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Ludwigsluster Tageblatt

25. September 2017 | 06:35 Uhr

Ludwigslust : Die Sache mit den Fördermitteln

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Dennis Augustin investiert in „Villa Gustava“-Areal und hat als AfD-Spitzenkandidat kein Problem mit EU-Zuschüssen / Seine Gegner schon

von
erstellt am 08.Sep.2017 | 15:13 Uhr

Beim Thema Geld hört die Parteigefolgschaft schon mal auf. Dennis Augustin aus Ludwigslust, Kreisvorsitzender und Spitzenkandidat der AfD, liefert jetzt ein Beispiel dafür.

Als potenter Investor und Besitzer saniert der 47-jährige Architekt derzeit die „Villa Gustava“ und den dazugehörigen Park. Nun kam heraus, dass Augustin für zwei Teilprojekte seines Ausbaus Fördermittel aus dem EU-Programm Leader beantragt und auch bewilligt bekommen hat. Konkret geht es um den Bau einer Brennerei in einem Nebengebäude auf dem Gelände und um die Sanierung des völlig heruntergekommenen Parks, immerhin 55 000 Quadratmeter groß. Die zugesagte Fördersumme liegt bei insgesamt 465 000 Euro. Die Investitionssumme für beide Projekte liegt laut Augustin im Millionenbereich.

Das Thema hat bei Eingeweihten schon lange für Verwunderung gesorgt. Spätestens mit der Kandidatur Augustins wurde aus dem politischen Grummeln im Hintergrund offener Protest. Am deutlichsten drückte sich Heiko Böhringer, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der FDP/AfL-Kreistagsfraktion, aus: „Was die Leader-Projekte mit der Villa Gustava anbelangt, freue ich mich wie viele im Land über jedes historische Gebäude, was im neuen Glanz erscheint. Wenn es aber dazu kommt, dass wir dafür unsere Seele verkaufen und uns dafür prostituieren müssen, sieht es ganz anders aus. Ich möchte denjenigen in der Leader-Aktionsgruppe auch keinen Vorwurf machen, aber sie sind dem Wolf im Schafspelz zum Opfer gefallen.“

CDU-Kandidat Dietrich Monstadt fand das Ganze auch unverständlich. „Auf der einen Seite ist die AfD doch massiv gegen die EU und alles Europäische. Aber die Fördermittel aus Europa, die nimmt man dann gern mit?“

Augustin selbst kann die Aufregung überhaupt nicht verstehen. „Wir sind als Partei nicht gegen die EU an sich, wir sind gegen die weitere Abgabe von Souveränitätsrechten. Das ist ein Unterschied. Und wir sind für regen Handel in einem gemeinsamen Wirtschaftsraum. Die Brennerei und Teile des Parkes sollen öffentlich zugänglich sein, warum soll ich da keine Förderung annehmen? Zumal ich selbst viel mehr investiere. Wir Deutsche sind in der EU sowieso die größten Nettozahler. Ich schaffe hier Arbeitsplätze und erhalte einen wichtigen Teil der Stadtgeschichte.“

Im Programm seiner Partei zur bevorstehenden Bundestagswahl steht zum Thema EU etwas deutlicher: „Die weitere Mitgliedschaft in der Eurozone ist für Deutschland unbezahlbar... Deshalb muss Deutschland die Transferunion aufkündigen und den Euroraum verlassen.“ Transfers schließen aber auch Fördermittel ein. An anderer Stelle steht, dass die AfD Subventionen und Bürokratie abbauen und Steuerverschwendung strafbar machen will. Zu den Subventionen gehören aber auch die Fördermittel.

Reinhard Mach, Bürgermeister von Ludwigslust, sieht das ganze Thema neutral. „Wir haben ja im Vorfeld mit anderen Besitzern schon versucht, da etwas an dieser für die Stadt sehr wichtigen Stelle zu bewegen. Und als Herr Augustin mit neuen Ideen und Engagement in der Sache auf uns zukam, haben wir ihm auch geholfen. Das machen wir mit allen so“, erklärte der parteilose Bürgermeister. Denn der entscheidende Hinweis auf die mögliche EU-Förderung kam von der Stadt. Reinhard Mach dazu: „Wir fördern das Objekt und nicht die Person.“


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