Ludwigslust : Die moderne Postfrau tankt Strom

Zustellerin Katrin Haase fährt täglich 40 Kilometer mit dem E-Auto.
Zustellerin Katrin Haase fährt täglich 40 Kilometer mit dem E-Auto.

Katrin Haase gehört landesweit zu den ersten Zustellern, die den StreetScooter fahren

svz.de von
29. September 2017, 06:34 Uhr

Halb elf Uhr morgens kann Katrin Haase kurz durchatmen. Die Pakete sind im Laderaum verstaut, die Briefe im Regal auf dem Beifahrersitz einsortiert. Techentin, Ludwigslust, Klein Laasch und Neustadt-Glewe. Das ist ihre Tour an diesem Vormittag. Zehn Minuten Pause bleiben ihr noch, dann wird sie sich in ihr Auto setzen, einmal kurz auf den Knopf drücken und fast unbemerkt vom Hof des Zustellstützpunkts im Fliederweg rauschen.

Vierzig Kilometer liegen vor ihr. Vierzig Kilometer Stop and Go. Fast 300 Mal auf ihrer Fahrt wird sie anhalten. Aussteigen. Wieder einsteigen. Motor starten. Anhalten. Aussteigen. Wieder einsteigen. Früher war das müßig. Früher, als sie noch in dem gelben VW T5 Diesel von Haus zu Haus tuckerte. Und laut war es auch. „Wenn mich jemand im Auto von der Straße aus ansprach, mussten wir schreien, um uns überhaupt zu verstehen“, erzählt sie.

Das ist jetzt vorbei. Der Diesel „nagelt“ nicht mehr, sagt Jens-Uwe Hogardt, Pressesprecher der Deutschen Post DHL Group aus Hamburg mit einem Lächeln im Gesicht. Er ist an diesem Morgen extra nach Ludwigslust gekommen. Denn der Zustellstützpunkt im Gewerbegebiet Bauernallee gehört in MV neben Wismar und Brüel zu den ersten, die die Deutsche Post mit ihren elektrisch betriebenen Street-Scootern ausrüstet. Vier sind es zurzeit. Zwei Autos sollen demnächst noch dazu kommen, damit die Ladesäulen mit ihren sechs Anschlüssen voll ausgelastet werden. Hogardt ist überzeugt davon, dass sich der StreetScooter bei der Deutschen Post durchsetzen wird. Bis 2025, sagt er, wolle die Deutsche Post die eigene Zustellung zu 70 Prozent sauber und emissionsfrei ausführen. Im Jahr 2050 soll die Post dann ausnahmslos nur noch mit dem E-Auto kommen.

Katrin Haase kann sich heute, nur vier Wochen nach der Umstellung, kein anderes Dienstfahrzeug mehr vorstellen. „Ich hätte dieses Auto schon sehr gern früher gehabt“, sagt sie. Weil die Kupplung fehlt, habe sie mehr Beinfreiheit und stoße nicht mehr mit den Knien an. Weil der Fahrersitz so hoch ist, falle das Ein- und Aussteigen viel leichter. Weil der Radkasten im Laderaum verschwunden ist, habe sie mehr Platz für Pakete. Im fensterlosen Laderaum geht das Licht an, sobald die Tür geöffnet wird. Vorn im Cockpit kann Katrin Haase über eine Rückfahrkamera im Monitor sehen, was hinter ihrem Wagen passiert. Das Display zeigt ihr, wie viel Strom die Batterie geladen hat. Mit einer Reichweite von 80 Kilometer kommt sie gut aus. Meist ist der Akku noch halb voll, wenn sie ihn zum Feierabend wieder an die Steckdose dockt.

Die Paket- und Briefkunden reagieren durchweg positiv auf das neue Fahrzeug. „Auf meiner Route liegen sechs Autohäuser“, erzählt sie. „Da ist das Interesse der Mitarbeiter natürlich riesig.“ Sie fragen neugierig, manche würden sich auch gern hin-einsetzen. Das erlaubt Katrin Haase aber nicht. Auch im Postauto gilt das Briefgeheimnis.

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