Sanierung Schloss Ludwigslust Teil 6 : Die Menagerie des Königs

Aus der Menagerie von Jean-Baptiste Oudry: Leopard…
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Aus der Menagerie von Jean-Baptiste Oudry: Leopard…

Berühmte Werke des französischen Hofmalers Jean-Baptiste Oudry in Ludwigslust zu sehen

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02. März 2016, 12:00 Uhr

Noch 4 Tage: Der Ostflügel des Ludwigsluster Schlosses wird am 6. März nach der Restaurierung wieder eröffnet. SVZ gewährt bis dahin täglich einen Blick hinter die Fassade.

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Bereits Herzog Christian Ludwig II. sammelte neben niederländischen und flämischen Meistern auch Gemälde von Jean-Baptiste Oudry (1686 - 1755). 1724 hatte dieser seine Karriere als Hofmaler des französischen Königs Ludwig XV. begonnen. Später bestimmten besonders Jagdmotive sein Werk. Tierdarstellungen und bewegte Jagdszenen entsprachen der höfischen Repräsentation und Jagdleidenschaft. Jean-Baptiste Oudry war bei den großen Jagden stets zugegen, begleitete Ludwig XV. dabei und hielt diese bedeutenden gesellschaftlichen Ereignisse in Bildern fest.

Oudry, der intensiv das Verhalten der Tiere in der Natur beobachtete und studierte, setzte diese malerisch meisterhaft in Szene. Rund 25 Jahre arbeitete Oudry für den französischen Hof und hatte in ganz Europa einen Namen. Bis zu seinem Tod schuf er rund 1000 Gemälde und 3000 Zeichnungen. Eine besondere Auswahl seiner Werke zeigt das Schloss Ludwigslust.

Darunter befinden sich auch die Gemälde aus der einmaligen Menagerie-Serie Jean-Baptiste Oudrys. Im Auftrag von François Gigot de la Peyronie (1678 - 1747), dem ersten Chirurgen Ludwigs XV., malte Oudry in den Jahren von 1739 bis 1745 großformatige Bilder der exotischen Tiere und Vögel aus der königlichen Menagerie. Es ist anzunehmen, dass die Serie als Geschenk für den König gedacht war. Als La Peyronie 1747 verstarb, verblieben die Bilder jedoch bei Oudry, der sie 1750 Herzog Christian Ludwig II. zum Kauf anbot. Der leidenschaftliche Kunstliebhaber und Sammler hatte bereits 1732 erste Aufträge an Oudry vergeben. Auch sein Sohn, Erbprinz Friedrich, lernte ihn im Rahmen seiner Grand Tour kennen. Zwischen 1737 und 1739 besuchte er ihn mehrere Male und nahm Zeichenunterricht bei ihm. In den Jahren von 1733 bis 1755 erwarben Christian Ludwig II. und Erbprinz Friedrich 44 Gemälde und 40 Zeichnungen des Künstlers.

Die beiden Leoparden (siehe Bilder), 1741 gemalt, zeigen deutlich die künstlerische Qualität Oudrys, lässt er doch die Gefährlichkeit und Dramatik nahezu greifbar erscheinen. Farbe und Licht der Bildkomposition sind so raffiniert eingesetzt, dass die Szenen regelrecht beleuchtet erscheinen. Zudem spielt Oudry mit gegensätzlichen Stimmungen: Der männliche Leopard wendet sich knurrend und Zähne fletschend nach rechts – ihm gegenüber steht die Leopardin ruhig mit leicht geöffnetem Maul und verhalten. Und nicht zuletzt spiegeln die beiden Leopardenschwänze die verschiedenen Verhaltensweisen wider: Beide Bilder verdeutlichen eindrucksvoll das Übertragen menschlicher Verhaltensweisen in Tierdarstellungen, wie es im 18. Jahrhundert weit verbreitet war.

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