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Ludwigsluster Tageblatt

23. November 2017 | 06:48 Uhr

Conow : Die Pflanzen sind seine Welt

vom
Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Gärtnermeister Friedhelm Köhn aus Conow hat sein Ladengeschäft geschlossen / Gemeinde dankt ihm für langjährige Unterstützung

von
erstellt am 07.Jan.2015 | 19:00 Uhr

Die Stiefmütterchen blühen in den schönsten Farben: gelbe sprießen neben lilafarbenen Pflanzen. „Eigentlich viel zu früh“, sagt Gärtnermeister Friedhelm Köhn aus dem Mallißer Ortsteil Conow. „Aber das derzeitige milde Klima führt dazu, dass die Pflanzen hier im Gewächshaus schon jetzt blühen. Normalerweise dürfte es erst im Frühjahr soweit sein.“

Doch für Friedhelm Köhn hat das Jahr nicht nur im Gewächshaus ungewöhnlich begonnen. Denn nach vielen Jahren hat er sein Ladengeschäft in Conow gleich neben der Gärtnerei geschlossen. „Mit nun 65 Jahren ist es Zeit, in den Ruhestand zu gehen“, meint der Gärtnermeister.

In Conow, aber auch den umliegenden Gemeinden, ist der Name Köhn nicht erst seit 1990 ein Begriff. Damals, genauer am 1. April 1990, übernahm Friedhelm das Gartenbauunternehmen von seinem Vater Siegfried. „Mein Vater hatte die Gärtnerei 1948 aufgebaut, nachdem er aus der Kriegsgefangenschaft heimgekehrt war“, erzählt Friedhelm Köhn. „Er baute die verschiedensten Pflanzen an, darunter auf Forderung der damaligen Behörden sogar Tabak. Neben Pflanzenanbau diente der Betrieb auch als Kranzbinderei.“

Allerdings vermutet Friedhelm Köhn, dass es schon vor dem Krieg einen Vorläufer des Unternehmens in Conow gab. „Meine Frau und ich haben vor kurzem alte Fotos gefunden, die meinen Großvater vor einem Blumengeschäft mit seinem Namen zeigen.“

Ganz offensichlich lag der Beruf den Köhns im Blut. Denn 1966 begann auch Friedhelm Köhn eine Lehre in der Ludwigsluster Schlossgärtnerei. Nach dem anschließenden Wehrdienst arbeitete er ab 1970 im Betrieb seines Vaters und machte seinen Gärtnermeister. Am bereits erwähnten 1. April 1990 übernahm Friedhelm Köhn dann den Gartenbaubetrieb.

„Die Umstellung in der Wendezeit war schon enorm“, blickt Köhn zurück. „Zu DDR-Zeiten wurde uns alles zu festen Preisen abgenommen. Wir belieferten die HO ebenso wie zum Beispiel die Schulküche in Malliß, die Küche des Spanplattenwerks oder den damaligen VEB Großhandel Obst, Gemüse, Speisekartoffeln, kurz OGS. Nach der Wende war dann plötzlich die Konkurrenz unter anderem aus Holland da, egal, ob bei Tomaten oder Schnittblumen.“

Doch er ließ sich nicht unterkriegen. Noch 1990 rückte der Bagger an, riss die alten Gewächshäuser samt der Garage ab, die einst als kleiner Verkaufsraum diente. An deren Stelle traten moderne Gewächshäuser, doppelt verglast, energiesparend und anstelle der Kohle- mit Ölheizung. Ebenso entstand ein schmuckes Blumengeschäft. In diesem übrigens half ihm viele Jahre Ehefrau Ilse, die früher Horterzieherin und Schulgartenlehrerin war.

Das Ladengeschäft hat Köhn nun geschlossen und abgemeldet. Zum offizellen Geschäftsende kam auch der Mallißer Bürgermeister Volker Sielaff. „Friedhelm Köhn war immer für die Gemeinde da. Wenn es hier etwas zu pflanzen gab, konnten wir uns immer an ihn wenden. Einen Großteil der Pflanzen hat er gesponsert. Bei Geburtstagen von Jubilaren gab es bei ihm stets die besten Schnittblumen. Irgendwie sitzen wir jetzt auf dem Trockenen“, bedauert der Bürgermeister.

Friedhelm Köhn selbst dankt seiner treuen Kundschaft. „Die Leute aus der Gemeinde und den umliegenden Dörfern haben immer zu uns gehalten. Ohne sie hätte unser Betrieb wohl kaum überleben können.“

Übrigens: Wenn auch das Ladengeschäft geschlossen hat, so ganz im Ruhestand ist Friedhelm Köhn dann doch nicht. „Die Gärtnerei betreibe ich im Nebenerwerb weiter. Balkon-, Beet- und Gemüsepflanzen gibt es deshalb ab Frühjahr 2015 wie gewohnt.“

 

 

 

 

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