Ludwigslust : „Die Nutzer sind verärgert“

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Einführung einer jährlichen Nutzungsgebühr für die Stadtbibliothek Ludwigslust hat Besucherzahlen drastisch reduziert

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03. April 2017, 21:00 Uhr

Rund 62 Prozent weniger erwachsene Nutzer in der Stadtbibliothek Ludwigslust im Berichtsjahr 2016. Grund dafür: Seit dem 1. Januar vergangenen Jahres gilt die 1. Änderungssatzung der Bibliothekssatzung. Seitdem müssen Erwachsene eine Jahresgebühr von zwölf Euro bzw. eine Tagesgebühr von zwei Euro bezahlen. Vorher war die Nutzung der Bibliothek für alle Besucher kostenfrei.

Mit einem derart drastischen Rückgang der erwachsenen Nutzer hat Anke Ballhorn, Leiterin der Stadtbibliothek, nicht gerechnet. „Nachdem bekannt wurde, dass wir eine Nutzungsgebühr einführen werden, hörte man schon häufig, dass einige Nutzer ihre Ausweise zurückgeben wollen. Ich hatte mit ungefähr 40 Prozent Rückgang gerechnet, aber ganz sicher nicht mit über 60 Prozent.“ Doch die Erfahrung von Kollegen aus anderen Bibliotheken, die schon lange mit Nutzungsgebühren arbeiten, bestätigte sich auch in Ludwigslust. 2016 nutzten nur noch 573 Menschen die Bibliothek, in den vergangenen fünf Jahren waren es jährlich noch etwa 1500.

Auch die Nutzungszahlen bei den Jugendlichen sind leicht zurückgegangen, obwohl sie noch keine Gebühr zahlen müssen. „Jugendliche, die eine Schuleinrichtung besuchen, können die Angebote der Bibliothek kostenfrei nutzen. Dazu gehören auch Berufsschüler“, erklärt Anke Ballhorn. Lediglich die Zahlen der Nutzer im Alter von sieben bis zwölf Jahren sind im vergangenen Jahr etwa gleich geblieben. Und die Zahl der Nutzer der Onleihe Mecklenburg-Vorpommern, die auch die Jahresgebühr zahlen müssen, ist sogar von 92 Nutzern im Jahr 2015 auf 134 Nutzer im vergangenen Jahr angestiegen. „Die Onleihe hat sich sehr gut entwickelt“, so Anke Ballhorn. Das kann jedoch kaum über die verlorenen Nutzer hinwegtrösten. „Es bleibt dabei, die Leute sind verärgert über die Veränderung und kommen auch nicht wieder.“

Bei der Prognose für das laufende Jahr zeigt die Bibliotheksleiterin sich dann aber doch zuversichtlich. „Ich denke, dass sich die Zahlen jetzt stabilisieren und wir keine weiteren Rückgänge verzeichnen werden.“ Das bestätigen auch die neuesten Zahlen aus dem ersten Quartal dieses Jahres. Sie zeigen, dass die Bibliothek wieder einen leichten Anstieg bei den Nutzern mit Jahresgebühr verzeichnen konnte. Das läge hauptsächlich an der Onleihe, so Anke Ballhorn. Auch bei der Tagesnutzung sind die Zahlen leicht angestiegen. „Wir bieten gemeinsam mit dem Zebef Einführungsveranstaltungen für Flüchtlinge an und sie nutzen unsere Angebote hauptsächlich über die Tagesgebühr“, erklärt Anke Ballhorn.

Bei der nächsten Sitzung des Ausschusses für Kultur, Sport und städtepartnerschaftliche Zusammenarbeit im Mai ist das Thema Stadtbibliothek noch einmal auf der Tagesordnung. Dann sollen auch die Zahlen des ersten Quartals vorgelegt und ausgewertet werden.

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