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Ludwigsluster Tageblatt

19. September 2017 | 17:27 Uhr

Ludwigslust : Diese Brücke entzweit

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Nicht jeder will die Fußgängerbrücke neben der Schlossbrücke. Ob sie gebaut wird, entscheiden die Stadtvertreter.

von
erstellt am 19.Mai.2017 | 21:00 Uhr

Brücken verbinden, heißt es. Diese hier aber entzweit: die Fußgängerbrücke, die direkt neben der historischen Schlossbrücke entstehen soll. Die einen sehen in ihr den lang gewünschten barrierefreien Übergang zwischen Schlossplatz und Schlossstraße. Für die anderen ist sie ein Fremdkörper, der das historische Schlossensemble zu sehr beeinträchtigen würde.

Therese Holm kämpft für die Fußgängerbrücke. Mehr als 1000 Unterschriften hat die Vorsitzende des Seniorenbeirates bis heute für den Bau der neuen Brücke gesammelt. Ihre Argumente überzeugen nicht nur Gehbehinderte, sondern auch Radfahrer und Familien mit Kindern. „Wir fordern Gleichberechtigung und Teilhabe für alle“, sagt sie. „Es kann nicht sein, dass Menschen im Rollstuhl oder am Rollator Umwege zum Schloss nehmen müssen, weil sie nicht über die Schlossbrücke kommen.“

Doch die Idee für die kleine Brücke neben der großen stößt auch auf Widerstand. So äußerten sich im Internet nach der ersten Veröffentlichung von SVZ viele Facebook-Nutzer überwiegend gegen den Neubau. Auch auf der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung diskutierten die Stadtvertreter kontrovers.

Soll die barrierefreie Brücke gebaut werden?

zum Ergebnis
 

Jens Gröger, Fachbereichsleiter für Stadtentwicklung und Tiefbau, präsentierte an dem Abend zwar vier Varianten für die barrierefreie Querung des Ludwigsluster Kanals, stellte aber gleich klar, dass nur eine davon Aussicht auf Genehmigung habe – die Brücke direkt neben der Schlossbrücke. Für den Ausschussvorsitzenden Uwe Langmaack (AfL) keine gute Nachricht: „Ich habe Bauchschmerzen bei der Entscheidung“, sagte er. Ihm gefalle die Variante von der Fußgängerbrücke an der Tüsche besser. Dafür müssten die Passanten in der Schlossstraße jedoch knapp 200 Meter vor der Schlossbrücke nach rechts in eine kleine Gasse abbiegen. Außerdem sei die Brücke an dieser Stelle wegen ihrer tiefen Lage vor überlaufendem Hochwasser nicht sicher, so Gröger. Noch einmal machte er deutlich, dass die Verwaltung mit dem Beschlussvorschlag für die Brücke auf „den Input der Bürger“ reagierte. „Es liegt an den Stadtvertretern. Wenn sie sagen, alles soll so bleiben, wie es ist, dann bleibt es so. Wir sind da schmerzlos.“ Bürgermeister Reinhard Mach wies in der Sitzung darauf hin, dass es hier um eine Entscheidung im Jahr 2017 gehe. „Wir haben uns auch nach dem neuen Bundesteilhabegesetz zu richten“, so Mach. Mit dieser Brücke stärke man die Teilhabe und Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderungen. „Wer sie aber durch Seitengassen schickt, diskriminiert sie.“

Ein harter Vorwurf, findet Horst Hintze. Der 73-jährige Bauunternehmer hat in den 1980er-Jahren viel zur Sanierung der historischen Schlossbrücke beigetragen. „Ich möchte nicht, dass dieser schöne Anblick jetzt zerstört wird“, sagt er. Die mehr als 1000 Unterschriften für die Brücke überzeugen ihn nicht. „Ich könnte jetzt auch losziehen und Gegenstimmen sammeln“, so Horst Hintze. „Und ich sage Ihnen, da würden genauso viele zusammenkommen.“

PRO & CONTRA

Ja - Gleiche Rechte für alle

Ich möchte, dass  alle Menschen mitgenommen werden  und am Leben in unserer schönen Stadt teilhaben können. Junge Familien mit Kinderwagen, Roller, aber auch mobilitätseingeschränkte Mitbürger, die unsere besondere Unterstützung brauchen. Eine barrierefreie Fußgängerbrücke  ist ein direkter Weg zu Schloss und Umgebung. Der  Weg am alten Rittmeisterhaus ist für mich keine Alternative. In der zweiten Reihe zu gehen, ist diskriminierend. Jeder soll gleichberechtigt auf der Schlossstraße bis zum Schloss  flanieren können. Das ist auch der kürzeste Weg zum Schloss. Bautechnische Veränderungen sollen helfen, die Verkehrssicherheit zu unterstützen. Die neue schicke Brücke soll architektonisch ins denkmalgeschützte Schlossareal passen.

Therese Holm, 67, Ludwigslust

 

Nein - Keine Brücke neben der Brücke

In den 1980er-Jahren wurde die Schlossbrücke, das Kronjuwel der Stadt, grundlegend instand gesetzt. Die Brücke ist der Stolz der Denkmalpflege. Eine Brücke neben der Brücke halte ich aus denkmalpflegerischer Sicht für unangebracht. Schlossbrücke, Kaskaden und Schloss sind ein hochkarätiges Ensemble und das muss unangetastet bleiben. Ludwigslust bemüht sich mit Schwerin zusammen um die Anerkennung als Weltkulturerbe. Es wäre fatal, wenn wir durch eine zweite Brücke neben der Brücke die Anerkennung verlieren würden. Um mobilitätseingeschränkten Bürgern die Kanalquerung zu ermöglichen, könnte man die Schlossbrücke besser pflastern.  Man könnte auch   am Rittmeisterhaus über den Kanal. Der Weg ist ruhig, sicher, idyllisch  und hat sogar eine Parkplatzanbindung. 

 

Horst Hintze, 73, Ludwigslust

 

 

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