Ludwigslust : Die Bauern wollen lauter werden

Die Mitgliederversammlung war gut besucht.
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Die Mitgliederversammlung war gut besucht.

Der Kreisverband Ludwigslust sprach gestern von der schlimmsten Zeit der Landwirte nach der Wende. Nicht nur für die Milchbauern geht es um die Existenz.

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04. März 2016, 21:00 Uhr

Dietrich Groth, der Chef des Kreisbauernverbandes für den Altkreis Ludwigslust, ist als Mann klarer Worte bekannt. Gestern legte er bei der außergewöhnlich gut besuchten Mitgliederversammlung seines Lobbyverbandes in Pritzier noch einen drauf. „Wir reden bei 2015 vom wohl schwersten Jahr für die Landwirte seit der Wende. Die Milchpreise waren zehn Monate unter 30 Cent und damit existenzbedrohend, die Schweinepreise sind abgestürzt. Und selbst bei den Feldfrüchten ist trotz guter Ernte und ordentlicher Arbeit unsere Landwirte kaum etwas hängen geblieben.“ Auch bei artgerechter Tierhaltung und dem Tierwohl würden die vielen Anstrengungen der Landwirte weder gewürdigt noch honoriert. „Tierwohl liegt uns allen am Herzen. Doch am Ende muss es für uns Landwirte auch immer darum gehen, ob es sich wirtschaftlich lohnt. Und hier werden durch die Politik die falschen Anreize gesetzt.“

Selbst das gut gemeinte Sommerweidenprogramm für dieses Jahr sei schlecht durchdacht, so dass wohl kein Milchbauer seine Tiere aus den Ställen holen werde. Groth, der für den Bauernverband im Kreistag sitzt, sparte aber auch nicht mit Selbstkritik. Die Bauern müssten lauter werden, ihre Positionen in der Öffentlichkeit offensiv verteidigen. Da sei bisher viel zu wenig passiert. Und noch immer sei der Bauernverband Ludwigslust mit etwas mehr als 200 Mitgliedern und einem Organisationsgrad von 48 Prozent der am schwächsten aufgestellte Kreisverband im Land. Auch das müsse sich ändern.

Begonnen hatte die gestrige Mitgliederversammlung mit einem leider für die Bauern typischen Thema: Erfahrungen mit dem georeferenzierten Antragsverfahren. Klingt kompliziert, ist es auch. Im Kern geht es darum, dass die Bauern im Land ihre Flächen auf den Quadratmeter genau über Geodatensystem abrechnen müssen, wenn sie Geld von der EU bekommen wollen. Landwirtschaftsminister Till Backhaus, der gestern einer der Hauptredner in Pritzier war, mahnte die Bauern, daran zu denken, dass es bei diesem Thema um die saubere Abrechnung von Steuergeldern gehe. Mecklenburg werde dieses Thema der Geodaten so unkompliziert wie möglich lösen. Vielen Landwirten fehlt da der Glaube, weil sie seit Jahren vor allem mit den Vorgaben aus Brüssel eine völlig ausufernde Bürokratie erleben. Dietrich Groth: „Für uns stellt sich die Frage, wie demokratisch so ein System ist, wenn man keine Chance hat, sich gegen derartigen Unsinn zu wehren.“

Der Kreistag spielte gestern auch eine Rolle, schließlich gibt es dort eine Fraktion Allianz Bauern und ländlicher Raum. Und die hat nun seit einigen Monaten auch das Sagen im Ausschuss ländlicher Raum und Landwirtschaft. Durch den Wechsel an der Ausschussspitze habe sich die Arbeit in dem Gremium spürbar versachlicht. Landrat Rolf Christiansen bestätigte in seiner Ansprache diese gute Arbeit. Und er forderte die Bauern auf, sich an den Prozessen der regionalen Planung zu beteiligen. Dabei gehe es nicht nur um Windkraft, sondern vor allem auch um Biogas.

Dietrich Groth wurde gestern mit 51 von 53 Stimmen als Vorsitzender des Kreisbauernverbandes wiedergewählt. Seine Stellvertreter sind Dr. Manfred Leberecht aus Grabow und Brigitte Roost-Krüger aus Holthusen.

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