehen. So nach dem Motto: Hier war ja schon ewig keine Polizei mehr."

Genau darauf kommt es auch Hauptrevierleiter Christian Eichwitz, an: "Dank der zwei Beamtinnen im Sonderwagen können wir mehr Polizeipräsenz auch auf dem Lande zeigen, wo sonst nicht so oft Polizisten auftauchen. Beide übernehmen bei Krankheit von Kontaktbeamten in Gemeinden auch deren Aufgaben und führen die Sprechstunden durch."

Wie in jedem Beruf gibt es auch bei der Polizei Licht und Schatten. Aber: Hier muss man jederzeit damit rechnen, in bedrohliche Situationen zu geraten. So, wie damals, als sich auf einem Dorf bei Ludwigslust ein bewaffneter Mann in einem Haus verschanzt hatte. Janina Birkholz erinnert sich: "Annika und ich kamen mit anderen Kollegen als erste Beamte dort an, übernahmen die Absicherung. Bevor Spezialkräfte eintrafen, waren wir praktisch auf uns gestellt. Man überlegt dann schon, was geschieht, wenn der plötzlich mit einer Waffe in der Hand aus dem Haus stürmt. Auch wenn wir für solche Situationen ausgebildet wurden." Es gibt aber auch ganz andere Begebenheiten. Annika Bannorth schmunzelt: "Wir hatten einmal einen älteren Herren, der uns genau erzählte, auf welchen Parkplätzen gerade Autos unberechtigt auf Behindertenparkplätzen standen. Das sollten wir uns mal ganz schnell anschauen."

Das Familienleben indes kommt bei den Beamtinnen manchmal etwas kurz. Janina Birkholz arbeitet von 7 bis 16 Uhr, Annika Bannorth von 8 bis 14 Uhr. "Mein Lebenspartner arbeitet im Nachtdienst in der freien Wirtschaft. Manchmal sehen wir uns dann morgens auf der Straße, wenn er vom Dienst heim kommt und ich gerade aufbreche, sagt Janina." Ähnlich ist es bei Annika: "Mein Mann ist bei der Bereitschaftspolizei. Da sehen wir uns selbst an Wochenenden nicht immer."

Janina Birkholz nimmt für das Team morgens an der Lagebesprechung teil, schreibt nach 14 Uhr die Einsatzberichte des Tages. Für beide Frauen steht fest, dass sie auch, sobald die Kinder größer sind und sie wieder in Normalschichten arbeiten, weiter Streife fahren.

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